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Bittere Löwen-Niederlage in letzter Sekunde

Thomas Klepeisz (links) und seine Löwen hatten den zweiten Saisonsieg bis zum letzten Wurf in der Hand. Foto: T.A.

Basketball-Bundesliga: Das Derby in der VW-Halle geht mit 77:75 denkbar knapp an Göttingen.

Von Christoph Matthies, 05.11.2016.

Braunschweig. Mit zwei defensiven Aussetzern in den letzten Sekunden haben sich die Löwen um den Derby-Sieg gebracht. Das Positive an der 75:77 (39:35)-Heimniederlage: Die Braunschweiger Fans sahen eine Mannschaft, die mit dem Tabellenzehnten auf Augenhöhe spielte und nicht den Eindruck erweckte, als hätte sie im Abstiegskampf bereits am achten Spieltag das Handtuch geworfen.

Und gerade deshalb war es umso bitterer, wie die Niederlage zustande kam. Fast die ganze Partie über hatten die Löwen, bei denen Small Forward Dyshawn Pierre mit 15 Punkten endlich wieder ein Faktor in der Offensive war, eine knappe Führung gehalten. Mitte des dritten Viertels schraubte Point Guard Carlos Medlock den Vorsprung per Dreier gar auf zehn Punkte, und die gut 2000 Braunschweiger unter den 2700 Zuschauern in der VW-Halle durften gar vom ersten Heimsieg träumen.

Die Göttinger kämpften sich allerdings zurück in die Partie, so dass die Schlussphase richtig spannend wurde. Einen Floater von Löwen-Guard Carlton Guyton zum 70:68 (38. Minute) glich Göttingens Mathis Mönninghoff, der viel zu leicht allein zum Korb schneiden konnte, per Korbleger aus. Wenig später lieferte Medlock eine Szene aus dem Basketball-Lehrbuch – Kapitel: Wie man es nicht macht. Beim Einwurf unter dem gegnerischen Korb fand er keine Anspielstation und warf den Ball direkt zu Gäste-Center Scott Eatherton. „So eine Aktion geht gar nicht“, ärgerte sich Löwen-Coach Frank Menz hinterher. „Da kann man den Ball nicht einwerfen, oder man wirft dem Gegner den Ball an die Füße.“

Obwohl Medlocks Fauxpas von den Gästen in der Offensive nicht bestraft wurde, traf Benas Veikalas 58 Sekunden vor Schluss zur 72:70-Gästeführung. Dieses Mal war eine unkontrollierte Aktion von Löwen-Center Jannik Fresse vorausgegangen, die dem Gegner das Spielgerät direkt in die Hände warf.

Trotz der vermeidbaren Fehler in der Offensive hielten die Löwen den Kopf oben, gaben nicht auf. Ganz besonders einer zeigte nun, welches Kämpferherz und welche Führungsqualitäten in ihm stecken: Thomas Klepeisz, der junge Österreicher, der 39 Minuten lang praktisch nichts auf die Kette bekommen hatte, zögerte im direkten Gegenzug keine Sekunde und traf cool von „Downtown“ zur 73:72-Führung der Gastgeber. Während vorher vor allem die zahlreichen Veilchen-Fans richtig Radau gemacht hatten, waren nun auch die Braunschweiger voll da.

Was 34 Sekunden vor Schluss geschah, sorgte allerdings schnell wieder für Ernüchterung. „Benas Veikalas konnte noch drei Sekunden nach links und rechts gucken, ob er wirklich so frei stand“, beschrieb Menz die Szene, als die Löwen-Defensive den treffsicheren Litauer an der Dreierlinie offenbar einfach vergessen hatte. Der überlegte noch kurz, entschied sich dann das Geschenk anzunehmen und traf zum 75:73.

Klepeisz hatte allerdings immer noch etwas dagegen zu verlieren. 17 Sekunden vor Schluss zeigte der Löwen-Aufbauspieler seine ganze Klasse, als er sich zum Korb durchwirbelte und wieder ausglich.

Ein weiterer defensiver Lapsus ließ die Göttinger allerdings erneut und endgültig in Führung gehen. Eine gute Sekunde vor Schluss kam der gut aufspielende Adam Waleskowski, Göttingens Topscorer mit 17 Punkten, völlig frei unter dem Korb an den Ball und legte den Ball unbedrängt zum Göttinger Sieg in die Reuse. „Das muss ich mir auf Video angucken, das kann ich überhaupt nicht glauben“, wirkte auch Menz nach diesen Fehlern relativ ratlos. Durch die Aussetzer in den Schlussminuten hatten sich die Löwen um den Lohn ihrer Mühen gebracht. Der erste Heimsieg der Saison – und zweite Saisonsieg insgesamt – wäre durchaus nicht unverdient gewesen, doch Medlocks Dreier mit der Schlusssirene traf nur den Ring.

Nach der siebten Niederlage in Serie bleiben die Braunschweiger Vorletzter der BBL-Tabelle.

Für die Löwen punkteten: Pierre 15, Guyton 14, Medlock 13, Freese 8 (7 Rebounds), Groselle 7, Klepeisz 7, Schwartz 6, Simon 3, Theis 2.
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