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„Wir brauchen in Braunschweig finanzierbaren Wohnraum“

Sozial benachteiligte Menschen haben es besonders schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Von Martina Jurk, 06.03.2013.


Braunschweig. Irene P. (Name von der Redaktion geändert) sitzt seit Wochen im Kalten – weil sie von ihrem geringen Einkommen die Heizkosten nicht bezahlen kann. Für sie wird es schwierig, ein neues Dach über dem Kopf zu finden. Ihr droht die Wohnungslosigkeit.

Was können sozial benachteiligte Menschen in solch einer Situation tun? Wird bezahlbarer Wohnraum in Braunschweig knapp? Die nB sprach darüber mit Henning Daßler, Regionalleiter der Diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten.

?Warum ist Irene P. gleich von Wohnungslosigkeit bedroht, nur weil sie nicht heizen kann?

!Eine Wohnung, die nicht beheizbar ist, erfüllt den Tatbestand des Wohnungsnotfalls. Das Jobcenter und die Abteilung Wohnhilfen der Stadt bieten Beratung an, um Wohnungslosigkeit zu vermeiden und Wohnraumverlust vorzubeugen.

?Welche Menschen sind davon betroffen?

!Besonders für sozial benachteiligte Menschen – zum Beispiel Menschen mit Suchtproblemen, psychisch Kranke, Menschen, die aus dem Justizvollzug oder aus gewaltgeprägten Verhältnissen kommen, und Menschen in Trennungssituationen – mangelt es an günstigem Wohnraum. Laut einer Studie des Pestel-Instituts in Hannover fehlen in Braunschweig insgesamt 3000 Mietwohnungen. Von diesem Mangel sind sozial Schwache besonders betroffen.

?Woran liegt das?

!Studenten suchen preiswerte Wohnungen, Wohnraum wird saniert und danach teurer, und wir verzeichnen einen Bevölkerungszuwachs. Auch soziale Träger brauchen mehr Wohnungen. So werden psychisch Kranke und Menschen mit geistigen Behinderungen heute zunehmend ambulant, das heißt in eigenen Wohnungen betreut. Wir müssen Menschen mit einem sozialen Handicap einbeziehen und nicht von der Gesellschaft isolieren. Davor scheuen sich viele Vermieter aus Angst, dass sich Nachbarn gestört fühlen, die Wohnung verwahrlost, Schönheitsreparaturen nicht ausgeführt werden könnten. Im Stadtteilladen Mitte im Theaterwall 12 wird wohnungslosen Menschen eine postalische Erreichbarkeit ermöglicht, damit sie zum Beispiel für das Jobcenter erreichbar sind. Zurzeit sind das 113 Betroffene – so viele wie noch nie. In den Jahren vor 2012 waren es 50 bis 60. Das ist ein Indiz dafür, dass es immer mehr Menschen nicht gelingt, eine Wohnung zu finden.

?Gibt es Lösungsansätze?

!Wir brauchen finanzierbaren Wohnraum, der bei der Planung neuer Bebauungsgebiete berücksichtigt werden muss. Stadt und Wohnungswirtschaft sind sich darin einig, dass sich mit dem Nördlichen Ringgebiet dafür eine Chance bietet. Ein Beispiel, wie es funktionieren kann, ist die Stadtteilentwicklung im Rahmen des Bundesprogramms Soziale Stadt im Westlichen Ringgebiet. In einer Stadt wie Braunschweig ist es nämlich gut möglich, gehobenen und bezahlbaren Wohnraum nebeneinander zu entwickeln und die Verdrängung sozial schwacher Menschen zu vermeiden.

?Wie hilft die Diakonische Gesellschaft Wohnen und Beraten?

!Wir sind für viele Hilfesuchende die erste Anlaufstelle. 600 Erstkontakte verzeichnen wir im Jahr in unseren Beratungsstellen. 200 Menschen werden ständig von uns betreut. Sozialarbeiter suchen Wohnungen für Menschen, die allein dazu nicht in der Lage sind, gehen mit ihnen zu Wohnungsbesichtigungen, begleiten sie bei der Bewältigung ihrer Suchtprobleme, helfen beim Ausfüllen der Anträge für das Jobcenter. Viele Betroffene wissen einfach nicht, woher sie Hilfe bekommen können.



Diskussion zum Thema

„Ist bezahlbarer Wohnraum in Braunschweig knapp?“ ist das Thema einer Podiumsdiskussion am morgigen Donnerstag (7. März) um 19 Uhr in der Awo-Begegnungsstätte, Frankfurter Straße 18, zu der der Awo-Kreisverband Braunschweig einlädt. Dabei sind Rüdiger Warnke von der Nibelungen Wohnbau GmbH, Bundestagsabgeordnete Carola Reimann, Henning Daßler von der Diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten und Gudrun Meurer vom Frauenhaus. Gabriele Hübner vom Awo-Kreisverband moderiert die Podiumsdiskussion.
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