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Decarlis Sperre wiegt schwer für Eintracht

Jubel: Gerrit Holtmann freut sich über seinen Treffer. Foto: Eibner

Mit Rumpfabwehr gegen Düsseldorf – Lieberknecht hoff auf Vrancic.

Von Elmar von Cramon, 10.05.2016.

Braunschweig. Einen durchaus kuriosen Verlauf hat die Fußball-Zweitligapartie zwischen Eintracht und dem VfL Bochum in der zweiten Halbzeit genommen. Trotz aller Widrigkeiten entschieden die Löwen das letzte Auswärtsspiel der Saison verdient mit 3:2 für sich. Durch die Rote Karte für Saulo Decarli spitzt sich die Personalsituation im Abwehrbereich vor dem Saisonfinale gegen Fortuna Düsseldorf jedoch weiter zu.

Wahrlich kein alltägliches Spiel haben die Zuschauer am Sonntagnachmittag gesehen, in dessen Mittelpunkt neben dem überragenden Gerrit Holtmann vor allem Schiedsrichter Robert Kempter stand. Ein aberkanntes Tor von Jan Hochscheidt, zwei umstrittene Foulelfmeter für die Gastgeber und eine Rote Karte für Saulo Decarli waren laut Torsten Lieberknecht „Steine, die meine Mannschaft aus dem Weg geräumt hat“, um den ersten Auswärtssieg seit dem 2:0 beim SV Sandhausen im Dezember 2015 einzufahren.
„Wir waren gut im Spiel, deshalb war ich mir zur Halbzeit sicher, dass wir die Partie mit Punkten beenden werden. Wir wollten das letzte Auswärtsspiel unbedingt drehen und gewinnen“, so der Eintracht-Trainer, der gleich eine Reihe diskussionswürdiger Entscheidungen verdauen musste: „Im Spiel trifft der Schiedsrichter die Entscheidungen aus seiner Sicht, das muss man akzeptieren, auch wenn man vielleicht anderer Meinung ist.“
Dies traf besonders auf den nicht gegebenen Treffer von Jan Hochscheidt und den ersten Foulelfmeter zu, als Adam Matuschyk Bochums Simon Terodde nur leicht berührte. Größere Konsequenzen hatte vor allem die Rote Karte gegen Saulo Decarli, der Felix Bastians im Strafraum umschubste, was Kempter als Tätlichkeit auslegte. Die Blau-Gelben werden gegen die ausgesprochene Sperre von drei Begegnungen vermutlich Einspruch einlegen.
Dabei helfen könnte eine Szene, an der auch Torsten Lieberknecht während seiner aktiven Zeit beteiligt war: In der Spielzeit 2006/07 erhielten die Blau-Gelben beim 1:1 gegen den MSV Duisburg einen Strafstoß mit ähnlicher Vorgeschichte. Der Unterschied: Der ungleich kraftvollere Schubser von MSV-Kapitän Carsten Wolters gegen Benjamin Siegert wurde lediglich mit einer Gelben Karte geahndet. „Vielleicht hilft uns diese Szene dabei, das Strafmaß für Saulo zu reduzieren“, hofft Lieberknecht, der den fälligen Elfmeter damals sicher zum Ausgleich verwandelte.
Gelingt dies nicht, ginge der 42-Jährige mit Sorgenfalten in die Vorbereitung zur neuen Spielzeit, weil ein Comeback von Marcel Correia zu Saisonbeginn fraglich ist. „Uns würden gleich zwei gelernte Innenverteidiger ausfallen“, ist Lieberknecht besorgt.
Zunächst gilt es jedoch, eine schlagkräftige Abwehr für das Saisonfinale gegen Fortuna Düsseldorf zu finden, was nach der Sperre Decarlis und der langen Verletztenliste eine Herkulesaufgabe ist: Lediglich Ken Reichel und Niko Kijewski stehen als gelernte Abwehrspieler zur Verfügung, auch in der U19 und U23 sind diverse Akteure verletzt. „Es wird eine ganz spannende Frage, wer aufläuft“, so Lieberknecht, der hofft, dass zumindest Damir Vrancic fit wird. Im Erfolgsfall hätte Eintracht noch die Chance, auf Platz fünf zu rücken und sich gegenüber der Vorsaison um einen Rang zu verbessern.
Manch einer hätte den Löwen dies vor wenigen Wochen gar nicht mehr zugetraut, sodass Lieberknecht sich nun mit seinem Werben um Geduld bestätigt sehen kann: „Ich habe immer gesagt, dass man die Saison erst nach dem letzten Spieltag bewerten sollte.“
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