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Zwischen Nazi-Spuk und Bürgersinn

Aus der gesamten Region mit dem Zug angereiste Teilnehmer der Bragida-Demonstration am letzten Montag werden von der Polizei über den Magnitorwall und die Leonhardstraße zum Hauptbahnhof geleitet. Die Polizei spricht von rund 100 Teilnehmern, die als rechtsradikal und mitunter auch als gewaltbereit bekannt seien. Foto: Klaus Knodt/oh

Drei Kundgebungen vor dem Schloss – Polizeibekannte Radikale aus verschiedenen Lagern.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 23.01.2015.

Braunschweig. „Bragida“ , der lokale Ableger der islamkritischen bundesweiten Pegida-Bewegung, will weiter demonstrieren. Für den kommenden Montag (26. Januar) wurde erneut bei der Stadt eine Versammlung auf dem Schlossplatz angemeldet, und zwar von 18 bis 21 Uhr, mit 500 Teilnehmern. Die Versammlung wird in Absprache mit der Polizei wie am vorherigen Montag auf dem südlichen Schlossplatz stattfinden. Eine Kundgebung ist vorgesehen, eine Route wurde nicht mitgeteilt. Dies will der Veranstalter am Montag kurzfristig mit der Polizei vor Ort klären. Der Veranstalter erwartet 500 Teilnehmer.

Das Braunschweiger „Bündnis gegen Rechts“ hat unter dem Titel „Kein Platz für Rassismus, Nationalismus und Hetze gegen Flüchtlinge“ für denselben Tag, 18 bis 21 Uhr, ebenfalls auf dem Schlossplatz eine stationäre Versammlung angemeldet. Sie wird wie am Montag im nördlichen Schlossplatzbereich stattfinden. Als erwartete Teilnehmerzahl wurde hier 4 000 genannt.
Eine weitere stationäre Versammlung unter dem Titel „Kein Platz für Bragida – Kein Platz für Rassismus, Nationalismus und Hetze gegen Flüchtlinge!“ wurde von der Bibs-Fraktion an der Ecke Georg-Eckert-Straße/Bohlweg für den Montag von 17 bis 20 Uhr angemeldet. Wegen Sicherheitsbedenken der Polizei wurde festgelegt, dass die Versammlung auf der Nordseite des Schlossplatzes stattfinden soll, etwas unterhalb der „Bündnis gegen Rechts“-Demo. Der Veranstalter erwartet 200 Teilnehmer. „Am vergangenen Montag traten im Rahmen von „Bragida“ ausländerfeindliche Neonazi- und Hooligan-Gruppen auf und skandierten unter anderem mit Parolen wie ´Hier marschiert der nationale Widerstand`“, empört sich Peter Rosenbaum von der Bibs. „Gerade in dieser Stadt, die vor 83 Jahren durch Einbürgerung von Adolf Hitler dem Nazi-Spuk den Weg bereitete und 70 Jahre, nachdem Braunschweig vom Faschismus wieder befreit werden konnte, zeigen Bürgerinnen und Bürger rechtzeitig Gesicht“, erklärt Rosenbaum die Mahnwache.
Gegenüber dem Portikus hat die Bibs einen Platz für ihre Mahnwache zugewiesen bekommen. „Dort werden wir das Gespräch suchen“, erklärt Rosenbaum, „wir reden gern mit allen Seiten“, erklärt er.

Bragida nimmt Stellung

„Bragida“ selber distanziert sich von rechtsextremen Haltungen (siehe dazu das Statement einer Sprecherin auf www.unser38.de und auf Seite 2).
Die Polizei erwartet für kommenden Montag deutlich weniger Demonstranten auf beiden Seiten. Die genaue Strategie allerdings wird noch festgelegt. „Wir beobachten übers Wochenende die Entwicklungen“, erklärt Polizeisprecher Jochen Grande, „und werden am Montag entscheiden, wie wir genau vorgehen.“

Gewalttäter gesucht

Die Pufferzonen, mit denen die einzelnen Gruppen voneinander getrennt werden, sollen nach Bedarf ausgeweitet werden. Radikale aus der rechten wie der linken Szene werden von der Polizei genau beobachtet. „Bei der jüngsten Demonstration gab es von beiden Seiten auch vereinzelte Gewalt“, sagt Grande. Beim Abzug der Versammlungsteilnehmer auf der Georg-Eckert-Straße war es zu Flaschenwürfen aus beiden Lagern und zu Würfen von Böllern aus den Reihen der autonomen Szene gekommen. Eine Flasche habe nur knapp den Kopf eines Polizisten verfehlt. Gesucht wird das von zwei Schlägern zusammengetretene Opfer auf der Langedammstraße. Polizeibeamte hatten einen 20-Jährigen unmittelbar nach der Tat festgenommen. Hinweise unter 4 76-25 16.
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3 Kommentare
29
mpu24 Fachberatung aus Braunschweig - Innenstadt | 25.01.2015 | 01:14  
7
B. F. aus Braunschweig - Innenstadt | 27.01.2015 | 18:44  
Ingeborg Obi-Preuß aus Braunschweig - Innenstadt | 28.01.2015 | 16:35  
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