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Vorerst gilt Entwarnung

Pärchen aus Braunschweig an „normaler“ Grippe erkrankt

Von Marion Korth

Braunschweig. Eine schlaflose Nacht, aber am Ende die Gewissheit, dass das Notfall-System funktioniert. Am Dienstagabend schien die „Schweinegrippe“ in Braunschweig angekommen zu sein. Zwei junge Menschen, 24 und 27 Jahre alt, waren am Sonnabend von einer New-York-Reise zurückgekehrt – mit klaren Anzeichen einer Grippeinfektion. Der Hausarzt schlug Alarm, und die Notfall-Maschinerie kam in Gang.

Das Wichtigste vorweg: Die beiden jungen Leute haben Grippe, aber sie haben sich an dem menschlichen Influenzavirus angesteckt, nicht an der „tierischen“ Variante. „Als wir ihnen das mitteilten, haben sie sich – und das ist ein Originalzitat – gleich ’dramatisch besser gefühlt’“, berichtete Professor Dr. Horst Kierdorf, Ärztlicher Direktor des Städtischen Klinikums, bei der Pressekonferenz am Mittwoch.
In Deutschland sind aktuell drei Menschen an dem neuen Grippetyp erkrankt – in Bayern und Hamburg. Außerdem gibt es drei neue Verdachtsfälle, die derzeit überprüft werden.

Die Stadt hat einen Pandemieplan in der Schublade, aber der stand bislang nur auf dem Papier. „Das war sonst immer sehr theoretisch, jetzt haben wir einen Eindruck, wie es ist, wenn die Sache ins Laufen kommt“, sagte Sozialdezernent Ulrich Markurth. In der Feuerwehrleitstelle, wo alle Informationen zusammenlaufen, waren um 18.20 Uhr die beiden Verdachtsfälle gemeldet worden. Danach angespannte Betriebsamkeit auf vielen Ebenen. Im Klinikum waren die Patienten angekündigt worden, die Mitarbeiter empfingen sie in Schutzkleidung mit Mundschutz und Handschuhen. Ein Zimmer war geräumt worden, um das Paar isoliert unterbringen zu können. Ein erster Schnelltest noch im Klinikum ergab nach knapp eineinhalb Stunden zumindestens ein positives Ergebnis. Ob es sich bei dem Influenzavirus jedoch um den neuen Typ handelt, das kann zurzeit als einzige Stelle in Deutschland nur das Robert-Koch-Institut in Berlin nachweisen. Die Feuerwehr übernahm noch in der Nacht den Transport der Blutproben dorthin.
„Das Klinikum kümmert sich um die Patienten, aber wir sind dafür da sicherzustellen, dass sich die Infektion nicht ausbreitet“, sagte Gesundheitsamtsleiterin Dr. Sabine Pfingsten-Würzburg. Amtsärztin Brigitte Buhr-Riehm hatte sich sogleich ans Telefon gehängt, um alle maßgeblichen Stellen wir Apotheken, Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung über den neuen Stand der Dinge zu informieren.
Gesundheitsingenieur Andreas Ahrens besuchte um Mitternacht die Patienten, um herauszufinden, mit welchen Menschen sie in den vergangenen Tagen Kontakt gehabt hatten. Die Liste wurde lang und länger: Die Mitreisenden auf dem Flug, die Gäste einer Party, die das Paar besucht hatte, die Arbeitskollegen der Frau, die Menschen im Warteraum des Hausarztes. Ein schwarzes Loch allerdings blieb: Das Paar hatte bis zum Weiterflug nach Hannover drei Stunden Aufenthalt auf dem Frankfurter Flughafen und damit viele weitere Kontaktmöglichkeiten gehabt. Auch so war Ahrens schon durch seine Nachforschung auf rund 100 Personen gekommen, die sich angesteckt hätten haben können. Der Verdacht auf „Schweinegrippe“ bestätigte sich zum Glück nicht, ansonsten hätte das Klinikum vor einer großen Aufgabe gestanden: „Alle 100 Menschen oder sogar mehr hätten untersucht werden müssen, bei allen hätten Schnelltests gemacht werden müssen. Das mag ich mir gar nicht vorstellen“, sagte Dr. Horst Kierdorf, Ärztlicher Direktor des Klinikums. Immerhin sei der „Schnelltest" wirklich schnell, in eineinhalb Stunden gebe er zumindestens darüber Auskunft, ob überhaupt eine Influenzaansteckung erfolgt ist. Danach hätten sicher viele schon gleich wieder nach Hause geschickt werden können. Rund 50 Patienten könnten im akuten Fall im Klinikum untergebracht werden, sagte Kierdorf.
Das aktuelle Beispiel hat gezeigt: „Man muss sehr schnell handeln, sonst ist der Schneeball nicht mehr aufzuhalten“, sagte Sozialdezernent Markurth. Das junge Paar durfte die Klinik am Mittwoch wieder verlassen.
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