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„Verschiebt den Garten doch einfach um 20 Meter“

Die Wiese an der Eulerstraße ist Treffpunkt, Bolzplatz, Spielwiese. Hier soll der Garten der Erinnerung entstehen. Den Anwohnern war das lange nicht klar, sie fühlen sich übergangen. Foto: Korth

Familien möchten Spielwiese erhalten – Ein Anwohner klagt gegen den Ratsbeschluss, obwohl er für den Garten der Erinnerung ist.

Von Marion Korth, 01.10.2016.

Braunschweig. Irritation, Überraschung, Enttäuschung, böse Worte, dabei schien doch endlich alles gut. Es war ein hartes Ringen, eine zum Teil sehr persönliche Debatte und schwierige Spurensuche, bis der Rat im September beschloss, einen Garten der Erinnerung für Roselies anzulegen. Nun ist jedoch Streit über den Standort entbrannt.

Roselies – dieser Name steht in Braunschweig für eine inzwischen abgebrochene Kaserne und das Neubaugebiet an gleicher Stelle. Roselies heißt aber auch ein kleiner Ort in Belgien, der bei einem schweren Gefecht mit Braunschweiger Truppenbeteiligung im Ersten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde. Viele Menschen starben, auch Zivilisten, darunter Ortspfarrer Abbé Pollart.

Zurück nach Braunschweig, Donnerstagnachmittag: An die 20 Kinder toben auf der Wiese an der Eulerstraße, einige spielen Fußball, andere lassen Drachen steigen. Zwischen den beiden Birken wächst kein Gras mehr, die Bäume ersetzen die Torpfosten. Hier soll der Garten der Erinnerung entstehen. „Wir haben keinen Anspruch auf diese öffentliche Fläche“, sagt Anwohnerin Annette Chappuzeau-Lühring, „aber das hat sich so entwickelt: Dies ist unser Lieblingsplatz geworden, und er soll uns jetzt genommen werden.“ „Wir wären bei der Standortsuche gern einbezogen worden“, ergänzt Robert Kipry. Der Weg, den die Planung jetzt genommen habe, stehe in krassem Widerspruch zu Beteiligungsmodellen wie „Deink Deine Stadt“. Katharina Beckmann war eine der Anwohnerinnen, die Unterschriften gegen den geplanten Standort gesammelt hat. Rund 200 in 24 Stunden. „Egal, wo ich geklingelt habe, niemand ist gefragt worden“, sagt sie. Die Übergabe der Unterschriften im Rathaus geriet zum kleinen Fiasko: zu emotional, zu laut – auf beiden Seiten, so das Urteil.

Die Fronten sind verhärtet, seitdem Till Rosenbaum, ebenfalls Anwohner, gegen den Ratsbeschluss Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht hat. Brisant auch deshalb, weil ausgerechnet sein Vater, BIBS-Ratsherr Peter Rosenbaum (er war für eine Stellungnahme nicht erreichbar), die Debatte um Roselies angestoßen und engagiert vorangetrieben hat. Er hätte doch eigentlich um den Standort wissen müssen, oder? Für seinen Vater sei mit dem Ratsbeschluss nicht automatisch eine Standortentscheidung verknüpft gewesen, erläutert Till Rosenbaum. Mit seiner Klage habe er nun eigentlich nur verhindern wollen, dass gleich die Bagger anrollen und Tatsachen geschaffen werden. „Eigentlich würde ich sie am liebsten wieder zurückziehen.“

Der vorgeschlagene Alternativstandort nahe dem Regenrückhaltebecken in der Siedlung (diese Fläche müsse ohnehin noch gestaltet werden, so die Überlegung der Anwohner), kommt für die Kulturverwaltung indes nicht infrage. Da es um die Erläuterung des Namens Roselies gehe und der aus der Kasernenbenennung herrühre, habe ein historisch authentischer Ort gefunden werden müssen – ein Ort auf dem Kasernengelände. Die Fläche am Regenrückhaltebecken liegt kurz außerhalb davon.

„Wir haben eigentlich nur eine Bitte, verschiebt den Garten doch einfach um 20 Meter“, sagt Till Rosenbaum. Dann wäre die Spielwiese gerettet und gegen den Garten habe in der Siedlung ohnehin niemand etwas.
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