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Zeit- und Kostenrahmen gesprengt

Der Teufel steckt im Detail: In der Sporthalle, die nicht wie die frühere Wilhelm-Bracke-Gesamtschule abgerissen, sondern saniert und umgebaut werden sollte, wurden nun Schadstoffe in unvermutetem Ausmaß gefunden. Foto: T.A.

Schadstoffe erst nach Vertragsabschluss entdeckt: Für Zusatzkosten muss Stadt aufkommen.

Von Marion Korth, 08.08.2015.

Braunschweig. „Überraschungen sind möglich“, hatte Torsten Voß, Prokurist der Nibelungen-Wohnbau-GmbH, Mitte des vergangenen Monats gesagt und damit nicht ausgeschlossen, dass sich auf dem Grundstück der alten Wilhelm-Bracke-Gesamtschule noch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg befinden können. Jetzt ist die Überraschung da – kein Bombenfund, dafür Asbest und Schadstoffe in Dämmungen und Anstrichen an einer Stelle, die bis dahin als unverdächtig gegolten hatte: der Sporthalle. An eine Wiedereröffnung nach den Sommerferien ist nun nicht mehr zu denken. Die Nibelungen-Wohnbau-GmbH geht von einer Wiedereröffnung nicht vor Februar 2016 aus und von Kostensteigerungen in bislang noch unbekannter Höhe.

Während das alte Schulgebäude abgerissen wird, bleibt die Sporthalle erhalten. In den Sommerferien war die Trennung der beiden Gebäudekomplexe geplant, Umkleidekabinen und Sanitäreinrichtungen sollten umfassend erneuert werden. Begleitend zu den (Abriss-)Arbeiten wurde untersucht, welche Baustoffe verwendet worden waren, ob Gefahren von ihnen ausgehen und eine gesonderte Behandlung nötig sind. Bei den schadstoffhaltigen Baustoffen handelt es sich nach Mitteilung von Nibelungen-Geschäftsführerin Maren Sommer um schwachgebundenen Asbest im Brandschutzmörtel und Klebstoff des Bodenbelags sowie um schadstoffhaltige Schutzanstriche der Stahlträger in der Dachkonstruktion. Darüber hinaus wurden künstliche Mineralfasern entdeckt, die auch als Dämmstoff unter anderem in der Hallendecke verbaut sind.

„Der Umfang der Funde hat uns überrascht, denn bauvorbereitende Untersuchungen durch in Augenscheinnahme gaben zunächst keine Hinweise darauf. Erst intensive Tiefenprüfungen durch Bauteilöffnungen geben uns nun Sicherheit und sind Grundlage für die fachgerechte Beseitigung der Materialien, die in den 70er Jahren häufig verwendet wurden. Dies erfordert allerdings zusätzliche Zeit“, sagte Prokurist Torsten Voß. Die Sporthalle müsse deshalb bis voraussichtlich Ende Februar 2016 gesperrt bleiben. Ursprünglich sollte die Halle zum Schulbeginn nach den Sommerferien wieder für Sport genutzt werden können.
Die Funde schadstoffhaltiger Baumaterialien verzögern aber nicht nur den geplanten Fertigstellungstermin Anfang März 2016. Auch die Umbaukosten, für die ursprünglich ein Aufwand von rund 1,5 Millionen Euro angesetzt war, werden steigen. Geschäftsführerin Sommer: „Es ist jetzt aber noch zu früh, um über Kosten und Bauzeiten verlässliche Aussagen zu machen.“
Wir fragten bei der Stadtverwaltung, wer für diese Zusatzkosten aufkommen muss und was eine längere Sperrung der Halle für den Vereinssport bedeutet. Dazu Pressesprecher Adrian Foitzik:

Kostensteigerung

„Kostensteigerungen müssen grundsätzlich im Projektbudget aufgefangen werden. Die Kosten für die Beseitigung von Schadstoffen, die erst nach Vertragsschluss, insbesondere während der Durchführung des Abrisses des alten Schulgebäudes entdeckt werden, trägt nach dem Vertrag die Stadt. Der Sachverhalt wird zwischen der Stadt und der Niwo geklärt.“

Schul- und Vereinssport

„Der Wegfall ist problematisch: einerseits für den Schulsport; für die Wilhelm-Bracke-Gesamtschule müssen nun Ausweichmöglichkeiten gefunden werden. Zum anderen ist im Bereich Vereinssport vor allem die Hockeyabteilung des BTHC betroffen, die die Halle üblicherweise ab Mitte Oktober nutzt. Zudem sollte die Halle bis zum Herbst als Ausweichfläche für die fehlenden Hallenkapazitäten im Bereich Lehndorf dienen (für Lehndorfer TSV), wo mit Sackring und St. Ingbert-Straße derzeit zwei Hallen nicht zur Verfügung stehen. Die Stadtverwaltung wird jetzt in Abstimmung mit der Schule beziehungsweise den Vereinen nach Lösungen suchen“.
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