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Zu wenig Platz für zu viele Autos

Zugeparkte Kurvenbereiche sind im östlichen Ringgebiet, wie hier an der Jasperallee, keine Ausnahme. Im Brandfall wäre für die Feuerwehr an vielen Stellen kein Durchkommen mehr. Fotos: T.A.
 
Jede Lücke wird genutzt: Abends werden auch die Bürgersteige in der Herzogin-Elisabeth-Straße zum Parkplatz.

Der Parkplatz, eine „aussterbende Art“? Ein nB-Leser sieht Straßenumgestaltungen als Ursache.

Von Marion Korth, 02.05.2015.

Braunschweig. Rund 8300 Parkplätze und 11 000 Fahrzeuge – mit diesen beiden Zahlen ist gesagt, warum die Parkplatzsuche im östlichen Ring nervig bis aussichtslos ist.

Zum Abend hin wird jede Lücke genutzt, selbst Kurvenbereiche werden zugeparkt, was die Polizei mit Sorge sieht. Im Brandfall wäre der Feuerwehr mit ihrem Leiterwagen der Weg versperrt. Aber stimmt es, dass der Parkplatzschwund System hat? Ein Leser aus dem östlichen Ringgebiet meldete sich und meint, dass bei Straßenneugestaltungen Bäume und begrünte Inseln regelmäßig „Vorfahrt“ vor Parkplätzen haben. Die Parkplätze im östlichen Ringgebiet hat die Polizei einmal gezählt. Fürs Gesamtgebiet gibt es keine Zahlen, aber die Stadtverwaltung widerspricht, die Bäume sind nicht allein „schuld“ am Parkplatzschwund.

An der Gleichung „Straßenneugestaltung = weniger Parkplätze“ kann schon etwas dran sein, das sagt auch die Stadt. Mit den Bäumen hat das aber weniger zu tun. Pressesprecher Adrian Foitzik: „Es kann sich um geänderte gesetzliche Vorschriften zur Parkplatzgröße handeln, es kann um bessere Zufahrten für Feuerwehrfahrzeuge gehen, vielleicht war die Straße schmal und muss breiter gemacht werden, weil die Breite der Fahrzeuge zugenommen hat; es kann auch sein, dass vorher relativ wild am Fahrbahnrand geparkt wurde und mit einer Umgestaltung erstmals Parkplätze der gesetzlichen Größe entsprechend eingezeichnet und ausgewiesen werden (und dann sind es de facto plötzlich weniger).“

Beim Umbau der Maler-, Mumme- und Kaffeetwete war es eine Mischung aus Gestaltungsaspekten und neuer Bemessung. Aus den kleinen Straßen wurden verkehrsberuhigte Zonen, mehr Platz für Fußgänger, für Bänke und auch Bäume wurde geschaffen (64, vorher 52 Bäume). Von den 93 vorhandenen Parkplätzen sollten nach der ursprünglichen Planung 48 übrigbleiben, die aber nach den neuen Richtlinien bemessen. Zuvor standen die Fahrzeuge teilweise so dicht, dass einem ansässigen Geschäftsmann eines Tages nur noch der Ausstieg übers Schiebedach blieb, worüber die nB Ende 2012 berichtet hatte.
Enger wird es für Parkplatzsuchende so oder so, denn die Zahl der in Braunschweig zugelassenen Kraftfahrzeuge ist in den vergangenen fünf Jahren gestiegen: von knapp 136 000 im Jahr 2010 auf mehr als 146 000 am 31. März 2015. Das erhöht den Druck auf freie Lücken. Angespannt ist die Situation besonders im östlichen Ringgebiet. Die umgestaltete Roonstraße ist dort ein Beispiel für „gewünschten Parkplatzschwund“.

Offenbar haben immer mehr Menschen die Parkplatzsuche vor der eigenen Haustür satt. Sie beantragen einen Anwohnerparkausweis bei der Stadt, um sich einen der reservierten Parkplätze in ihrem Stadtteil wenn schon nicht zu sichern, so doch wenigstens ihre Chance darauf zu erhöhen. Dafür sprechen folgende Zahlen: 2012 hat die Stadt 3521 Anwohnerparkausweise ausgegeben, 2013 waren es 4526, im vergangenen Jahr dann schon 4836. Die Jahresgebühr liegt derzeit bei 30,70 Euro. Ein Anrecht auf einen solchen Ausweis hat jeder Fahrzeughalter oder -nutzer, der seinen Hauptwohnsitz in dem betreffenden Stadtgebiet hat, dem aber weder Garage noch Einstellplatz zur Verfügung stehen.

Und weil Not erfinderisch macht, stellen manche ihr Auto einfach irgendwo ab und sei es auf dem Bürgersteig oder in Kurvenbereichen.
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1 Kommentar
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Frank Hilmar aus Braunschweig - Innenstadt | 03.05.2015 | 11:53  
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