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Wenn der Druck zu groß wird

Immer mehr Kinder kommen in Obhut – Kitas wie das Schwedenheim greifen frühzeitig ein.

Von Birgit Leute, 05.10.2011

Braunschweig. Immer mehr Kinder werden vom Jugendamt in Obhut genommen (die nB berichtete). Vielfach sind die Eltern einfach überfordert. Ihnen sollen verstärkt Kitas zur Seite springen. Kitas wie das Schwedenheim zum Beispiel.

Hugo-Luther-Straße 60. Auf dem Gelände der Kita ist es am Nachmittag still, doch ein Schild an der Straße weist auf den Secondhand-Laden im ersten Stock – gleich neben der Bibliothek und der gut eingerichteten Küche.
Das Schwedenheim im westlichen Ringgebiet hat ein ungewöhnliches Angebot. Eines, das nicht nur von Kindern und Eltern der Kita, sondern vom ganzen Viertel genutzt werden kann. Leiter Ralph Meyer erläutert. „Das Schwedenheim ist Teil des Förderprogramms ‚Soziale Stadt‘ und trägt der besonderen Situation des Quartiers Rechnung. Wir betreuen und erziehen nicht nur die Kinder, wir vernetzen auch die Eltern – untereinander und mit den verschiedensten öffentlichen Einrichtungen.“
Meyer ist ein ruhiger Typ, der Sicherheit und Vertrauen ausstrahlt und gelassen mit den Problemen im Viertel umgeht: Seine „Kunden“ bestehen oft aus Alleinerziehenden, sehr jungen Müttern, aus Migranten oder Hartz-IV-Empfängern. Die Kinder erhalten zu Hause wenig Anregungen oder Förderung, und auch die schulischen Leistungen hinken durch die Resignation im Elternhaus hinterher.
„Hinzu kommen eine schlechte Ernährung und Hygiene. Bei vielen Kindern müssten zum Beispiel dringend die Zähne behandelt werden“, erläutert Meyer. Mit seinen Angeboten versucht das Schwedenheim dem gegenzusteuern. Es gibt eine Schülerförderung, die gezielt Bildungslücken schließen will. Über Ferienfreizeiten und Museumsbesuche erhalten die Kinder einen Zugang zu Umwelt und Kultur. Die Eltern wiederum bekommen in Kochclubs oder im Projekt „Junge Mütter mit Kind“ zueinander Kontakt.
Meyer: „Krisensituationen in der Familie entstehen vielfach dadurch, dass sich Eltern allein gelassen fühlen, mit der Erziehung des Kindes und den eigenen persönlichen Problemen einfach überfordert sind.“ Im Schwedenheim gäbe es viele Möglichkeiten, mit Menschen in ähnlichen Situationen ins Gespräch zu kommen, sich Rat zu holen.“
„Außerdem werden Schwellen zu öffentlichen Einrichtungen gesenkt“, so Meyer. „Niemand muss unbedingt auf eine Behörde gehen, um Fragen zu klären – sie kommt zu uns. Gesundheitsamt oder Allgemeiner Sozialer Dienst erhalten dann plötzlich Gesichter, zu denen man Vertrauen fassen kann.“

Service:
• Im Schwedenheim werden zurzeit 74 Kinder in zwei Krippen-, einer Kindergarten- und einer Schulkindgruppe betreut.

• Der Name stammt von der schwedischen Vereinigung „Rädda Barnen“, die 1949 der Stadt Braunschweig eine Tagesheimstätte übergab.
• Viele der Angebote, die über die eigentliche Kindergartenarbeit hinausgehen, werden über Spenden unter anderem von der Bürgerstiftung und dem Rotary Club finanziert. Darüber hinaus profitiert das Schwedenheim vom Mittel aus dem Programm „Soziale Stadt“.
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