Anzeige

„Wo beginnt Täterschaft?“

Die Bürgermeisterinnen Friederike Harlfinger, Annegret Ihbe und Cornelia Rohse-Paul (von links) legen mit Oberbürgermeister Ulrich Markurth einen Kranz nieder. Foto: Thomas Ammerpohl

Erinnerung an die Reichspogromnacht: Kranzniederlegung an der früheren Synagoge.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 11.11.2015.

Braunschweig. „Der 9. November 1938 war das Ende des Judentums in den deutschen Städten“, sagte Renate Wagner-Redding, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde.

Am Standort der früheren Synagoge an der Alten Knochenhauerstraße hatten sich rund 150 Menschen versammelt, um an die Verbrechen an Braunschweiger Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens zu erinnern.
Vertreter der Ratsfraktionen und verschiedener Verbände legten Kränze vor der Tafel ab, die an die zwischen 1933 und 1945 ermordeten, verschleppten und gedemütigten Juden erinnert. Kantorin Svetlana Kundish sprach die Gebete „El Male Racha-min“ und „Kaddisch“.

„Wo beginnt Täterschaft?“, fragte Wagner-Redding zur Reichspogromnacht. „Es bedurfte der Zustimmung der Masse, einer kleinen Zahl Nationalsozialisten allein wäre das nie gelungen.“ Es sei um Tun und Unterlassen gegangen. Die deutsche Wiedervereinigung von 1989 zeige, dass Geschichte kein Schicksal sei. „Sie wird von Menschen gemacht, deswegen sind wir dafür verantwortlich.“

Mit Blick auf die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, ermunterte sie zu „Geduld und Klarheit“, und mahnte, die „gemeinsamen Vorstellungen von der Gesellschaft, in der wir leben wollen“, zu benennen und dafür einzutreten. „Wir müssen zeigen, was geht und was nicht, dass es hier rote Linien gibt, die nicht übertreten werden dürfen, wir dürfen keinen Zweifel daran lassen, dass die Gleichberechtigung eines jeden Individuums anerkannt werden muss.“ Auch die Konflikte aus den Herkunftsländern dürften nicht hier ausgetragen werden. Wer das nicht berücksichtige, müsse mit Konsequenzen rechnen.
Auch Oberbürgermeister Ulrich Markurth erinnerte an eine Bevölkerung, die 1938 angesichts des Übergangs von Diskriminierung zur systematischen Verfolgung „taub, blind und stumm“ geblieben war. Er rief zu Mitmenschlichkeit und Teilnahme auf.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.