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Villa Kunterbunt im Ausnahmezustand

Die Villa Kunterbunt im Themenpark Astrid Lindgrens Welt im schwedischen Vimmerby. Foto: Imago

Lizenzgebühren für geschützte Bezeichnung.

Von Marion Korth, 11.02.2017. Braunschweig.

Die Stadt Gifhorn hat eine, Peine auch, ebenso Wolfsburg, Salzgitter, Braunschweig und nicht zuletzt Warberg im Landkreis Helmstedt – in allen diesen Orten steht eine „Villa Kunterbunt“.

Zumeist sind es Kindertagesstätten, die sich das etwas chaotische Zuhause von Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf zum Vorbild ihrer Namensgebung machten. Umso größer war der Schock, dass die Bezeichnung „Villa Kunterbunt“ markenrechtlich für das Unternehmen Saltkråkan AB geschützt ist und für die Nutzung streng genommen Lizenzgebühren zu entrichten sind. 500 Euro sollte Eppelheim in Baden-Württemberg jährlich zahlen.

Die Villa Kunterbunt aus dem Buch kennt jedes Kind und sie ist ohne Frage ein Ort zum Wohlfühlen, ein idealer Name also für eine Kita. Die Kommune Eppelheim hatte im konkreten Fall auf Nummer sicher gehen wollen und bei der Saltkråkan AB die Nutzungsbedingungen für den Namen erfragt. Die Folge war das 500-Euro-Lizenzangebot und ein bundesweites Medienecho. In Mecklenburg-Vorpommern hat sich eine Kita schnell umbenannt und wollte fortan nur noch unter „kunterbunt“ firmieren, um Geldforderungen zu entgehen. Und in Braunschweig?
Kathrin Gessing ist der gute Geist und Gruppenleiterin der privat organisierten Eltern-Kind-Gruppe „Villa Kunterbunt“ in Ölper. Dass die Namensnutzung demnächst kosten könnte, davon hatte sie noch nichts gehört und fände das auch „dreist“. Und außerdem: „Für viele Kinder heiße ich nur ’Villa’-Kathrin, sie denken, dass ich in der Villa Kunterbunt wohne“, erzählt sie. Die Villa Kunterbunt ist offenbar mehr als ein Name. Für Kathrin Gessing, die Kinder und Eltern in Braunschweig und anderswo gibt es nun aber eine gute Nachricht.

Wir fragten in der Rechtsanwaltskanzlei, die die Rechte der Astrid-Lindgren-Erbengemeinschaft in Deutschland vertritt, nach den Hintergründen möglicher Lizenzforderungen. Tatsächlich sei die Bezeichnung „Villa Kunterbunt“ geschützt. Die Marke dürfe nur verwendet werden, wenn Saltkråkan AB der Nutzung zustimmt. „Viele Unternehmen möchten gerne kostenlos und ohne zu fragen, von den Figuren Astrid Lindgrens profitieren. Dies ist markenrechtlich und urheberrechtlich in der Regel nicht zulässig“, erläutert Dr. Ralph Oliver Graef, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht. Die Höhe der erhobenen Lizenzgebühren variiere, Wirtschaftsunternehmen müssen mehr zahlen als gemeinnützige Organisationen. „Auch gemeinnützige Kindergärten müssen eine Erlaubnis haben, aber Saltkråkan AB hat sich entschieden, in der Regel keine Lizenzgebühr zu verlangen und auch keine Lizenzgebühren rückwirkend geltend zu machen“, betont Graef. Auch suche niemand nach Einrichtungen namens Villa Kunterbunt. „Die Nutzung der Bezeichnung Villa Kunterbunt durch gemeinnützige Einrichtungen und Kindergärten wird seit Jahrzehnten von Astrid Lindgren und ihren Erben ohne Zahlung einer Lizenzgebühr toleriert, solange diese Einrichtungen die Erziehungsideale von Astrid Lindgren in ihrer Arbeit umsetzen.“

Und was soll das Ganze mit den Lizenzgebühren dann überhaupt? Es gehe darum, „den Zauber der Geschichten von Astrid Lindgren zu bewahren und die Marken vor Verwässerung zu schützen“.
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