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„Braunschweig ist sehr gut aufgestellt“

Basketball-Bundesliga: Der scheidende Phantoms-Cheftrainer Sebastian Machowski im ausführlichen nB-Interview.

Von Christoph Matthies, 20.05.2012

Braunschweig. Nach drei Jahren an der Oker wird Phantoms-Headcoach Sebastian Machowski in der kommenden Saison den Ligakonkurrenten aus Oldenburg trainieren. Zum Abschied sprach die nB mit dem 40-jährigen Basketball-Lehrer über seine Zeit in Braunschweig, den Wunsch international zu spielen und die Perspektiven für die Phantoms.

?Wie würden Sie Ihre drei Jahre in Braunschweig rückblickend beurteilen?

!Zusammengefasst waren das drei erfolgreiche Jahre, weil wir in jedem Jahr die Playoffs erreicht haben. Das haben außer uns nur Berlin und Bamberg geschafft. Auch dass wir jetzt nach der Hinrunde den fünften Platz innehatten, war eine Bestätigung dafür, dass wir zumindest in der ersten Saisonhälfte wieder gut gearbeitet und auch gut rekrutiert haben. Dann haben uns so ein bisschen die Verletzungen aus der Bahn geworfen, so dass es am Ende nur der siebte Platz wurde. Auch die beiden Final-Four-Teilnahmen waren sicherlich herauszuheben. Im Großen und Ganzen haben wir hier in den drei Jahren schon gute Arbeit geleistet.

?Und für Sie persönlich?

!Ich bin gern hier in Braunschweig und habe auch gern mit den Leuten hier zusammengearbeitet. Wir haben zumindest die Mannschaft als solche weiterentwickelt – ob das auch für den Verein gilt, vermag ich nicht zu beurteilen. Wenn man etwas Negatives herausnehmen will, dann sicherlich, dass wir es nicht geschafft haben, dass permanent mehr Besucher zu unseren Heimspielen kommen.
?Was sind die Gründe für die enttäuschenden Zuschauerzahlen?

!Ich weiß nicht, ob es das Fehlen von Identifikationsfiguren ist. In der ersten Saison hatten wir ja immerhin zwei deutsche Nationalspieler, die wir aber leider an einen finanzkräftigeren Verein verloren haben. Ob es fehlende Marketingkampagnen sind oder die Eintracht ... Es ist schwer zu sagen, woran es tatsächlich liegt. Vielleicht sind die Zuschauer hier verwöhnt, vielleicht haben wir auch die spielerische Konstanz vermissen lassen. Ich denke aber, insgesamt haben wir insbesondere zu Hause guten Sport gezeigt.

?Gibt es Dinge, die Sie zurückblickend anders machen würden?

!Ja, aber das ist müßig. Ich bin schon sehr selbstreflektierend und überlege mir, ob das beispielsweise schlau war, dass LaMarr Greer im letzten Angriff von Spiel zwei gegen Ulm den Ball bekam. Aber im Nachhinein ist es müßig zu sagen: „Hättest du es mal anders gemacht!“

?Als Sie aus Polen nach Braunschweig wechselten, haben Sie ein paar Spieler mitgebracht. Werden wir einige Braunschweiger nächste Saison in Oldenburg wiedersehen?

!Es war für mich immer selbstverständlich, zu versuchen, gute Spieler, die gute Charaktere und außerdem noch nicht satt sind, mitzunehmen oder zu halten. Das galt ja auch für die drei Jahre hier. Es gibt bei den Phantoms momentan nicht viele Spieler, die keinen Vertrag haben, und ob es dann letztlich dazu kommt, dass der eine oder andere in Oldenburg spielt, muss man abwarten. Dafür ist es noch zu früh, aber ich will es nicht ausschließen.

?Hat die Aussicht auf internationalen Wettbewerb Ihre Entscheidung für Oldenburg beeinflusst?

!International zu spielen ist einer der Faktoren, die diesen Wechsel interessant machen. Die EWE Baskets haben eine Vision, ein Ziel, auf das sie hinarbeiten. Sie haben ein Selbstverständnis, das eben auch vorsieht, dass sie europäisch spielen. Mit dieser Ambition, sich so hoch wie möglich nicht nur in der deutschen Liga, sondern auch europäisch zu messen, kann ich mich identifizieren. Das spricht für Oldenburg.

?Würden Sie den Phantoms raten, kommende Saison ebenfalls international zu spielen, um den nächsten Schritt zu wagen?

!Ich habe zwei Jahre lang gegen Windmühlen gekämpft und bin weit davon entfernt, dem Verein jetzt einen Rat zu geben. Wir hatten uns diese Chance erspielt und ich fand es sehr desillusionierend, dass das dann nicht wahrgenommen wurde. Das wäre sicher eine Möglichkeit gewesen, um Spieler wie Marcus Goree, Brandon Thomas oder Heiko Schaffartzik hier zu halten, und ich finde schade, dass es dazu nicht gekommen ist.

?Wie gut ist Braunschweig Ihrer Meinung nach aufgestellt?

!Ich gehe nach wie vor davon aus, dass Braunschweig nicht nur sehr gut aufgestellt ist, sondern dass hier Basketball neben der alles beherrschenden Eintracht eine wichtige Rolle spielen kann – und dass man es auch schaffen kann, die Volkswagenhalle zu füllen.
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