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Weniger Alkoholexzesse

Charakter der „School‘s-out-Party“ ändert sich.

Von Martina Jurk, 19.06.2010

Braunschweig. Die Jugendlichen trinken bei der „School‘s-out-Party“ im Kiryat-Tivon-Park deutlich weniger Alkohol. Eine umfangreiche Präventionsarbeit zeigt Wirkung, behauptet die Polizei.

„3500 Schüler kamen im vergangenen Jahr zur Party. Nur 13 Mal musste der Sanitätsdienst Hilfe leisten, zweimal davon wegen zuviel Alkoholkonsums“, bilanziert Polizeihauptkommissar Harald Kreisel, seit 27 Jahren im Einsatzdienst. „Wir finden das gut, dass sich junge Leute treffen. Seit eh und je wird am letzten Schultag Party gemacht“, sagt Hauptkommissarin Ines Fricke. Sie gehört zum Präventionsteam der Polizei und bestätigt, dass die Aufklärung Früchte trägt. „Im Schlosspark, das war eine prekäre Situation“, meint Thomas Seliger vom Kinder- und Jugendschutz der Stadt. Das Gelände rund um die VW-Halle wird inzwischen gut angenommen. Die Parties werden vom Stadtschülerrat organisiert, es gibt Programm und kostenlos Wasser.
In den vergangenen zwei Wochen seien in Zusammenarbeit mit dem Zentralen Ordnungsdienst (ZOD) Alkoholtestkäufe durchgeführt worden. Bei 27 Testkäufen gab es neun Verstöße. „Das war für uns Anlass, die Einzelhändler für die bevorstehende „School‘s-out-Party“ zu sensibilisieren“, sagt Ines Fricke. Einige der Schüler kommen bei dieser Party das erste Mal mit Alkohol in Berührung“, so Fricke. Insgesamt hätten Jugendliche im vergangenen Jahr weniger Hochprozentiges konsumiert, und es habe weniger Krankenhauseinweisungen wegen Alkoholexzessen als 2008 gegeben.
Im Arbeitskreis Suchtprävention sind Stadt, Gesundheitsamt, Drogenberatung, Lukaswerk, Guttempler, Polizei, Schulsozialarbeiter und -pädagogen sowie die Jugendberatungsstellen Mondo X und BiB vernetzt. Der Arbeitskreis ist sehr aktiv, Braunschweig hat dabei für viele Städte eine Vorbildfunktion. „Wir sind das ganze Jahr über in Schulen unterwegs. Wir sprechen über mögliche Gefahren, wie schnell die Jugendlichen zu Tätern, aber auch zu Opfern werden können, über straf- und zivilrechtliche Konsequenzen, was passieren kann, wenn alkoholisierte Jugendliche sich selbst überlassen werden und die Clique abhaut“, erklärt Ines Fricke.
Ein Thema liegt ihr besonders am Herzen: Wenn jemand im betrunkenen Zustand fotografiert wird und die Bilder ins Netz gestellt werden. „Wir machen den Schülern klar, dass den Betroffenen dadurch eine Menge Ärger entstehen kann, beispielsweise wenn sie sich für eine Ausbildungsstelle oder einen Job bewerben oder eine Wohnung mieten wollen.“
Bevor das Schloss wieder aufgebaut wurde, fand die „School‘s-out-Party“ im Schlosspark statt. Mehrere Tausend Schüler kamen damals schon zum kollektiven Rausch. „Alkohol, möglicherweise Hitze dazu, Glasscherben, Müll – es war ein Riesenwust“, erinnert sich Harald Kreisel. Der Versuch, Ordnung in das Chaos zu bringen, sei gescheitert. Als der Schlosspark nicht mehr da war und der städtische Fachbereich Kinder, Jugend und Familie mit ins Boot geholt wurde, sei es besser geworden.
„Im Gegensatz zum Schlosspark hat es später, in Nachbarschaft des ehemaligen Freizeit- und Bildungszentrums (FBZ), einen ordnenden Rahmen gegeben“, sagt Thomas Seliger. Seit mehreren Jahren organisiere der Stadtschülerrat die Partys. Die Schüler könnten selbst entscheiden, was sie machen möchten oder welche lokalen Bands spielen sollen.
Die Bühne gehört inzwischen zum festen Bestandteil des Rahmenprogramms, ebenso wie die Stände, an denen über Suchtprävention und Sportaktivitäten informiert wird. Wasser wird kostenlos verteilt. Erstmals in diesem Jahr bieten Studenten alkoholfreie Cocktails an. Es gibt auch Toiletten. 2009 kamen gut 1000 Schüler mehr als im Vorjahr.
Die Polizei erhebt bei der „School‘s-out-Party“ nicht den belehrenden Zeigefinger. „Wir zeigen Präsenz, wir werden angesprochen und im Ernstfall um Hilfe gebeten“, weiß Harald Kreisel. Insgesamt habe es bei der Party 2009 70 „ermahnende Gespräche“ gegeben. 60 Beamte werden am Mittwoch im „School‘s-out-Einsatz“ sein, 30 in wechselnden Teams vor Ort im Park. „Vor ein paar Jahren waren es noch hundert Beamte“, so Kreisel.
Dass die Schüler die geordnete Party akzeptieren, ist auch für Thomas Seliger ein Indiz für Erfolg. Für ihn bedeutet das aber nicht, dass „wir kein Problem mit Alkohol hätten“. Betroffen sei aber nur ein geringer Anteil der Jugendlichen.
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