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Armselig: Randale in der vierten Liga

Die Abreise der Gäste lief reibungslos in den bereitgestellten Bussen Richtung Hauptbahnhof – gegen 20 Uhr verließ der letzte Zug mit Verspätung Braunschweig. Fotos: Ammerpohl
 
Provokationen seitens der Braunschweiger. Rund 100 Ultras stürmten auf der Gegengerade in Richtung 96-Fans.

Sogenannte Ultras von Eintracht Braunschweig und Hannover 96 suchen sich in der Regionalliga eine Bühne.

Von Andreas Konrad
und Jonas Dräger, 23.09.2014.

Braunschweig. Eintracht gegen Hannover – und wieder Randale.

Die gestrige Begegnung zwischen den zweiten Mannschaften von Eintracht Braunschweig und Hannover 96 (Endstand 1:4) in der Regionalliga Nord bescherte der Polizei einen arbeitsreichen Tag. Lediglich 1490 Zuschauer, davon rund 800 aus Hannover, mussten von geschätzt 1000 Beamten in Schach gehalten werden.
15.56 Uhr – mit 15 Minuten Verspätung rollt der erste Zug mit Hannoveranern in den Braunschweiger Hauptbahnhof ein. Alles friedlich, die etwa 350 ersten Gästefans werden per Bus ins Stadion gebracht. Eine Stunde später kommen noch einmal 50 Nachzügler an. In einem der Busse wird Pfefferspray versprüht, so dass der Fahrer auf der A 392 am Ölper Knoten auf dem Seitenstreifen nothalten muss. Der Bus steckt fest, die Personalien aller Insassen werden aufgenommen, bis weit nach Spielende.
16 Uhr – rund 250 sogenannter Ultras aus Hannover, in 60 Autos angereist, wollen vom „real“-Parkplatz an der Hamburger Straße zum Stadion marschieren und beschädigen dabei einen Polizeiwagen. Einsatzkräfte aus Braunschweig, Göttingen und Oldenburg kesseln diese daraufhin ein, bis der Schuldige sich stellt. Anschließend wird der ganze Konvoi über die stadtauswärts dafür gesperrte Hamburger Straße unter vereinzelten Flaschenwürfen zum Stadion eskortiert.

Amateurderby fast abgebrochen

Eintrachts U23 unterliegt Hannovers U23 mit 1:4 – Polizei stoppt Hooligans im Stadion

Trotz des massiven Polizeiaufgebots ist es beim Amateurderby zu Ausschreitungen gekommen. Die 1:4-Niederlage der Löwen geriet dabei in den Hintergrund.
32 Minuten verlief die Partie auf dem Rasen absolut friedlich. Hannover führte vor 1490 Zuschauern durch einen Treffer von Sebastian Ernst mit 1:0. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Etwa 100 vermummte Braunschweiger Hooligans waren über den Eingang an der Rheingoldstraße in das Stadion eingedrungen. Dort stürmten sie Block 10 auf der Osttribüne und versuchten, von dort die Gästefans in der Nordkurve zu erreichen.
Der Ordnungsdienst, der bisher alles im Griff hatte, wurde von ihnen überrannt. Die Hannoveraner, die zu diesem Zeitpunkt noch auf das Eintreffen ihres harten Kerns warteten, versuchten ihrerseits den Block zu verlassen und den Braunschweigern entgegenzulaufen. Schiedsrichter Julian Lüddecke unterbrach die Partie sofort. Polizeieinheiten stürmten den Rasen und verhinderten ein Aufeinandertreffen der Randalierer. Sogar berittene Einheiten befanden sich zwischenzeitlich auf dem Platz.
Nach 20 Minuten hatte sich die Situation beruhigt. Die Polizei kesselte einen Großteil der beteiligten Personen hinter der Südkurve ein. Die Mannschaften betraten das Spielfeld wieder – bis zur Pause tat sich auf dem Rasen jedoch nichts mehr.
Den besseren Start in die zweite Hälfte hatten dann die Blau-Gelben. Gianluca Korte war nach schöner Einzelleistung von Gerit Holtmann zur Stelle und traf aus kurzer Distanz zum 1:1 (49.). Mit einem Eigentor nur drei Minuten später brachte Korte die Gäste jedoch wieder in Führung.
Eintracht warf in der Folge alles nach vorne und erarbeitete sich einige Chancen. Ein Kopfball von Marcel Bär wurde auf der Linie geklärt (77.), einen Fernschuss von Salim Khelifi lenkte Torwart Königsmann mit den Fingern um den Pfosten (78.). Die letzte Chance der Blau-Gelben vergab Dennis Slamar frei vor dem Gästekeeper (85.). In der Nachspielzeit trafen Jannis Pläschke (90+2) und Tim Dierßen (90+4) zum 1:4-Endstand.
„Das hat hier mit Fußball und Sport nichts mehr zu tun“, sagte Eintrachts Coach Henning Bürger sichtlich angefressen nach Spielende. Durch eine Blocksperre der Polizei bei den Eintracht-Fans blieb es zumindest nach Spielende ruhig.


Das sagt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in einer Presseerklärung:

GdP fordert Konsequenzen gegen Fußball-Chaoten

Hannover/Braunschweig, 23. September 2014: Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Niedersachsen verurteilt das Verhalten der Fußball-Chaoten beider Seiten beim Regionalliga-Spiel Eintracht Braunschweig II gegen Hannover 96 II scharf. Nur durch massive Polizei- und Sicherheitskräfte innerhalb und außerhalb des Stadions konnte ein Zusammentreffen gewaltbereiter Gruppierungen verhindert werden.
„Gegen diese Anti-Fußball-Fans muss nun rasch ermittelt und konsequent gehandelt werden“, fordert der GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff: „Es müssen spürbare Maßnahmen auch von Seiten der Vereine verhängt werden. Dabei muss auch über bundesweite Stadionverbote in allen Ligen geredet werden. Und wenn sich herausstellt, dass es sich nicht um Einzeltäter, sondern um Vorgehensweisen gesamter Gruppierungen gehandelt haben sollte, so müssen die Stadionverbote diese Personengruppen in ihrer Gesamtheit treffen“, betont Schilff. Dies sei besonders im Sinne des friedlichen Fußballs sowie der eingesetzten Polizeikräfte wichtig, sagt Schilff, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender der GdP ist.
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