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„Wasserwelt“ droht überzuschwappen

4,8 Millionen Euro Mehrkosten: Stadtbad GmbH hat Ausschreibung für Erlebnisbad aufgehoben und verhandelt nach

Von Martina Jurk, 21.03.2010

Braunschweig. Der nächste Wirbel um ein Großprojekt der Stadt ist perfekt. Das Ergebnis der Ausschreibung für das Freizeit- und Erlebnisbad „Wasserwelt“ ist niederschmetternd. Es weicht mit 4,8 Millionen Euro Mehrkosten extrem vom veranschlagten Budget ab. Der Aufsichtsrat der Stadtbad GmbH hat die Ausschreibung aufgehoben.

Von zehn Bewerbern der europaweiten Ausschreibung blieb nur einer mit einem verwertbaren Angebot übrig. Das Unternehmen veranschlagt 31,1 Millionen statt 26,3 Millionen Euro. „Das Angebot ist nicht marktkonform“, sagt Jürgen Scharna. Der Geschäftsführer des Auftraggebers Stadtbad GmbH kann sich nicht erklären, wie es zu solchen extremen Abweichungen in einigen Punkten kommt. „Wir treten jetzt in ein Verhandlungsverfahren ein, dessen Ziel es ist, wieder bei den ursprünglich veranschlagten Kosten anzukommen“, so Scharna. Vereinfachungen bei der Dachkonstruktion, der technischen Ausstattung und den Außenanlagen seien denkbar ohne Einschränkungen für die Badegäste.
Hohe Risikozuschläge des Bieters und allgemeine Baukostensteigerungen seien nach Angaben des Projektsteuerers Assmann die Gründe für die Verteuerung. „Gerade das sollte die Firma Assmann verhindern“, meint Manfred Pesditschek. Der SPD-Fraktionschef findet es zudem merkwürdig, dass bei insgesamt zehn Angeboten, von denen fünf in die engere Auswahl kamen, nur eines übrig geblieben ist. „Jetzt ist es wichtig, durch Nachverhandlungen den Preis zu drücken“, sieht auch Pesditschek dringenden Handlungsbedarf. Nach wie vor befürwortet er den Bau des Erlebnisbades und den Abriss bestehender Bäder aus „wirtschaftlich vernünftigen“ Gründen.
Momentan werden auf der Baustelle die Gründungspfähle gesetzt. Wenn diese Arbeiten beendet sind, ist erstmal Baustopp. Solange, bis sich die Verhandlungspartner über die endgültigen Kosten einig sind. Jürgen Scharna rechnet mit drei Monaten. Auch eine neue Ausschreibung schließt er im schlimmsten Fall nicht aus.
Der SPD-Fraktionschef kritisiert die damalige Entscheidung des Oberbürgermeisters, während des Gerichtsverfahrens über die Zulässigkeit eines Bürgerbegehrens gegen den Bau des Erlebnisbades und des damit verbundenen Baustopps die Planungen nicht weitergeführt zu haben. Unmittelbar nach der Urteilsverkündung hätte dann die Ausschreibung erfolgen können. So aber sei ein Dreivierteljahr verstrichen und die Baukosten hätten sich aufgrund des Konjunkturprogrammes des Bundes verteuert, betont Pesditschek. Hätte das Gericht anders entschieden und das Projekt wäre gescheitert, wäre der bis dahin aufgelaufene Planungsaufwand immer noch geringer gewesen als die jetzt vorgelegten Mehrkosten.
Auch die anderen Ratsfraktionen äußerten sich inzwischen zum Thema. Für die CDU-Fraktion ist eine Kostensteigerung von fast fünf Millionen Euro bei der aktuellen Haushaltslage der Stadt nicht vertretbar. „Wir vertrauen darauf, dass Geschäftsleitung und Aufsichtsrat der Stadtbad GmbH mit den Architekten und Projektsteuerern eine attraktive, aber kostengünstigere Lösung erarbeiten und verhandeln können“, so Fraktionsvorsitzender Wolfgang Sehrt.
Der Grünen-Fraktion reichen die bisher vorliegenden Informationen über die Ergebnisse des Ausschreibungsverfahrens zum Erlebnisbad nicht aus, um eine Neubewertung dazu vorzunehmen. Sie will die Ergebnisse der Nachverhandlungen und möglicher Alternativen wie zum Beispiel eine neue öffentliche Ausschreibung oder abgespeckte Versionen des Bades abwarten. Klar sei, dass der Neubau kein Fass ohne Boden werden darf.
Die Linke befürchtet, dass die Kosten noch weiter steigen könnten. Fraktionsvorsitzender Udo Sommerfeld fordert vor dem Hintergrund der derzeitigen Haushaltssituation die Stadtbad GmbH als Auftraggeber auf, alle Arbeiten umgehend abzubrechen und ein Sanierungskonzept für die bestehenden Bäder zu erstellen. „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.“
Auch die Stadtverwaltung hat nach Aussage des Finanzdezernenten Carsten Lehmann das Ausschreibungsergebnis in Sachen „Wasserwelt“ mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen. Die Verwaltung hofft, „dass es dem renommierten Planungsbüro gelingen wird, die Kosten noch einzudämmen.“ Sie warte jetzt erst einmal die Meinungsbildung des Aufsichtsrates der Gesellschaft ab.
Jürgen Scharna ist optimistisch, dass der Bieter verhandlungsbereit ist. Er habe bereits viel Geld in die Planungen gesteckt, und bei einer neuen Ausschreibung wäre der Auftrag für ihn weg.
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