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„Turbo-Abitur“: Schüler treten auf die Bremse

Am 17. Juni wird in Braunschweig gestreikt

Von Jens Radulovic

Starke Braunschweiger Beteiligung gestern bei der Großdemonstration in Hannover, wo Schüler, Eltern und Lehrer gegen die Verkürzung der Schulzeit an Gesamtschulen protestierten. An die 2000 Schüler wollten gestern, so wie diese Gruppe der IGS Querum, in die Landeshauptstadt reisen. Am Dienstag soll der Landtag auf Antrag von CDU und FDP die Schulzeitverkürzung beschließen. Die nB sprach mit den Initiatoren des Braunschweiger Schülerprotestes, der am 17. Juni stattfinden wird.

Gestern versammelten sich Schüler von Gesamtschulen aus Niedersachsen in Hannover, um gegen die geplante Verkürzung der Schulzeit um ein Jahr zu demonstrieren. Am 17. Juni wird in Braunschweig gestreikt.

Der Arbeitskreis Schulstreik ruft anlässlich einer bundesweiten Aktionswoche zu einer Demonstration unter dem Motto „Bildungsblockaden einreißen“ in der Innenstadt auf.
Die nB sprach mit Phillip Zimmermann, Sprecher des Arbeitskreises Schulstreik, sowie Regina de Rose vom Stadtelternrat, Thadeus Mainka, Vorstandsmitglied vom AstA der TU, und Garnet Alps, Jugendbildungsreferentin des DGB, über den Bildungsstreik.


? Welche Aktionen sind für den 17. Juni geplant?

! Zimmermann: Bei der Auftaktkundgebung auf dem Kohlmarkt werden Schüler Gelegenheit erhalten zu erzählen, welche Mängel im Bildungssystem ihnen persönlich bekannt sind. Nach dem Demonstrationszug durch die Innenstadt werden auf der Abschlusskundgebung Sprecher der beteiligten Institutionen reden.

? Im November vergangenen Jahres hat es bereits einen Bildungsstreik gegeben. Was ist neu?

! Zimmermann: Unsere Ziele sind annähernd gleich geblieben, aber wir fordern zusätzlich die Umsetzung des Rechtes von behinderten Schülern auf Bildung in einem integrativen Bildungssystem. Dies ist UN-Recht, gegen das die aktuelle Bildungspolitik verstößt.

! Alps: Wir wollen sichtbar machen, dass Bildung nicht nur an der Schule stattfindet, sondern beispielsweise auch in Kindertagesstätten, an den Universitäten und anderswo.

? Was kritisieren Sie beispielsweise an der aktuellen Bildungspolitik?

! de Rose: Gelder, wie zum Beispiel die des Konjunkturpaketes II werden in Gebäude gesteckt. Dabei müsste man verstärkt in Menschen investieren. Stattdessen wurden in Braunschweig 24 Lehrerstellen an Grundschulen eingespart.

! Zimmermann: Schulen sind angehalten, Kooperationen einzugehen, damit die Betreuungszeiten eingehalten werden können. Da bieten dann Eltern eine Schach-AG an und Sport findet im Kegelverein statt...

! Alps: Die Verkürzung der Schulzeit auf acht Jahre konterkariert das Prinzip der Gesamtschule, weil Schüler, die das Abitur machen wollen, dadurch frühzeitig von den anderen Schülern getrennt werden und einen eignen Unterricht erhalten müssen.

! Mainka: Für Studenten hat die Einführung der Bachelor- und Masterabschlüsse zu einer Leistungsverdichtung geführt: Bei 40,5 Semesterwochenstunden im Bachelorstudium kann ich nicht noch nebenher jobben, um das Studium samt Studiengebühren zu finanzieren.

? Welche zentralen Forderungen haben Sie?

! Zimmermann: Wir Schüler wollen Mitsprache bei den Unterrichtsinhalten, die Rücknahme der Schulzeitverkürzung, um mehr Zeit zum Lernen zu haben, und kostenfreie Bildung für alle.

! de Rose: Wir brauchen mehr Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter, sowie kleinere Klassen. Erzieher sollten besser ausgebildet werden, Lehrer mehr Möglichkeiten zur Fortbildung erhalten. Die Lehr- und Lernbedingungen müssen sich durch die Bank bessern.

! Alps: Wir brauchen eine inklusive Pädagogik, die jeden nach seinen Bedürfnissen fördert und niemanden aussortiert. Das bedingt eine größtmögliche Durchlässigkeit innerhalb des Bildungssystems: An jeder Stelle des Bildungsweges sollte jeder alle Möglichkeiten haben, sich individuell weiterzuentwickeln.
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