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Wettlauf: Bett gegen Zeit

Die Sporthalle der Realschule Nibelungenstraße wird derzeit für den Einzug von rund 190 Flüchtlingen vorbereitet. Braunschweig ist verpflichtet, ein vom Land festgelegtes Kontingent an Flüchtlingen von den Landesaufnahmebehörden aufzunehmen. Foto: T.A.

Die Stadt muss dringend Unterkünfte schaffen.

Von Andreas Konrad, 03.02.2016.

Braunschweig. Jedes Bett zählt. Die Stadt sucht weiter intensiv Erstaufnahmeplätze für Flüchtlinge. Vier Sporthallen sind dafür bereits vorgesehen, weitere könnten folgen, müssen aber nicht – es gibt parallele Ansätze, die erwartet bis zu 1000 Menschen, die Braunschweig wohl im Jahr 2016 zugewiesen werden, aufzunehmen.

Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke informierte am Dienstag über den Stand der Bemühungen. Mit den drei bereits umgenutzten Sporthallen Naumburgstraße, Watenbüttel und Moselstraße verfügt die Stadt derzeit über 312 Plätze – in Kürze wird eine weitere Halle für die Unterbringung von Flüchtlingen vorbereitet: Etwa 190 Plätze sollen in der großen Halle der Realschule Nibelungenstraße entstehen. Damit wäre insgesamt circa der Bedarf bis Ende März gedeckt. Laut Zuweisungsbescheid des Landes müsste Braunschweig bis zu diesem Zeitpunkt 437 Menschen aufnehmen.

Spätestens Ende März sind die Kapazitäten für die Erstaufnahme von Flüchtlingen in Braunschweig erschöpft. Bis zum Jahresende müssen dann mindestens 500 weitere Plätze geschaffen werden.
Die Verwaltung hat die Stadt regelrecht nach freien Flächen durchkämmt: Leerstehende Baumärkte, entweder baulich marode oder andere Pläne der Eigentümer, Ehemaliges Seniorenheim Korfesstraße, Umnutzung bereits zu weit fortgeschritten, Milleniumhalle, Tennishalle in der Friedrich-Seele-Straße, die Liste ist lang, konkret scheinen derzeit zwei Objekte. Ein ehemaliges Verwaltungsgebäude an der Saarbrückener Straße und das ehemalige Kreiswehrersatzamt könnten ab Sommer zusammen rund 340 Plätze bringen.
Was für Blüten die Standortsuche treibt, zeigt ein Beispiel, das Martin Klockgether, Fachbereichsleiter Soziales und Gesundheit, anführt: „Uns wurde ein Halle zu 15 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete angeboten – ohne Umbaukosten.“
Die weiteren fehlenden Betten könnten – wie in Hannover oder Wolfsburg bereits praktiziert – durch Leichtbauhallen entstehen. „Das wäre eine gute Möglichkeit, schnell mehr Plätze zu schaffen“, so Hanke. Nachteil: Auch diese Hallen brauchen Standorte, und die bisher für den Bau der festen, dezentralen Flüchtlingsunterkünfte ausgesuchten Grundstücke (wir berichteten) kämen dafür nicht infrage, sichert Hanke zu.

In Bienrode, der Gartenstadt und in Melverode werde diesbezüglich schon sehr konkret geplant, die Wohneinheiten für rund 400 Menschen könnten bis zum Jahresende bezugsfertig sein. Frühestens dann könnten auch die Sporthallen entlastet werden, so Hanke weiter. „Weitere Sporthallen wollen wir mit Rücksicht auf die Nutzer nach Möglichkeit nicht in Anspruch nehmen, aber wir müssen handlungsfähig sein, wenn doch mehr Flüchtlinge kommen als erwartet oder andere Optionen sich nicht schnell genug auftun“, kündigt Hanke an, verbunden mit einem Aufruf an Unternehmer oder Gebäudeeigentümer, leerstehende Bauten zu benennen, so sie denn zu „anständigen Bedingungen“ zu mieten seien.
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