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Wie der Blitz ins Sommerloch

Aus einer kleinen (verbotenen) Spontanaktion entwickelt sich gerade ein Medienereignis

Von Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. Wie der Blitz ins Sommerloch ist die geplante „Flashmob“-Aktion von Dirk Schadt eingeschlagen. Internet-Foren glühen, bundesweit fragen immer mehr Journalisten nach „Lord Schadt“.

Ich hatte vor zwei Jahren bereits zu einer „Flashmob“-Aktion auf den Schlossplatz eingeladen“, erzählt Dirk Schadt alias Dirk „Lord“ Schadt. Damals waren seinem Aufruf rund 70 Menschen gefolgt, es gab Kekse, Wein und nette Salate, nach zwei Stunden war der Spuk vorbei – von offizieller Seite hatte kaum jemand etwas mitbekommen.
Das wollte der Braunschweiger nun wiederholen – aber diesmal hat die offizielle Seite etwas gemerkt – und Dirk Schadt zum Gespräch gebeten. „Der Leiter vom Ordnungsamt und ein Kollege haben mir erklärt, dass Flashmobs in Braunschweig generell verboten seien“, erzählt Schadt. Anschließend bekam er noch ein amtliches Schreiben, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass sein geplantes Picknick gar kein „Flashmob“ sei und die Stadt dieses jetzt ausgesprochene Verbot auch durchsetzen werde. Für mögliche Kosten werde Schadt in Regress genommen.
Dabei verwies das Amt auf die vor kurzem aus dem Ruder gelaufene Aktion auf Sylt, wo dem Party-Initiator von der Tourismusbehörde eine Rechnung über 20 000 Euro vorgelegt wurde. 5000 Menschen waren Mitte Juni dem Aufruf eines arbeitslosen Metallbauers im Internet gefolgt. Auf der Insel kam es schließlich zu Alkoholexzessen und Schlägereien.
Dirk Schadt hat den Picknick-Aufruf inzwischen zurückgezogen, aber Ende August lädt er ein zur „Sitzdemonstration mit gemeinsamem Essen für Versammlungs- und Meinungsfreiheit“. Diese Aktion hat er auch brav angemeldet – Schadt geht davon aus, dass sie genehmigt wird.
Inzwischen ist auch das generelle „Flashmob“-Verbot der Stadt vom Tisch. „Unsere Position ist einfach falsch dargestellt“, erklärt Erster Stadtrat Carsten Lehmann, „wir sind nicht die verbeamteten Spaßbremsen, die von nichts eine Ahnung haben“, wehrt er sich gegen das Bild, das jetzt in Internetforen und einigen Medien von der Verwaltung gezeichnet wird.
Es gebe eben klare Vorschriften für die Nutzung des öffentlichen Raumes, und zwar vor allem für den Schlossplatz und den Burgplatz. „Hier hat der Rat besondere Auflagen verabschiedet, weil diese beiden Plätze von großer Bedeutung für die Stadt sind“, erklärt Lehmann.
Dass sie dennoch bei „berechtigtem öffentlichen Interesse“ für Feiern genutzt werden dürften, zeige ja gerade jüngst die Genehmigung für das Sommerlochfestival. „Aber dann übernimmt der Veranstalter selbstverständlich auch Verantwortung für Sauberkeit, Müllentsorgung und mehr.“
Gerade diese Planung allerdings widerspricht der „Flashmob“-Idee. „Es geht darum, öffentliche Räume wieder spontan zu beleben“, erklärt Schadt, „wir sind so überreguliert, dass es nicht einmal mehr möglich ist, einen Tisch und ein paar Stühle vor die Tür zu stellen, und sich mit Nachbarn zusammenzusetzen.“
Eine Garantie allerdings, dass sein „Flashmob“ nicht so ausarten könne wie die Party auf Sylt, könne Schadt auch nicht geben, hält es aber für unwahrscheinlich, „denn ein echter Flashmob ist ohne Musik und zeitlich sehr begrenzt.“ Und dadurch sei das Treffen für echte Partygänger relativ uninteressant.
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