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Zivilschutzkonzept: Zündstoff auf 69 Seiten

Bald wieder vertraut? Blick ins gut gefüllte Vorratsregal, so wie es früher gang und gäbe war. Tiefkühlkost und Fertigpizza helfen wenig weiter, wenn der Strom ausfallen sollte. Foto: Imago/epd
 
Dietmar Vogeler.

Regierung will sich gegen Terror, Cyber- und sonstige Attacken wappnen.

Von Marion Korth, 23.08.2016.

Braunschweig. Panikmache sagen die einen, dringend notwendig, sagen die anderen: Noch bevor der Inhalt in allen Einzelheiten bekannt ist, wird über das überarbeitete Zivilschutzkonzept, das am Mittwoch vorgestellt werden soll, heftig debattiert. In Zeiten der Terrorismusgefahr sehen es viele als problematisch an, die Bevölkerung zu verunsichern, indem geraten wird, sich für Krisensituationen einen Notvorrat anzulegen.

Warum diese Empfehlung jetzt so viel Wirbel macht, ist eigentlich unverständlich, schon im Februar 2015 hatte Innenminister de Maizière in Braunschweig auf die Terrorgefahr hingewiesen und die Verletzbarkeit kritischer Infrastrukturen wie Strom, Wasser oder Telekommunikation benannt. Die zivile Vorsorge ist für das Bundesinnenministerium ein ständiges Thema. „Katastrophen-Alarm“ heißt der Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen. Er wendet sich gezielt an die Zivilbevölkerung. Die Szenarien, die hier gezeichnet werden, sind das Hochwasser, das Straßen nicht mehr passierbar macht oder starker Schneefall, der die Versorgung der Geschäfte erschwert. „Mit einem Vorrat an Lebensmitteln und Getränken für zwei Wochen sind Sie hierfür gerüstet“, heißt es auf Seite 6 und es folgen detaillierte Empfehlungen (14 Liter Flüssigkeit je Person und Woche und so weiter).

Bei dem Konzept, das jetzt im Kabinett verabschiedet werden soll, kommen andere Bedrohungsszenarien ins Spiel, auch direkte oder indirekte Angriffe auf das Staatsgebiet der Bundesrepublik werden mit ins Kalkül gezogen, was die Stimmung aufheizt. Betroffen sein könnten davon auch Versorgungsstrukturen, sodass sich die Bundesrepublik mit einem Gesamtkonzept Notstrom dagegen wappnen will und über die Bevorratung mit speziellen Impfstoffen und ähnlichem nachdenkt.


KOMMENTAR

Alles hängt mit allem zusammen

Herbsturlaub in Schweden, lesen im Kerzenschein. An den Buchtitel erinnere ich mich genau: „Blackout – Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg, 2012 erschienen. Ein Terrorangriff auf digitale Stromzähler in Italien und Schweden lässt in einer Kettenreaktion das Licht in ganz Europa ausgehen. Aus den Hähnen kommt kein Trinkwasser, aus den Zapfsäulen kein Benzin. Die Katze auf Beutefang wird nun selbst zur Beute – die Menschen hungern.

Das Buch hat mich beeindruckt – und ich habe Vorräte angelegt. Nudeln, Reis, Konserven, Hunde- und Katzenfutter, immer genug Körner für die Hühner – könnten wir im Bedarfsfall selbst essen, eine handbetriebene Kornmühle, ein Stromaggregat und Benzinkanister, Gaskocher und -kartuschen, Kerzen und Kopfschmerztabletten. Wasser käme aus unserem Bach, der im Dorf seine Quelle hat.
Seelisch wäre ich für einen Katastrophenfall trotzdem kaum gerüstet, aber es ist schön, nicht jeden Tag einkaufen zu müssen, weil zu Hause die Schränke voll sind.


UMFRAGE

Wie stehen Sie zum Thema „Hamsterkäufe“?

Dietmar Vogeler:

„Mir ist noch bekannt, dass es nie verkehrt ist, eine Reserve im Haushalt zu haben. Ich sehe bei uns aber keine Krise, die jetzt sofort Hamsterkäufe nötig macht.“

Anna Ruth:

„Ich hätte überhaupt nicht den Platz, für vier Leute Hamsterkäufe zu lagern. Ein mulmiges Gefühl habe ich allerdings schon bekommen, als ich davon gelesen habe.“

Marcel Ecker:

„Ich finde es merkwürdig, dass die Empfehlungen der Bundesregierung in die Zeit der derzeitigen Konflikte fallen, und hoffe nicht, dass die mehr wissen als wir.“

Gudrun Gerke:

„So groß wird die Bedrohung hoffentlich nicht sein. Gewisse Szenarien sind vielleicht nicht völlig undenkbar. Aber ich fange nicht sofort an zu bunkern.“ pau/Pau
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