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„Christoffer und Joseph werden ihren Weg machen“

Hasse Borg 2006 als Sportdirektor in Malmö. Foto: imago

Fußball: Eintrachts früherer Spieler Hasse Borg im NB-Interview über seine Zeit in Braunschweig und Spieler aus seiner Heimat.

Von Elmar von Cramon, 30.05.2017.

Braunschweig. Der frühere Eintracht-Spieler Hasse Borg erzählt im NB-Interview über seine Zeit bei den Blau-Gelben und die Ausbildung von Zlatan Ibrahimovic.

?Welche Erinnerungen haben Sie an die Saison 1980/81, als Sie mit Eintracht in der Relegation gegen Kickers Offenbach antreten mussten und nach einer 0:1-Hinspielniederlage durch ein 2:0 in Braunschweig in die Bundesliga zurückkehrten?

!Ich kann mich noch gut an diese Saison in der 2. Liga und die Relegation gegen Offenbach erinnern. Wir gewannen am Ende der Saison acht der letzten zehn Spiele und schafften es, wieder auf den zweiten Tabellenplatz zu klettern, obwohl wir dort seit dem dritten Spieltag nicht mehr gestanden hatten. Obwohl ich eine WM und viele Begegnungen im Europacup mitgemacht habe, waren die anschließenden beiden Relegationsspiele gegen Offenbach ein ganz besonderes Erlebnis in meiner Laufbahn. Wenn es, wie im Rückspiel damals, um alles geht, bleibt einem das unvergessen, auch wegen der Euphorie, die im Anschluss an das Spiel in der Stadt herrschte.

?Wie geht man als Spieler in so eine Partie?

!Jeder Spieler hat die Hoffnung solche Spiele zu erleben, in denen es um „etwas mehr“ geht als in einem normalen Spiel. Als Trainer würde ich der Mannschaft sagen: „Hierfür haben wir gekämpft, jetzt könnt ihr alles geben und gemeinsam etwas schaffen, an das ihr euch euer ganzes Leben erinnert.“


?Im Anschluss an den Aufstieg blieben Sie noch zwei weitere Jahre in Braunschweig, obwohl sie eigentlich schon nach Schweden zurückkehren wollten...

!Mein Vertrag lief damals zum Saisonende aus. Eigentlich hatte ich schon alles für meine Rückkehr nach Schweden vorbereitet. Gegen Ende der Saison lief dann alles für uns. Wir haben viele Spiele gewonnen, landeten auf dem zweiten Tabellenplatz. So bekamen wir in der Relegation gegen Kickers Offenbach die Chance, in die Bundesliga aufzusteigen, was letztlich ja auch gelang. Nach dem Spiel haben wir natürlich gefeiert. Eigentlich wollten wir uns schon am darauffolgenden Tag über einen neuen Vertrag unterhalten. Zunächst bin ich aber nach Schweden zurückgekehrt, um über alles nachzudenken. Die Eintracht-Verantwortlichen haben mich dann dort aufgesucht, schließlich habe ich noch mal einen Vertrag unterschrieben und hatte im Anschluss noch zwei weitere schöne Jahre in Braunschweig. Ich hatte allerdings schon vorher beschlossen, mich in meiner Heimat frühzeitig um meine berufliche Zukunft nach der Karriere zu kümmern. Dort habe ich dann noch fünf Jahre die Fußballschuhe für Malmö FF geschnürt.

?Wie lange liegt ihr letzter Besuch in Braunschweig zurück?

!Das war zum 60. Geburtstag von Uwe Hain vor knapp zwei Jahren. Es war ein tolles Erlebnis, viele ehemalige Mannschaftskameraden wiederzutreffen, die ich teilweise seit über 30 Jahren nicht gesehen hatte. Ich habe mir fest vorgenommen, wieder einmal live im Stadion dabei zu sein.

?Haben sie den spannenden Weg von Eintracht in der abgelaufenen Saison verfolgt?

!Ja, ab und zu habe ich mir auch eine Begegnung im Fernsehen angesehen, wie zum Beispiel das Heimspiel gegen Union Berlin vor einigen Wochen. Zum Schluss der Saison wurde es ja äußerst spannend.

