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Verdacht nicht ernst genommen?

Mit dem Schweinegrippe-Virus infizierte Mallorca-Urlauber hatten Mühe, getestet zu werden

Von Martina Jurk

Braunschweig. „Da wird so viel Panik wegen der Schweinegrippe gemacht und nichts passiert, wenn‘s akut wird.“ Julia Schmidt (Name von der Redaktion geändert) ist aufgebracht. Die 31-Jährige war mit Freunden auf Mallorca. Auf ihren Verdacht, dass alle Drei mit dem Virus zurückgekommen sind, reagierte zunächst niemand. Von sich aus blieben sie zu Hause, um keine mögliche Ansteckungsgefahr darzustellen.

Mit den Symptomen Fieber und Husten wandte sich der 26-jährige Mitreisende abends nach der Rückkehr von der spanischen Ferieninsel an den Ärztenotdienst. „Wenn das Fieber nicht über 39 Grad steigt, sei es keine Schweinegrippe, bekam er als Antwort. Dann haben wir uns am nächsten Morgen beim Gesundheitsamt gemeldet und bei unseren Hausärzten, von denen nicht alle die erforderlichen Tests durchführen konnten oder wollten“, erzählt Julia Schmidt. Mit dem Argument, wenn es noch keinerlei Symptome gäbe, sei ein Test nicht notwendig, sei die 39-jährige dritte Urlauberin abgewiesen worden. Schließlich wurden dann doch bei allen Drei die Tests gemacht – die Ergebnisse waren positiv.
Auf Anfrage der nB bestätigt die Stadt Braunschweig, dass sich die Urlaubsrückkehrer korrekt verhalten haben. Wer den Verdacht habe, sich mit der Schweinegrippe infiziert zu haben, sollte zunächst einen niedergelassenen Arzt oder – abends und am Wochenende – den Ärztlichen Notdienst telefonisch über diesen Verdacht informieren und die Symptome schildern. Das städtische Gesundheitsamt entnehme selbst keine Proben, helfe den Arztpraxen aber schnell und unbürokratisch mit Abstrichmaterial aus, falls dieses einmal knapp werden sollte. Das Gesundheitsamt sorge für den Transport der Proben zur Analyse im Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) in Hannover. Die Mitarbeiter des städtischen Gesundheitsamtes würden die Patienten unverzüglich (auch am Wochenende) informieren, wenn die Analyse den Verdacht auf Schweinegrippe bestätigt hat. Zugleich würden Symptome, wahrscheinlicher Ort der Infektion und Kontaktpersonen ermittelt.
Dies sei auch in den geschilderten Fällen geschehen. Obwohl eine der Patientinnen nicht aus Braunschweig stamme, habe die Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Sabine Pfingsten-Würzburg, auf telefonische Bitte hin das Analyseergebnis in Hannover kurzfristig recherchiert, so die Stadt.
Dass im Kampf gegen die Ausbreitung der neuen Grippe noch nicht alles hundertprozentig reibungslos läuft, dass es vielleicht auch Missverständnisse zwischen Ärzten und Patienten gibt, zeigt der Fall einer Arzthelferin aus dem Braunschweiger Klinikum, die sich im Urlaub auf Ibiza mit dem Grippevirus infiziert hatte. Sie war mit unspezifischen Symptomen beim Hausarzt, der sie nicht krank schrieb. In den drei Tagen, in denen sie danach gearbeitet hat, betreute sie insgesamt 60 Patienten und hatte Kontakt zu 13 Mitarbeitern. Inzwischen konnte Entwarnung gegeben werden. Keiner von ihnen hat sich angesteckt. Auch die drei Mallorca-Urlauber dürfen seit Freitag die Wohnung verlassen und können ab morgen arbeiten.
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