Anzeige

„Basketball ist bei uns wie eine Religion“

Aufbauspieler Zygimantas Janavicius dirigiert die Löwen-Offensive. Für den 28-jährigen Litauer ist Braunschweig die erste Profistation außerhalb seiner Heimat. Foto: Agentur Hübner

Zygimantas Janavicius, der bei den Löwen im Spielaufbau die Strippen zieht, ist der erste litauische Profi in Braunschweig.

Von Christoph Matthies, 27.10.2017.

Braunschweig. Nein, einen guten Start hatte er bei den Löwen wirklich nicht. Ex-Trainer Raoul Korner schickte Zygimantas Janavicius im Sommer 2014 wegen einer Handverletzung wieder nach Hause. Drei Jahre später ist der Litauer wieder da – als eine der tragenden Säulen des Basketball-Bundesligisten.

„Das habe ich längst vergessen“, winkt Janavicius ab, wenn man ihn nach seinem ersten Kurzengagement in Braunschweig fragt. Nach drei weiteren Spielzeiten ist er nun doch noch angekommen, an seiner ersten Station außerhalb seines Heimatlandes. „Ich bin schon 28 Jahre alt. Vielleicht habe ich den Fehler gemacht, Litauen zu spät verlassen zu haben“, klingt er fast schon etwas wehmütig, wenn er über seinen Karriereverlauf spricht.

Basketballnation Litauen

Dabei ist das Profi-Dasein in dem baltischen Staat sicher nicht das schlechteste. „In Litauen ist Basketball sehr beliebt. Es ist wie eine Religion“, berichtet Janavicius, und er könnte hinzufügen: Den Basketballhelden des Landes wird gehuldigt wie Propheten. Sarunas Jasikevicius etwa, 41 Jahre alt und mittlerweile in Basketball-Rente. Der vierfache Euroleague-Champion und Europameister von 2003 wird auch von Janavicius verehrt. „Er war ein großartiger Point Guard“, sagt der Neu-Löwe, der ebenfalls als Strippenzieher im Aufbau agiert.

„Ich habe schon versucht, mir etwas bei ihm abzuschauen“, erzählt Janavicius, vor allem das Pick-and-Roll-Spiel habe er bei der Legende studiert. Es brachte ihn immerhin auch ins litauische Nationalteam, für das er allerdings nur in einigen Freundschaftsspielen, nicht aber bei großen Turnieren auflaufen durfte. Vor der EM 2015 war Janavicius der letzte Spieler, der aus dem Nationalkader aussortiert wurde.

So wie Janavicius’ Qualitäten offensichtlich sind, etwa seine Verteidigung oder der Zug zum Korb, so sind auch seine Schwächen nicht zu übersehen. Der Distanzwurf etwa ist, ganz untypisch für einen litauischen Guard, nicht seine Stärke. In sechs BBL-Partien hat er gerade mal 18 Prozent (3/17) seiner Dreier eingenetzt. Auch von der Freiwurflinie lief es bisher noch nicht (56 Prozent).

Den Balten ärgert das zwar, doch er stellt auch klar: „Im Basketball geht es nicht nur um Punkte, da gibt es auf dem Feld noch viel anderes zu tun. Ich bin kein Scorer. Ich bin Point Guard, ich will meine Mitspieler finden und der verlängerte Arm des Trainers auf dem Feld sein.“

Eiskalt gegen Würzburg

Das gelingt schon ganz gut. Janavicius verteilt 4,2 Assists pro Spiel, mit ihm auf dem Parkett sind die Löwen – gemessen an der Punktdifferenz – am erfolgreichsten. Und ab und an trifft er dann doch einen Dreier, am liebsten die wichtigen. Wie beim Sieg gegen Tabellenführer Würzburg, eine Minute vor Schluss zum fast schon vorentscheidenden 69:63. Die Fans in der VW-Halle tobten.

Daran, dass seine Löwen die Klasse halten, zweifelt Janavicius keine Sekunde. „Ich glaube, dass wir schon ein gutes Defensivteam sind. In der Offensive sind wir aber manchmal noch zu langsam in unseren Entscheidungen“, sieht er im Angriff noch Luft nach oben. „Wir brauchen noch ein paar Spiele, um unser volles Potenzial zu zeigen.“
Am Donnerstag wollen die Löwen in Erfurt ihren dritten Saisonsieg feiern. Zwei Tage später kommt dann der Deutsche Meister aus Bamberg in die VW-Halle.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.