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Zu krank, um zu arbeiten

Krankenstand erhöht sich auf 3,4 Prozent – Rückenleiden an erster Stelle.

Von Marion Korth, 22.08.2010

Braunschweig. Die Zahl der Beschäftigten, die im vergangenen Jahr wegen einer Erkrankung nicht zur Arbeit gekommen sind, ist seit 2006 deutlich gestiegen. Statistisch gesehen fehlen jeden Tag 3,4 Prozent der Beschäftigten, 2006 lag der Krankenstand im Braunschweiger Land bei 2,9 Prozent.

Dies geht aus den Zahlen des DAK-Gesundheitsreports 2009 hervor, den der Leiter des Braunschweiger DAK-Servicecentrums, Hans-Joachim Hoffrichter, am Freitag vorstellte. „Wir haben Versicherte quer durch alle Bevölkerungsschichten, die Zahlen sind repräsentativ“, sagte er. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, zu dem beispielsweise Rückenleiden zählen, verursachen die meisten Krankheitstage, der Anteil liegt bei mehr als 20 Prozent. Auf 100 Versicherte kommen 248 Ausfalltage, 278 sind es im Land, damit stehen die Braunschweiger recht gut da. Erstmalig sei bei den Muskel- und Skelett-Erkrankungen ein Rückgang festzustellen. Die Gründe dafür liegen im Dunklen, aber ein gesteigertes Bewusstsein, spezielle Trainingsangebote wie Rückenschulen hätten vielleicht vorbeugende Wirkung. Immer mehr Braunschweiger werden dagegen psychisch krank. Lange Ausfallzeiten sind die Folge. „Viele Beschäftigte sind körperlich unterfordert, geistig aber überfordert“, sagt Hoffrichter. Einen Erklärungsansatz hat Hans- Joachim Hoffrichter von der DAK in Braunschweig jedoch für die im vergangenen Jahr gestiegene Anzahl an Erkrankungen des Atmungssystems (plus 21 Prozent). Wahrscheinlich hätten einfach mehr Menschen einen Arzt aufgesucht aus Angst, an der Schweinegrippe erkrankt zu sein.
Ein Gesundheitsproblem taucht in der Statistik nicht auf, wird gleichsam unter der Decke gehalten: Schlafstörungen. Befragungen lassen den Schluss zu, dass jeder zehnte Beschäftigte unter hochgradigen Beschwerden leidet, zum Arzt gehen deshalb die wenigsten. Bei 393 000 Beschäftigten in Niedersachsen seien an die 40 000 Menschen betroffen. „Das ist viel“, sagt Hoffrichter. Schlafstörungen würden zwar keine Fehltage verursachen, aber die Leistungsfähigkeit der Betroffenen deutlich mindern. Und: Chronische Schlafstörungen erhöhen das Risiko, an Depressionen zu erkranken. Umgekehrt können Schlafstörungen auch auf eine Depression hindeuten.
Stress, besondere Belastungen, Schichtarbeit, Sorgen und Ängste führen dazu, dass Menschen keinen erholsamen Schlaf finden und sich tagsüber wie zerschlagen fühlen. Mehr als die Hälfte der Menschen in Niedersachsen fühlen sich manchmal oder sogar häufiger betroffen. Sie können abends nicht einschlafen, wachen nachts immer wieder auf, liegen danach lange wach oder wachen regelmäßig lange vor Arbeitsbeginn (zum Beispiel um 4 Uhr) auf. Dauern die Beschwerden länger als einen Monat an, und treten die Schlafprobleme mindestens dreimal pro Woche auf, wird von hochgradigen Schlafstörungen gesprochen. Oberärztin Dr. Sonja Hengst leitet das Schlaflabor des Städtischen Klinikums. Zu ihr kommen in erster Linie Patienten, die gleichzeitig an neurologischen Erkrankungen wie Epilepsie oder dem Unruhige-Beine-Syndrom leiden. Mit Schlafstörungen kennt sie sich aus. Häufig helfe eine „Schlafhygiene“, die Störungen zu beheben: regelmäßige Schlafenszeiten, der Verzicht auf Kaffee und Tee möglichst schon ab Mittag und eine vorbereitende Ruhephase. Vor dem Schlafengehen sollte man das Tempo herunterdrehen, einen Spaziergang machen, in einer Zeitschrift blättern. „Rituale helfen, den Körper auf die Schlafenszeit vorzubereiten“, sagt sie. Nichts hält sie dagegen von einer Selbstmedikation mit freiverkäuflichen Pülverchen und Tabletten. Das Suchtpotenzial werde unterschätzt, zudem würden die Mittel oft zu lange nachwirken. „Das erhöht das Unfallrisiko auf dem Weg zur Arbeit“, sagt sie. Stattdessen sollten Betroffene ihren Hausarzt um Rat fragen.
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