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Wenige trinken immer mehr

Unfallzahlen 2008: Polizei besorgt über steigende Promillewerte

Von Marion Korth

Braunschweig. Alkohol und Autofahren – ein gefährlicher Cocktail. Wirklich Sorgen macht der Polizei, dass es Menschen gibt, die sich auch mit 1,6 Promille und mehr hinters Steuer setzen. Gestern legte die Polizei die Unfallzahlen für Braunschweig vor.

Bei den Trunkenheitsfahrten, die mit einem Unfall endeten, verzeichnete die Polizei sogar einen leichten Rückgang um acht auf 148, aber: „Es ist besorgniserregend, dass die Mittelwerte stetig ansteigen. Die Masse liegt jenseits der 1,6 Promille mit steigender Tendenz in die Spitze“, sagte Wolfgang Klages, Pressesprecher der Polizei Braunschweig. Der traurige Spitzenwert wird übrigens von einem Radfahrer gehalten: Er war mit 3,94 Promille in eine Polizeikontrolle geraten.
Der Wert von 1,6 Promille sei keine festgeschriebene Grenze, doch eine Leitlinie. „Ab diesem Wert sagen Gerichte, dass dieser Autofahrer ein Alkoholproblem hat“, erläutert Klages. Am „Idiotentest“, eigentlich MPU für medzinisch-psychologische Untersuchung“, führt jedenfalls kein Weg vorbei. Acht Menschen hatten drei Promille und mehr Alkohol im Blut. Der Mittelwert, sagt Polizeipressesprecher Wolfgang Klages, liegt mittlerweile bei 1,77 Promille.
Was vielen nicht klar sei: „Ab 1,1 Promille handelt es sich immer um eine Straftat, nicht mehr um eine Ordnungswidrigkeit“, sagt dazu die Verkehrssicherheitsberaterin Ines Fricke. Die Maßstäbe für Fahranfänger und jugendliche Fahrer bis 21 Jahren werden noch strenger angelegt. „Viele wissen gar nicht, dass für sie die Null-Promille-Grenze gilt, also ein Alkoholverbot.“ Zu Punkten und Bußgeldern ab 125 Euro aufwärts sind dann gleich noch die Kosten für den Führerschein-Aufbaukursus zu berappen.
233 Fahrer wurden unter dem Einfluss illegaler Drogen erwischt. Den meisten konnte der Drogenkonsum nachgewiesen werden, bevor sie sich in ihr Auto setzten. Ungeschoren kommen sie dennoch nicht davon. „Die Führerscheinstelle kann die Fahrerlaubnis einziehen, auch ohne dass man gefahren ist“, erläutert Fricke. „Charakterlich ungeeignet“, heißt es für diejenigen, die Ecstasy oder Kokain nehmen. Bei Cannabis würden die Werte entscheiden, ob der Fahrer als Dauerkonsument eingestuft wird. 2006 wurden zwölf Führerscheine wegen Drogenkonsums entzogen, 2007 waren es schon 98, im vergangenen Jahr 151. Es ist ein langer und teurer Weg, die Fahrerlaubnis zurückzuerlangen. Ein Jahr ohne Drogen ist die Grundvoraussetzung.
Die Unfallstatistik ist für die Polizei mehr als ein Zahlenwerk. „Wir fragen uns, wo können wir eingreifen, was können wir tun“, erläutert Klages. Die Antwort sind zielgerichtete (Drogen-)Kontrollen. „Zu jeder Tages- und Nachtzeit muss man damit rechnen, erwischt zu werden“, sagt Klages. Eine Zusatzausbildung hilft der Polizei, Drogenkonsumenten zu entdecken – zum Beispiel morgens vor der Berufsschule.
Bei insgesamt 8036 Unfällen auf Braunschweigs Straßen kamen acht Menschen ums Leben, 1046 wurden leicht, 152 schwer verletzt. 40 Prozent der Schwerverletzten waren Radfahrer, die sich meistens Kopfverletzungen zuzogen. „Ich kann nur raten, einen Fahrradhelm zu tragen“, sagt Wolfgang Klages.
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