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Von der Schulbank in den Ratssaal

Für ein Planspiel erkundeten Schüler ihre Stadtteile – und waren für einen Tag Politiker.

Von Marc Wichert, 23.01.11

Braunschweig. Sie planen, beraten die dringendsten Probleme und feilschen um jeden Punkt – wie echte Politiker eben. 18 Schüler der Haupt- und Realschule Heidberg sowie des Raabe-Gymnasiums schlüpfen im Großen Saal des Rathauses für drei Stunden in die Rollen von Bezirksratsmitgliedern und verhandeln auf „ihrer“ Sitzung über eigens dafür entwickelte Projekte.Teasertext

Es war das vierte Planspiel des Beteiligungskonzepts bs4u zu dem Thema „Wie erleben Jugendliche ihren Stadtteil“. Die Schüler der 8. Klassen sollen so die politischen Verfahrensabläufe kennenlernen, erklärt Ratsherr Thorsten Köster (CDU) das Ziel.
Die Schüler erkundeten dafür während der drei Projekt-Tage in kleinen Gruppen die Stadtteile Bebelhof, Heidberg, Melverode und Viewegs Garten. „Wie können wir unseren Stadtteil lebenswerter machen?“, fragte sich Sinem Kandemir von der Realschule Heidberg, die mit ihrer Gruppe Melverode inspizierte. Wie auch die anderen Gruppen sind sie in Kindergärten und Schulen gegangen, haben sich Spielplätze und Parks angeguckt, schossen Fotos und sammelten Ideen.
Die Melveroder bemerkten, wie still es in ihrem Stadtteil war. „Niemand ist auf den Straßen, alle sind in ihren eigenen Wohnungen“, sagt Sinem. irgendwie einsam, findet sie. Also erfanden sie einen Generationenpark, in dem sich junge und alte Menschen, eben alle, treffen können. Zur Anschaulichkeit haben sie ein Modell gebaut.
Ob allerdings für ihr Projekt gestimmt wird, hängt – ganz wie in der echten Politik – vom Geld ab. Und davon, ob sie die anderen Gruppen mit ihrer Idee begeistern. Denn auch die haben ihre Wünsche – und angesichts des begrenzten Budgets können schließlich nicht alle Projekte beschlossen werden. Das Geld stellt die Verwaltung zur Verfügung.
Die „Bebelhofer“ sehen dringenden Bedarf an einem neuen Spielplatz. Die Gruppe, die Viewegs Garten erkundete, will unbedingt neue Fahrradstraßen anlegen. Jonathan Memmer argumentiert in seinem Plädoyer mit Klimawandel, Autoabgasen und Unfällen für das Projekt. „Ich kenne drei Leute, die auf ihrem Fahrrad von Autos angefahren wurden“, sagt der 13-Jährige. Gerade für Kinder seien Fahrradstraßen sicherer. Die „Heidberger“ dagegen setzen auf das Thema Bildung und fordern, die Schule zu sanieren. „Toiletten sind teilweise kaputt und Fenster sind undicht“, erklärt Ali Özkan vor der Versammlung. Bildung sei nun mal wichtig, meint der Gymnasiast.
Dann werden noch hier und da Sparvorschläge diskutiert und Koalitionen geschmiedet. Denn in der Abstimmung werden schließlich nur Projekte mit absoluter Mehrheit angenommen. Dass am Ende der Generationenpark als teuerstes Projekt abgelehnt wird, ist für die Melveroder gar nicht so schlimm. War ja nur ein Planspiel.
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