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„Alle Spieler haben gut mitgezogen“

Fußball: Interview mit Eintrachts Mannschaftsarzt Dr. Frank Maier über Verletzungen und Behandlungsmethoden.

Braunschweig. 15.06.2011

Mit dem Mannschaftsarzt von Eintracht Braunschweigs Profifußballern, Dr. Frank Maier, sprach nB-Mitarbeiter
Elmar von Cramon.

?Was bedeutet der Aufstieg der Mannschaft für Sie?

!Es ist in allen Belangen ein einzigartiger Erfolg, den man in dieser Art und Weise hier wohl noch nicht erlebt hat. Wichtig war, dass wir als Team optimal zusammengearbeitet haben. Training und Medizin gehören eng zusammen, da wirkt es sich positiv aus, wenn das Trainerteam offen für Anregungen aus der medizinischen Abteilung ist.

?Eintracht blieb über fast die gesamte Saison ohne schwere Verletzung. Worin ist die Ursache hierfür zu suchen?

!Natürlich hatten wir Glück, fast ungeschoren davon zu kommen. Manchmal kann man das Schicksal aber nicht beeinflussen. Generell ist es jedoch wichtig, dass alle Spieler zu 100 Prozent mitziehen, was in dieser Saison absolut der Fall war. Ein weiterer Punkt ist die Trainingssteuerung: Wir kontrollieren zwar nicht andauernd die Laktatwerte, Anzeichen einer Erschöpfungssituation bei den Akteuren werden aber sofort kommuniziert. Wichtig ist, eine gewisse Gratwanderung zu erzielen und zu erkennen, wann Erholung sich positiver auswirkt ist als weiteres Training. Alle Mitglieder unseres Trainerteams haben unter sogenannten „Schleifern“ trainiert und wissen, dass „Viel hilft viel“ in der modernen Trainingslehre nichts zu suchen hat.

?Junge Spieler am Anfang ihrer Profikarriere haben bereits zunehmend mit schweren Verletzungen zu kämpfen, was steckt dahinter?

!Die Belastung einer Nachwuchsmannschaft ist mit der eines Profiteams natürlich nicht zu vergleichen und eine Entwicklung wie die von Wayne Rooney ist die absolute Ausnahme. Bekommt ein Nachwuchsakteur eine Chance im Profiteam, wird er in der Regel Vollgas geben. Achtet man dann nicht darauf, dass der Spieler danach entsprechende Erholungspausen erhält, wird er anfälliger für Verletzungen. Bei Eintracht wird genau darauf geachtet, dass der Spieler einen kontinuierlichen Entwicklungsprozess durchlebt ohne verheizt zu werden.

?Was hat sich in den vergangenen Jahren in der Sportmedizin getan?

!In Sachen Trainingslehre ist man mehr in Richtung ganzheitlicher Körperkräftigung übergegangen, wie sie unter anderem von Marc Verstegen 2006 bei der Vorbereitung der Nationalelf auf die WM praktiziert wurde. Kraftmaschinen sind out, stattdessen steht die zentrale Stabilisierung im Vordergrund. In Sachen Behandlungsmethoden habe ich mich in den vergangenen Jahren sehr intensiv mit der Stoßwellentherapie auseinandergesetzt, die man während der Zeit unmittelbar nach einer Verletzung bis kurz vor Spielbeginn auch mobil anwenden kann.

?Wie halten Sie sich über Neuheiten im medizinischen Bereich auf dem Laufenden?

!Seit meinem sportmedizinischen Aufenthalt in den USA habe ich festgestellt dass dort offener mit neuen Behandlungsmethoden umgegangen wird, während man hier in Deutschland Dinge lieber für sich behält. Ich kommuniziere sehr gerne mit befreundeten Medizinern per Internet über medizinische Sachverhalte und tausche mich so über verschiedene Behandlungsmethoden aus.

?Worauf müssen die Spieler in Zeiten stetig wachsender Anforderungen achten?

!Wichtig ist, nicht bereits in der D-Jugend ausschließlich fußballspezifischen Belastungen ausgesetzt zu sein. Es fällt auf, dass andere Bewegungsschemata vernachlässigt werden und im koordinativen Bereich Nachholbedarf besteht. In puncto Ernährung wissen die meisten Akteure was ihnen gut tut. Wir geben ihnen, wenn überhaupt, eher allgemeinere Ratschläge wie zum Beispiel nach 18 Uhr möglichst wenig Kohlenhydrate zu sich zu nehmen.

?Wie halten Sie sich selber fit?

!Dreimal in der Woche laufe ich mir die berufliche Belastung buchstäblich von der Seele und versuche, mich darüberhinaus ausgewogen zu ernähren. In extremen Stressphasen ist genug Schlaf das Wichtigste, vor allem um das Immunsystem stabil zu halten.
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