Anzeige

Zu wenig Lohn, kaum Rente

Gewerkschaften fordern Mindestlohn – Immer mehr Senioren müssen dazuverdienen

Von Martina Jurk

Braunschweig. Die Aussichten auf einen entspannten Ruhestand werden für Rentner immer trüber. Immer mehr Senioren sind zum Jobben gezwungen, weil ihre Rente nicht reicht.

Die Gewerkschaften Verdi und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sprechen von einer alarmierenden Entwicklung. Die Zahl der Rentner mit Mini-Jobs habe in Braunschweig in den vergangenen Jahren um rund 20 Prozent zugenommen. Um diese Entwicklung zu stoppen, fordern die Gewerkschaften einen gesetzlichen Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde. „Die Lohnarmut von heute ist die Altersarmut von morgen“, sagt Manfred Tessmann, Geschäftsführer der NGG-Region Süd-Ost-Niedersachsen. Die jüngsten Schockmeldungen aus Nordrhein-Westfalen über skandalöse Stundenlöhne von einem bis vier Euro in verschiedenen Branchen bestärken die Gewerkschaften in ihrer Forderung nach einer schnellen Einführung von Mindestlöhnen. Detlef Ahting, Geschäftsführer vom Verdi-Bezirk Region Süd-Ost-Niedersachsen, sieht 7,50 Euro deshalb in vielen Branchen nur als „Einstieg“. „Darüber wären wir schon froh“, meint er.
Ein Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde reiche schon gar nicht mehr, meint Detlef Ahting. Die beiden Gewerkschaften fordern ein rasches Ansteigen auf neun Euro. Nur der Mindestlohn könne künftigen Rentnern ausreichende Altersbezüge sichern. „Wer heute schon zu wenig verdient, um über die Runden zu kommen, für den ist das leere Portemonnaie im Alter vorprogrammiert“, so Manfred Tessmann.
„Das größte Problem sind Dumpinglöhne. Mit einem viel zu niedrigen Einkommen lässt sich keine existenzsichernde Rente aufbauen. Von einer privaten Altersvorsorge ganz zu schweigen“, sagt der Verdi-Bezirksgeschäftsführer Detlef Ahting. Von einem geringen Einkommen könne kaum noch etwas zur Seite gelegt werden. Vollzeitbeschäftigte benötigten ein Einkommen, das ihnen später auch eine ausreichende Rente sichere. Heute seien dagegen mehr als eine Million Menschen trotz Vollbeschäftigung auf zusätzliche Leistungen wie Hartz IV angewiesen, unter anderen Busfahrer und Reinigungskräfte. Verdi und NGG fordern Beschäftigte mit einem Stundenlohn von unter sechs Euro auf, ihre Dumpinglöhne zu melden – per Internet unter: www.dumpinglohn.de.
2003 verdienten 1710 Rentner in Braunschweig durch eine geringfügige Beschäftigung dazu. Vier Jahre später gab es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bereits 2049 Renten-Jobber. NGG-Regionsgeschäftsführer Tessmann befürchtet, dass die Zahl der Senioren-Arbeiter in den kommenden Jahren drastisch zunehmen werde. Wie es in der Frage der Mindestlöhne weitergeht, hängt nun von den Verhandlungen der schwarz-gelben Koalition ab. Die Signale würden eher nicht in diese Richtung weisen, befürchtet Detlef Ahting. „Wir werden nicht nachlassen, weiterhin die Einführung der Mindestlöhne zu fordern.“
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.