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„Zementierte Lüge“

Erfahrungen aus der Teilung verpflichten zu demokratischen Werten.

Von Marion Korth, 14.08.2011.


Braunschweig. Am 50. Jahrestag des Berliner Mauerbaus kamen gestern mehrere hundert Menschen zur Andacht im Braunschweiger Dom zusammen.

Ministerpräsident David McAllister schaute in seinen Grußworten zurück: „Wir sind es den Opfern schuldig, die Erinnerung wachzuhalten.“ Aber er schaute auch nach vorn: „Die junge Generation muss über die Zeit der Teilung Bescheid wissen.“ Dieses Wissen müsse zum zentralen Bestandteil des historischen und demokratischen Selbstverständnisses werden, forderte McAllister. Er warnte eindringlich vor den Stimmen, die verklärend auf die DDR-Zeit zurückschauen. „Die Mauer war kein antifaschistischer Schutzwall, sie war keine unabdingbare Folge des Zweiten Weltkrieges; sie war nach innen gerichtet gegen das eigene Volk“, sagte er.
„Ich wurde 1971 in Berlin geboren“, erzählte McAllister. Sein Vater war dort als britischer Militärbeamter stationiert. Wenig sei ihm aus der Zeit der Teilung in Erinnerung geblieben, wohl aber die Grenzkontrollen am Übergang Marienborn, diesem „Nadelöhr zwischen den Welten“. „Wenn ich heute auf der A 2 diese Stelle passiere, kommt es mir manchmal fast unwirklich vor, dass es hier eine Grenze gegeben hat“, sagt McAllister. Umso mehr sollten die Menschen Vorbild sein und der jungen Generation demokratische Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Pluralismus und Toleranz vermitteln.
Domprediger Joachim Hempel nannte die Mauer, die die Teilung Deutschlands besiegelte, „eine zementierte Lüge“. „Diese Mauer beschützte keine Schutzbefohlenen, sondern kerkerte Freiheitsliebende ein.“ Landesbischof Dr. Friedrich Weber erinnerte an die Kraft der Hoffnung: „Als viele sich im Westen damit abgefunden hatten, dass Deutschland an der Elbe endet, kamen die Menschen im Osten zu Gottesdiensten zusammen und beteten.“
Im Anschluss an die Andacht legten Ministerpräsident McAllister und Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann Kränze am Mauermonument auf dem Platz der deutschen Einheit nieder. Als Gast nahm Magdeburgs Bürgermeister Dr. Rüdiger Koch an der Feierlichkeit teil. „Ein schönes Zeichen“, sagte Hoffmann.
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