?Wie schätzen Sie die Chancen von Eintracht ein, noch mal in die Bundesliga zurück zu kehren?

!Es hat mich sehr gefreut, dass sie vor vier Jahren den Weg in die 1. Liga zurückgefunden haben, auch wenn sie danach wieder abgestiegen sind. Ohne zu viel über die Mannschaft zu wissen, glaube ich, dass der Verein aus dem Abstieg gelernt hat. Ich denke, dass der Verein auch dafür bereit wäre, länger in der Bundesliga zu bleiben. Natürlich ist die Bundesliga eine der besten Ligen überhaupt, doch von dem, was ich mitbekommen habe, wird bei Eintracht sehr gute Arbeit geleistet. Auch die tollen Fans würden sicher ihren Teil dazu beitragen, Eintracht dort zu etablieren.


?Eintracht hat in der Vergangenheit vermehrt auf skandinavische Spieler gesetzt, darunter auch welche aus ihrer Heimat. Was sagen sie zum Werdegang von Christoffer Nyman und Joseph Baffo?

!Ich kenne Christoffer und Joseph aus Schweden. Es sind junge Spieler, die eine tolle Entwicklung genommen haben und ihren Weg bei Eintracht sicherlich erfolgreich fortsetzen werden.

?Sie selbst haben während ihrer Zeit als Sportdirektor bei Malmö FF mit Zlatan Ibrahimovic einen Weltklasse-Fußballer ausgebildet. Dieser hat sie wiederholt als seinen Mentor bezeichnet, was bedeutet ihnen dieses Lob?

!In einem Interview zu Beginn seiner Karriere habe ich gesagt, „entwickelt er sich zu dem, wozu er fußballerisch Talent hat, wird er wahrscheinlich ein Weltklassespieler“. Als ich das Interview als Teil des Films „Becoming Zlatan“ vor einigen Jahren wiedergesehen habe, hat es mich natürlich gefreut, dass ich damals richtig gelegen habe.
Ein so großes Talent wie Zlatan hatte ich vorher noch nie gesehen. Er ist nicht nur groß und stark, sondern auch technisch ganz hervorragend. Darüber hinaus hat er hart gearbeitet und auch sonst vieles ganz richtig gemacht.

?Worauf kommt es für einen Nachwuchsspieler an, der im Profibereich optimal Fuß fassen will?

!Hart arbeiten, an sich selbst glauben und sich gut in die Mannschaft zu integrieren, sind die Grundvoraussetzungen. Ein gewisses Talent bringen ab einem gewissen Level dann alle Spieler mit. Um die nächsthöhere Stufe zu erreichen, musst du im Training deshalb immer einen Tick mehr in die Waagschale werfen als die anderen.


?Als Sie bei Eintracht spielten, kamen viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs oder der unmittelbaren Umgebung von Braunschweig. Wie wichtig ist eine gute Nachwuchsförderung?

!Spieler aus der Umgebung oder dem eigenen Nachwuchs zu integrieren, ist für die Stadt und die Fans enorm wichtig. Natürlich bekommt die Mannschaft ihre Schlagkraft meistens durch Spieler von außerhalb, dennoch ist die Jugendarbeit sehr wichtig, weshalb wir in Malmö immer viel Geld in den Nachwuchsbereich investiert haben. Durch die Wechsel von Spielern aus dem eigenen Nachwuchs haben wir dann Transfereinnahmen generiert, ohne die es im Profifußball schwierig ist, zu überleben.

?Was haben Sie seit ihrem Abschied vom Fußballgeschäft gemacht?

!Seit zwei Jahren kümmere ich mich vornehmlich um meinen Bauernhof und meine Pferde. Meine Frau reitet nach wie vor Dressurturniere, deshalb bin ich in erster Linie für sie da.
Des Öfteren komme ich somit auch wieder nach Deutschland. Vom aktiven Fußballgeschehen habe ich mich zurückgezogen, bin aber nach wie vor Tribünengast bei den Heimspielen von Malmö FF .
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