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„Bin mit Leib und Seele Einträchtler geworden“

Gegen den Karlsruher SC im Einsatz: Eintrachts Deniz Dogan. SH

2. Fußball-Bundesliga: Mit Deniz Dogan trat zum Saisonende ein weiterer verdienter Spieler der Löwen ab – Zwölf Treffer in 212 Begegnungen.

Von Elmar von Cramon, 12.06.2015.

Braunschweig. Mit Deniz Dogan trat zum Saisonende neben Dennis Kruppke ein weiterer verdienter Eintracht-Spieler ab. Seit seinem Wechsel vom VfB Lübeck an die Hamburger Straße lief der 35-Jährige in 212 Begegnungen für die Löwen auf, in denen ihm zwölf Treffer glückten. Während seiner Zeit in Braunschweig gelangen neben der Drittligaqualifikation die Aufstiege 2011 und 2013, außerdem wurde er im Dezember 2010 zum Spieler des Monats in der 3. Liga gewählt. Auch nach dem Ende seiner Laufbahn bleibt der gebürtige Lübecker den Blau-Gelben erhalten und läuft künftig als spielender Co-Trainer für die U23 des Vereins auf. Für die nB lässt der ehemalige Vizekapitän seine lange Zeit bei Eintracht Revue passieren, spricht über das Jahr in der Bundesliga und seine Zukunft.

?Haben Sie die Relegation mit einem weinenden Auge verfolgt, nachdem Sie Platz drei mit Eintracht in der abgelaufenen Saison knapp verfehlt haben?

!Nein, denn der KSC hat eine gute Saison gespielt und stand verdient auf dem dritten Tabellenplatz. Wir waren in dieser Saison noch nicht so weit, auch wenn sicherlich mehr möglich gewesen wäre. Unterm Strich ist es dennoch eine gute Spielzeit für uns gewesen, weil es nach dem Bundesligaabstieg wichtig war, sich zu stabilisieren.

?Wie fühlt es sich an, nach acht Jahren in Blau-Gelb seine Karriere zu beenden ?

!Man muss Dinge im Leben auch loslassen können, sonst tritt man auf der Stelle. Klar ist ein bisschen Wehmut dabei, nicht mehr zu spielen, außerdem hätte ich in der vergangenen Saison gerne noch häufiger gespielt und meinen Teil zum Erfolg beigetragen. Auf der anderen Seite war mir bewusst, dass irgendwann ein Generationswechsel ansteht. Ich habe im Training trotzdem immer hundert Prozent gegeben und stand bereit, wenn ich gebraucht wurde. Meine Position in der Innenverteidigung sehe ich für die Zukunft nicht als schwierige „Baustelle“ an, dort sind wir mit Marcel Correia und Saulo Decarli sehr gut besetzt.
Zwar hätte ich anderswo noch weiterspielen können, doch es stand langfristig fest, dass ich dem Verein in anderer Funktion erhalten bleiben soll. Ich freue mich auf meine neue Aufgabe als spielender Co-Trainer in der U23.

?In der Vorsaison debütierten Sie im stolzen Alter von 34 Jahren in der Eliteklasse. Wie haben Sie das „Abenteuer Bundesliga“ mit Eintracht erlebt?

!Das Bundesligajahr verbinde ich mit ganz besonderen Erinnerungen und bin dankbar über jede Minute, die ich in einer der besten Ligen der Welt auf dem Platz stehen durfte. Sich auf diese Herausforderung einzustellen, ist zu einem gewissen Grad auch eine Kopfsache, trotzdem war es sicher nicht alltäglich, mit 34 Jahren noch mal in der ersten Liga zu spielen. Körperlich war es kein Problem: Vor dem Aufstieg hatte ich eigentlich fast immer einen Stammplatz, deshalb war ich topfit und brauchte lediglich ein paar „Zusatzschichten“ im Bereich Kraft- und Stabilisationstraining zu schieben.
In sportlicher Hinsicht ist der Sprung von der 3. zur 2. Liga vergleichsweise gering, während 2. und 1. Liga Welten trennen. Die Spieler haben eine unglaubliche Qualität, das Spiel läuft viel schneller und Kleinigkeiten entscheiden letztlich über Sieg oder Niederlage. Wir wussten, dass es schwer werden würde, sich in so kurzer Zeit an das hohe Niveau anzupassen. Rückblickend haben wir viele gute Spiele abgeliefert und gezeigt, dass wir mithalten konnten, auch wenn sich das nicht immer im Ergebnis niederschlug und es nicht ganz reichte.

