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9599 Kilometer für ein Pokalspiel

Fußball: Im französischen „Coupe de France“ treffen Teams aus Afrika auf Profimannschaften.

Von Robin Koppelmann, 04.10.2009.

Tours. Im DFB-Pokal stöhnt mancher Fußballfan auf, wenn das Los den eigenen Klub quer durch die Republik schickt: Von Kiel bis München oder von Rostock nach Stuttgart kann hierzulande die Reise schon einmal gehen. Vielleicht sollten die Anhänger jedoch mal einen Blick ins benachbarte Frankreich werfen, dort spielen Teams aus den ehemaligen französischen Kolonien bis heute mit um den „Coupe de France“.

So auch im Januar diesen Jahres: Der aus der Réunion (einer Inselgruppe knapp 800 Kilometer östlich von Madagaskar) stammende SS Jeanne D‘Arc Le Port gastiert im Achtelfinale beim FC Tours. Unter den knapp 3000 Zuschauern tummeln sich auch gut 300 Fans der afrikanischen Gäste, welche aus den entlegensten Ecken Frankreichs zu diesem Pokalhighlight angereist sind.
Denn eigentlich hätten die Kicker vom Indischen Ozean als unterklassiger Verein ein Heimspiel gehabt, der enge Terminkalender des Zweitligisten Tours sorgte für ein Tausch des Heimrechts. Der französische Verband FFF übernahm die Flugkosten und gab so für das etwas andere Pokalspiel grünes Licht.
Grün ist während des Spiels auch der Rasen, trotz Temperaturen unterhalb der Frostgrenze. Ein kleiner Trost für die afrikanischen Spieler, welche beim Abflug noch 25 Grad in ihrer Heimat messen konnten. Der Unterschied wird auf dem Feld schnell deutlich, drei Mal muss das Spiel allein in der ersten Halbzeit wegen Verletzungen unterbrochen werden und zur Pause führt der FC Tours bereits mit 3:0. Die Fans von Jeanne D‘Arc lassen sich davon jedoch nur wenig beeindrucken und verbreiten mit Trommeln und Rasseln afrikanisches Flair im sonst eher stillen Rund.
„Wie beim Afrika-Cup“, weiß ein Journalist auf der Pressetribüne. Am Ende heißt es nach unterhaltsamen 90 Minuten 7:1 für Tours, immerhin ein Anschlusstreffer ist den Afrikanern gelungen. Für sie ist das Pokalabenteuer damit beendet, vielleicht gelingt im nächsten Jahr der große Coup. Denn auch in Frankreich qualifiziert sich der Pokalsieger für den Europapokal.
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