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Verstörend und ratlos

Alltag auf Lampedusa.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 21.06.2016.

Braunschweig. „Verstörend“ wird am Ende des Abends ein Zuschauer über den Film „Seefeuer“ sagen, und damit vermutlich den meisten der rund 120 Besucher aus dem Herzen sprechen. Der Dokumentarfilm von Regisseur Gianfranco Rosi kommt am 28. Juli in die Kinos, BZ und C1 präsentierten ihn zum Weltflüchtlingstag am Montag vorab.

Zum Inhalt: Samuele ist zwölf Jahre alt und lebt auf Lampedusa. Seinen Alltag verbringt er meist damit, nach der Schule seine Freunde zu treffen oder mit seiner selbstgebauten Steinschleuder durch die Gegend zu streifen. Eines Tages will er wie sein Vater Fischer werden, denn auf der Mittelmeerinsel war das Leben schon immer sehr von dem beeinflusst, was die See so bringt. Doch seit einiger Zeit sind das nicht mehr nur Fische, sondern auch Menschen. Tausende Flüchtlinge kommen in kaum brauchbaren Booten und voller Verzweiflung, aber auch Hoffnung auf ein besseres Leben an den Stränden an. Für seine Dokumentation „Seefeuer“ beobachtete Regisseur Gianfranco Rosi ein Jahr lang das Geschehen direkt vor Ort.

Er erklärt nichts, lässt nur die Bilder wirken. Familienleben, ruhiger Alltag, Spaghetti essen, Betten machen, ein Gespräch zwischen Oma und Enkel...
Dann dramatische Funksprüche, Suchscheinwerfer, eine Rettungsaktion auf See. Verzweifelte Menschen, ein Mann, dem blutige Tränen über das Gesicht laufen, vierzig Leichensäcke ... Gruseliger Alltag auf Lampedusa.
Am Ende des Films eine Diskussionsrunde. Und ein junger Flüchtling aus Eritrea auf der Bühne. „Ich bin mit dem Boot gekommen“, erzählt er, „das Boot hatte Probleme, mein Bruder, meine Schwester, alle tot“. Stille.

Braunschweig, da sind sich die Vertreter auf dem Podium einig, hat die hier ankommenden Flüchtlinge bisher ziemlich gut aufnehmen können. „Wir sollten so weiter machen wie bisher“, sagt der Kripo-Chef Küch, was die Zukunft bringe, würde die „große Politik“ entscheiden.
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1 Kommentar
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Hans-Jürgen Hain aus Braunschweig - Innenstadt | 23.06.2016 | 16:26  
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