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Braune Flecken auf blau-gelbem Hintergrund

Diskutierten auf dem Podium: (v.l.) Ulrich Markurth, Sebastian Ebel, Henning Noske, Gerhard Gizler und Reinhard Koch. Foto: SH

Die Eintracht untersucht in einer Broschüre die dunklen Seiten der Vereinsgeschichte – Podiumsdiskussion im Business-Bereich des Stadions.

Von Christoph Matthies, 06.11.2015.

Braunschweig. Die Aufarbeitung der eigenen NS-Vergangenheit beschäftigt viele Unternehmen und Institutionen noch immer. Im Sport beginnt diese historische Spurensuche bei vielen Vereinen erst jetzt. Die Eintracht-Braunschweig-Stiftung hat am Mittwoch eine Broschüre vorgestellt, die sich den braunen Flecken in der eigenen Geschichte widmet.

Dafür gibt es Lob. „In den 80er-Jahren war die Bereitschaft der Vereine, sich kritisch mit der eigenen NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen, bei maximal zehn Prozent der Jubiläumsschriften gegeben“, so Professor Arnd Krüger, Vorsitzender des niedersächsischen Instituts für Sportgeschichte. Heute seien es etwa 25 Prozent. „Aber dieser ist so ziemlich der erste und einzige Versuch, sich ausschließlich mit der NS-Zeit zu beschäftigen.“ In der 1995 veröffentlichten Chronik zum 100. Geburtstag der Eintracht waren unliebsame Wahrheiten über die Rolle im Dritten Reich noch kurz vor Erscheinen gestrichen worden.

Krüger war einer der geladenen Besucher bei der Vorstellung von „Es ist für’s Vaterland, wenn’s auch nur Spiel erscheint“, einer mehr als 60 Seiten starken Untersuchung der Jahre 1930 bis 1950. Im Business-Bereich des Stadions diskutierte Moderator Henning Noske mit Eintracht-Präsident Sebastian Ebel, Oberbürgermeister Ulrich Markurth und Gerhard Gizler, Urheber der Publikation. Außerdem hatte Reinhard Koch als Leiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt auf dem Podium Platz genommen.

Eine trockene Geschichtsstunde wurde das nicht. Noske lenkte das Gespräch in Richtung der Frage, welche Bedeutung die (braune) Vergangenheit für die Gegenwart habe. Die in der Broschüre aufgezeigten NS-Verstrickungen von Kurt Hopert und Heinz Graßhoff, die nach Kriegsende hohe Positionen im Verein innehatten, wurden nur angeschnitten. „Diese Biografien zu finden hat wehgetan“, sagte der Autor Gizler über diesen spannenden Abschnitt der Veröffentlichung.

„Ein vorauseilend gleichgeschalteter Verein“ sei die Eintracht gewesen, fasste Noske zusammen. Ein Verein, „der in vielen Dingen eine Vorreiterrolle hatte. Etwa beim Thema ’judenfrei‘, was man stolz vermeldet hat“, ergänzte Markurth.

Präsident Ebel nutzte die Vorstellung des Buches, um sich von rechten Umtrieben, die auch auf Braunschweigs Straßen wahrzunehmen sind, eindeutig und leidenschaftlich zu distanzieren. „Es ist wichtiger denn je, heute klar Position zu beziehen“, befand er und ermutigte dazu, „den propagandistischen Anfängen, die teilweise auch schon in Gewalt umgeschlagen sind“, zu begegnen.

Die Broschüre „Es ist für’s Vaterland, wenn’s auch nur Spiel erscheint“, deren Ergebnisse auch in die historische Eintracht-Dauerausstellung im Stadion einfließen, ist für 9,90 Euro im Buchandel und in Fanshops erhältlich.
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