?Ein paar Jahre zuvor wäre Eintracht beinahe in der 4. Liga gelandet, was hat sich aus Ihrer Sicht im Vergleich zu damals verändert?

!Eintracht war damals im Vergleich zu anderen Drittligisten besser aufgestellt, hatte aber bei weitem nicht die Infrastruktur von heute. Die Marke Eintracht ist in den vergangenen Jahren aufpoliert worden, der Verein wurde in allen Belangen weiter professionalisiert und bekam eine Struktur, mit der sich die Menschen in Braunschweig identifizieren können. Durch viele richtige Entscheidungen der Verantwortlichen stellte sich dann der Erfolg ein. Auf diese Weise erhielt der Verein auch die finanziellen Möglichkeiten, Eintracht für die Zukunft auf ein richtig gutes Fundament zu stellen, was man besonders am Nachwuchsleistungszentrum sieht. Alles trägt langsam Früchte, weil die ganze Eintracht-Familie im Laufe der Zeit an ihren Aufgaben gewachsen ist.

?Welche Entwicklung hat ihr Trainer Torsten Lieberknecht genommen?

!Torsten Lieberknecht hat sich genauso wie sein Trainerteam enorm weiterentwickelt. Er ist ein junger Trainer, der von Anfang an bereit war, viel zu lernen. Und er hat großes Augenmerk darauf gelegt, sich intensiv mit der Mannschaft auszutauschen.
Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft unter seiner Regie nach dem Umbruch genauso zu einer Einheit wird, wie wir es geworden sind. Gibt man ihr die Zeit dazu, werden die kommenden Jahre auf jeden Fall vielversprechend.

?Was nehmen Sie persönlich aus ihrer Zeit als Spieler mit?

!Ich selbst bin während der langen Zeit mit Leib und Seele Einträchtler geworden und bekam die Verantwortung, eine Führungsrolle innerhalb der Mannschaft zu übernehmen. Während der acht Jahre sind wir sportlich und persönlich weitergebracht und bereichert worden.
Es gibt viele schöne Momente, an die ich mich erinnere. Es war etwas Besonderes, mit den Jungs zusammenzuspielen, der Zusammenhalt hat uns geholfen, erfolgreich zu sein. Wir hatten gemeinsam eine Menge Spaß, waren nicht nur darauf aus, am Monatsende unser Geld abzuholen. Ich sehe die Mannschaft immer noch als „meine“ Jungs, es sind meine Freunde, mit denen ich auch nach meiner aktiven Zeit verbunden bleibe.

?Auf welche Weise hat Sie Ihr Zwillingsbruder Hüseyin über die Jahre begleitet, dem Sie in Ihrem ersten Jahr bei Eintracht sogar auf dem Platz gegenüberstanden, als er beim VfB Lübeck spielte?

!Hüseyin war während unserer gemeinsamen Zeit beim Hamburger SV defensiv sogar stärker als ich. Leider wurde er aber durch verschiedene schwere Verletzungen immer wieder zurückgeworfen. Als Zwillinge sind wir sehr eng verbunden und seine Meinung war mir immer sehr wichtig. Wir ticken eigentlich genau gleich, was für mich immer eine große Hilfe war. Er war auch oft hier in Braunschweig zu Besuch und häufig dabei, wenn ich mit den Jungs etwas unternommen habe. Bei der Aufstiegsfeier 2011 hat er mich sogar einmal vertreten, da ich wegen eines gebrochenen Beins nicht so gut laufen konnte. Er ging für mich auf die Bühne und holte sich den Applaus ab, bevor ich hinzukam und die Situation aufgelöst habe (lacht).
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