Anzeige

Zur Vorsorge verpflichten

Gesetz soll Kinderschutz verbessern

Von Martina Jurk, 09.12.2009

Braunschweig. Kinder, die nicht an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen, sollen künftig den kommunalen Kinder- und Jugendhilfen gemeldet werden.

Grundlage dafür ist das Gesetz zur Förderung und Verbesserung des Kinderschutzes in Niedersachsen, das zum 1. April 2010 in Kraft treten soll. Beschlossen hatte es der niedersächsische Landtag am 28. Oktober diesen Jahres, nachdem der Tod des zweijährigen Kevin in Bremen bundesweit für Aufsehen gesorgt hat. „Vorgesehen ist, dass die gemeldeten Familien durch einen Sozialarbeiter des Fachbereiches Kinder, Jugend und Familie aufgesucht werden, um die versäumten Vorsorgeuntersuchungen gemeinsam zu erörtern und möglicherweise kindeswohlgefährdende Aspekte sichtbar werden“, sagte Ulrich Markurth gestern in der Ratssitzung. Der Sozialdezernent rechnet mit erhöhtem personellen und finanziellen Aufwand für die Stadt. Kommunale Spitzenverbände in Niedersachsen gehen davon aus, dass sich die Zahl der Fälle erhöhen wird, die überprüft werden müssen. Über die Meldebehörden beziehungsweise das Landesamt für Soziales erfolge keine Risikoeinschätzung, so Ulrich Markurth. Bei jeder Meldung sei also zunächst davon auszugehen, dass Kinderschutzbelange tangiert sein können. Daraus ergebe sich de facto die Notwendigkeit zumindest eines Hausbesuches sowie weiterer Überwachungspflichten, bis die Vorsorgeuntersuchung nachgeholt wurde. Der Sozialdezernent glaubt nicht, dass der Aufbau eines solchen Kontroll-Apparates nur beim Land zu Mehraufwand führt. Welcher Stellenmehrbedarf tatsächlich angenommen werden muss und welche Kosten daraus resultieren, sei noch offen. „Wir werden dem Land die Rechnung für den Mehraufwand präsentieren“, sagte Markurth. Das Land benötige nach eigenen Angaben 13,5 Stellen und ein Budget von zirka zwei Millionen Euro im Jahr zur Erfüllung seiner Aufgaben.
Um die Akzeptanz der Früherkennungsuntersuchungen zu erhöhen, müssten nach Ansicht des Sozialdezernenten Hebammen, Gynäkologen und Kinderärzte zusammenarbeiten und den Familien Beratungen anbieten. Noch sei alles spekulativ, solange das Gesetz noch nicht in Kraft getreten ist. Auf jeden Fall werde davon ausgegangen, dass die gemeldeten Einzelfälle möglicherweise tatsächlich Hinweise auf Kindeswohlgefährdungen erbringen und damit die Zahl notwendiger Kinderschutzmaßnahmen, wie zum Beispiel Inobhutnahmen, zunehmen wird.
Nach dem Fall Kevin ist in Braunschweig eines von vier landesweiten Koordinierungszentren Kinderschutz eingerichtet worden. „Das hat sich bewährt“, meinte Markurth. Wie es damit weitergeht, ist ebenso unklar wie die Höhe des Mehraufwandes für die Erfüllung der künftigen Kontrollaufgaben.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.