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Warum Braunschweig in Wahrheit vom Brexit profitiert

Scheidender Bundestagspräsident Norbert Lammert zu Besuch in der Löwenstadt – Trockener Humor und spitze Einschätzungen

Von Michael Michalzik, 15. September 2017.

Braunschweig. Der scheidende Bundestagspräsident in Plauderlaune: „Meine Frau hat fälschlicherweise angenommen, jetzt findet erstmals seit 40 Jahren ein Bundestagswahlkampf ohne mich statt. Aber auch, wenn man nicht auf einem Stimmzettel steht, hat man als Bürger eine Pflicht“, erklärte Norbert Lammert am Donnerstag bei einem Besuch in Braunschweig.

Auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Müller sah sich Lammert vor allem von Kunst umgeben – ein Ambiente, in dem er sich besonders wohlfühlt: „Kunst ist der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält.“ Besonders beeindruckt zeigte er sich von den beiden Permoser-Figuren, dem bislang teuersten Ankauf des Herzog-Anton-Ulrich-Museums: Die beiden außergewöhnlichen Statuetten waren für mehr als zwei Millionen Euro in England gekauft worden. „Der Brexit ist die größte, verhängnisvolle europäische Fehlentscheidung der letzten 50 Jahre. Aber ich muss meine Meinung künftig etwas revidieren: Durch den Verfall des britischen Pfund hat zumindest Braunschweig davon profitiert und die Statuen günstiger bekommen“, so Lammert trocken.
Der Bundestagspräsident erfuhr im Schlossmuseum, dass der just betretene Raum vor allem für Einbürgerungen dient. Müller: „Eine nicht unerhebliche Zahl britischer Mitbürger, teils seit Jahrzehnten hier, hat inzwischen hier die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt.“
Kurze Pause, Zeit für ein paar zwischenmenschliche Töne: „Norbert Lammert hat wirklich für das gesamte Parlament gesprochen. Das ist ein Verdienst, der bleibt“, sagt Carsten Müller. Lammert erinnert sich in der ihm eigenen Art: „Als ich damals den Papst eingeladen habe, haben mich viele Parlamentarier gefragt: ‚Was hat der denn im Bundestag zu suchen?‘ Im Nachhinein fanden es wohl doch die meisten gut.“ Über die Braunschweiger Quadriga: „Zu meinen schönen Aufgaben als Präsident des Bundestags gehört es auch, Gruppen durch den Reichstag zu führen. Zu den Höhepunkten gehört auch der Blick hinüber zum Brandenburger Tor. Aber jetzt weiß ich, dass die Braunschweiger Quadriga noch etwas höher ist. Dieses Detail werde ich in meine nächsten Führungen einarbeiten.“
Über Braunschweig: „Diese Stadt hat eine lange Geschichte. Durch die jüngste Geschichte ist sie allerdings stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Ich finde es sehr sympathisch, wie man das Historische wieder herstellen will. Es war nicht mein erster und hoffentlich auch nicht mein letzter Besuch in Braunschweig.“
Zum Abschied von der politischen Bühne: „Nein, es kribbelt nicht wirklich. Die Reaktionen reichen von anfangs skeptisch inzwischen zu freundlich-wohlwollend. Also gehe ich davon aus, dass es wohl genau der richtige Zeitpunkt war, zu gehen.“
Die fast private Natur des Besuchs kommentierte Lammert auch: „Die Zeit des Kundgebungs-Wahlkampfs geht zuende.“
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