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Anklage gegen Fußballrowdys

29 Polizisten wurden bei Krawallen verletzt.

Von Marion Korth, 09.10.2013.

Braunschweig. Erst flogen Worte und Beleidigungen, dann Aschenbecher und Stühle. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt Anklage gegen vier junge Männer wegen besonders schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung erhoben.

Zwei 19-Jährigen und zwei 20-Jährigen wird vorgeworfen, sich an den gewaltsamen Ausschreitungen am Pfingstwochenende nach dem letzten Zweitliga-Spiel der Saison von Eintracht Braunschweig in der Neuen Straße beteiligt zu haben. „Hier regiert der BTSV“ und „All cops are bastards“, das hatten die Randalierer den Polizisten zugebrüllt, dann flogen Zuckerstreuer, Stühle und sogar Tische. Da die Polizisten nur Helme und keine Schutzkleidung trugen, zogen sie sich zunächst zurück, wobei sie von dem gewalttätigen Mob verfolgt wurden. 29 Polizeibeamte wurden zum Teil schwer verletzt. Das Verfahren gegen 36 weitere Beschuldigte ist noch nicht abgeschlossen.
Krawalle wie die zu Pfingsten hatte es in Braunschweig noch nie gegeben, die Frage aber, wie mit Hooligans im Fußballumfeld umzugehen ist, beschäftigt Vereine, Polizei und Fangruppen gleichermaßen. Eine mögliche Antwort ist die auf die Bundesliga ausgeweitete Kampagne „Gemeinsam FAIR – für eine friedliche Fankultur“. Das Ziel der Kampagne ist, für eine friedliche Fußballbegeisterung zu werben und den Dialog zwischen Fan- und Vereinsvertretern sowie der Polizei zu fördern.
Die Situation in der Region ist dabei eine ganz besondere, da gleich drei Vereine aus benachbarten Städten in der ersten Fußball-Bundesliga spielen. Vor dem Spiel zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig am 8. November wollen Innenminister Boris Pistorius und Ministerpräsident Stephan Weil mit Vereins- und Fanvertretern in einer gesonderten Veranstaltung für ein friedliches Derby werben.
„Wir haben mit allen drei Vereinen, mit Hannover 96, Eintracht Braunschweig und dem VfL Wolfsburg gesprochen“, sagt Dietmar Schilff, Landesvorsitzender Gewerkschaft der Polizei. Und: „Wir können nicht vertreten, dass immer mehr Kollegen verletzt werden.“ Obwohl es bei der Begegnung mit Wolfsburg vergleichsweise friedlich zugegangen ist, flogen auch dort aus den Reihen der aus Braunschweig Angereisten Bierflaschen. Fünf Polizisten sollen verletzt worden sein. Für Schilff eine unhaltbare Situation: „Wir müssen vermitteln, wie es uns dabei geht. Viele unter den Kollegen sind selbst Fußballfans und sind frustriert, wenn sie dann so angegangen werden.“ Der Gewerkschaftsmann nimmt sich selbst nicht aus. Er ist Eintracht-Fan seit 1967, da nahm der Vater den damals Fünfjährigen zum Spiel mit.
Die Gewerkschaft setzt auf Gespräche mit den Fans und vor allem auf Prävention. Das Ziel: Vermeintliche Fans, die nur Randale suchen und auch vor Gewalt nicht zurückschrecken, zu isolieren. Daran müssen alle mitwirken, auch die wahren Fans, die der Freude am Fußball frönen.
„Mit der neuen Stadionordnung sind wir auf einem guten Weg“, meint Schilff. Auch die ausgesprochenen Stadionverbote begrüßt er. Alkohol sei das Grundproblem, von einem absoluten Alkoholverbot im Stadion hält er trotzdem nichts. „Damit würden auch all jene bestraft, die einfach nur ein Bier zur Bratwurst trinken möchten“, sagt er.
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