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Wenig Messcontainer, viele Wünsche

Bohlweg-Station jetzt in Celle – In Broitzem und an der Husarenstraße wird Luftbelastung erfasst

Von Marion Korth

Braunschweig. Ein Messcontainer ist ein Messcontainer, aber der, der lange Zeit am Bohlweg die Daten der Luftbelastung gesammelt hat, ist wegen der bunten Kinderzeichnungen an seinen Wänden unverwechselbar.

Vom Bohlweg war er mit Beginn der ECE-Bauarbeiten abgezogen worden. Die Begründung damals: Wegen der Staubentwicklung wären die Daten dann ohnehin verfälscht. Grünen-Ratsherr Burkhard Plinke hat den Container vor einiger Zeit wiederentdeckt – bei einem Radausflug in Celle. Die Grünen möchten den Container zurückhaben. Es sei zwingend notwendig, die Belastung des Stadtzentrums mit Luftschadstoffen zu ermitteln, heißt es in einer Mitteilung. Dies wird auch vom Bündnis für saubere Luft, Nabu und BUND unterstützt, aber einer entsprechende Petition hat die CDU/FDP-Mehrheit im Landtag am vergangenen Freitag eine Absage erteilt. Bei der landesweiten „Container-Knappheit“ wird es erst einmal beim Wunsch bleiben. Das Umweltministerium hat nach eigenen Angaben 22 Daueranlagen in Betrieb, dazu kommen sieben bewegliche Messstationen, die allerdings immer für ein Jahr an einem Standort verbleiben müssen, um aussagekräftige Daten sammeln zu können. Mehr sei nicht drin, eine Messanlage koste zwischen 70 000 und 100 000 Euro. Kein Wunder also, dass viele Städte auf der „Wunschliste“ im niedersächsischen Umweltministerium stehen. „Wir haben derzeit 20 Anfragen“, sagt Pressesprecherin Claudia Lang.
Nach Meinung der Braunschweiger Grünen-Landtagsabgeordneten Gabriele Heinen-Kljajic ist in der Braunschweiger Innenstadt die Einrichtung einer Umweltzone zur Reduzierung der Feinstaub- und Stickstoffdioxidbelastung unverzichtbar. Der Messcontainer am Bohlweg war Anfang Mai 2005 abgebaut worden, nachdem bereits in den ersten vier Monaten des Jahres an 38 Tagen eine Überschreitung des Feinstaub-Grenzwertes gemessen worden sei. Das Bundesemissionsschutzgesetz fordere bei Überschreitung des Grenzwertes an mehr als 35 Tagen wirksame Gegenmaßnahmen.
Landesregierung und Stadt Braunschweig, so der Vorwurf von Gabriele Heinen-Kljajic, handeln hier offenbar nach dem Motto, wo kein Kläger, da kein Richter. Potenzielle Kläger dürften jedoch auch ohne Messcontainer relativ leicht nachweisen können, dass mit den bisherigen Maßnahmen die erforderliche Verbesserung der Luftqualität nicht erreicht wird, sagte die Politikerin.
Aus Landessicht ist Braunschweig aber auch ohne Bohlweg-Container derzeit vergleichsweise gut versorgt. Da ist zum einen die Luftschadstoff-Messstelle in Broitzem, die die „Hintergrundbelastung“ aufzeichnet, also das, was sich im Umfeld ohnehin in der Luft befindet. Die zweite Messstation steht deutlich innenstadtnäher an der Husarenstraße. Dort werden Daten für das gemeinsame Forschungsprojekt von Stadt und Bellis GmbH „Umweltorientiertes Verkehrsmanagement Braunschweig“ gesammelt. Der Container wird dort allerdings nicht dauerhaft bleiben.

Pilotprojekt: Das „Umweltorientierte Verkehrsmanagement“ funktioniert so: Mit Hilfe von Detektoren auf dem Ring und den großen Ausfallstraßen kann Bellis den Verkehrsfluss und die Zusammensetzung des Verkehrs (Pkw oder Lkw) messen. Darüber hinaus wird mit einem Schadstoffmesscontainer an ausgewählten Stellen auch die Schadstoffbelastung gemessen und diese mit den Berechnungen aus den Verkehrsdaten in Beziehung gesetzt. So lässt sich nach einer Art Formel der Schadstoffausstoß und damit die Belastung in bestimmten Bereichen jederzeit berechnen. Übersteigt die Schadstoffbelastung bestimmte gesetzlich vorgeschriebene Grenzwerte, kann dem mit einer veränderten Verkehrslenkung, zum Beispiel anderen Ampelschaltungen, entgegengewirkt werden.
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