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Verdammt lang her und doch so nah

Echtes Gemeinschaftswerk: Am Donnerstag stellten (v. l.) Gerold Leppa (Stadtmarketing Braunschweig GmbH), Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Landesbischof Dr. Christoph Meyns und Dr. Stephan Malorny (Fachbereichsleiter Kultur) das Jubiläumsprogramm vor. Fotos: Korth

Ab sofort kostenlos erhältlich: Braunschweiger Jubiläumsprogramm „500 Jahre Reformation“.

Von Marion Korth, 22.04.2017.

Braunschweig. „Bildung und soziale Fürsorge sind noch heute wesentlich für eine funktionierende Stadtgesellschaft.“ Oberbürgermeister Ulrich Markurth spannte am Donnerstag den Bogen von der Reformation in die Gegenwart.

500 Jahre sind seit Martin Luthers Thesenanschlag, mit dem die Reformation nach außen hin ihren Anfang nahm, vergangen, die damit einhergehenden Impulse zur Neuorientierung – nicht nur in kirchlicher Hinsicht – wirken bis heute nach – und werden im Jubiläumsjahr mit mehr als 300 Veranstaltungen auf ganz unterschiedliche Weise beleuchtet.

Gemeinsam mit dem Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Dr. Christoph Meyns, stellte Markurth das Jubiläumsprogramm vor. Mehr als 100 Seiten füllen die Veranstaltungen allein in Braunschweig, die die Braunschweig Stadtmarketing GmbH zusammengetragen hat.
Martin Luther ist selbst nie in Braunschweig gewesen, wohl aber entsandte er mit Johannes Bugenhagen einen seiner engsten Vertrauten hierher. Dessen nachhaltiges Wirken wird ebenfalls seit Donnerstag mit einer Persönlichkeitstafel gewürdigt, die auf Initiative der Bürgerstiftung an der Brüdernkirche enthüllt worden ist. Bugenhagens Kirchenordnung war gleichsam ein sozialgesellschaftliches Manifest und wurde per Ratsbeschluss als Sozialordnung für Braunschweig festgeschrieben. Bildung für alle, auch für Mädchen, war darin vorgesehen, wobei es noch weitere 400 Jahre brauchte, bis diese Forderung in der Weimarer Republik umgesetzt wurde.

Wieder ein Beispiel, wie nachhaltig die Reformation wirkte. Ihren Anfang nahm sie in Zeiten enormer Verunsicherung, in der das bis dahin geltende Weltbild neu definiert wurde. „Aufbruch“ lautet der Titel der Reformationsausstellung im Braunschweigischen Landesmuseums und ist, so Meyns, gut gewählt, weil dieses Wort sowohl die kulturhistorische Bewegung der Reformation als auch den damit einhergehenden Bruch umschließt. Die Ausstellung – ein Gemeinschaftsprojekt des Museums, der Abt Jerusalem Akademie sowie der Landeskirchen Braunschweig und Hannover – ist Dreh- und Angelpunkt im Jubiläumsjahr. Führungen, Konzerte, literarische Gespräche, offene Werkstätten, Gottesdienste, alte Bibeln und Gesangbücher im Stadtarchiv – unglaublich, was alles geboten wird.

Sogar Johann Tetzels Ablasskiste wird als übergroßer Nachbau des Originals im Museum herausgeholt, und als künstlerischer Interpretationsraum neu belebt. Es geht dabei auch um die Frage, ob der Ablasshandel, früher eine gängige Praxis, um sich gegen Geld von seinen Sünden loszukaufen, trotz Reformation es nicht doch geschafft hat, zu überleben. Um Spenden wird an dieser Stelle jedoch nicht gebeten, auch das Braunschweiger Jubiläumsprogramm „500 Jahre Reformation“ liegt an vielen Stellen überall in der Stadt kostenlos aus.
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