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Thema Schule: Streit um Streik

Stadtelternrat weist Vorwürfe strikt zurück

Von Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. Die Schüler wollen auf die Straße gehen, doch jetzt gehen sich die Erwachsenen erst einmal ordentlich an die Köpfe: Über den geplanten Schülerstreik am Mittwoch (12. November) ist ein heftiger Streit entbrannt.

Die Landtagsabgeordnete Heidemarie Mundlos warnt auf ihrer Internetseite vor linksgerichteten Nachwuchsorganisationen und fragt den Stadtelternrat, vor welchen Karren er sich spannen lässt, ein „ Aktionsbündnis Gegliedertes Schulsystem“ sieht die „Rechte der Eltern mit Füßen getreten“, Regina de Rose, Vorsitzende des Stadtelternrats, reagierte gestern mit einem offenen Brief.
Was ist passiert? Der Braunschweiger Arbeitskreis Schulstreik hat alle Schüler aufgerufen, sich am 12. November ab 10 Uhr vor dem Rathaus zu versammeln. Danach ist ein Protestzug über den Bohlweg, Kennedy-Platz und Friedrich-Wilhelm-Platz zu versammeln, die Abschlusskundgebung ist für dien Kohlmarkt geplant. Ab sofort werden in der Stadt Flyer verteilt und Plakate geklebt. „Auf der Rückseite der Flyer ist eine Einverständniserklärung der Eltern“, erklärt de Rose, „die sollten minderjährige Schüler der Schulleitung geben.“
Denn es gilt, die rechtlichen Rahmen zu wahren, und danach muss ein Antrag auf Beurlaubung gestellt werden.
Um die rechtlichen und alle andere Details der bundesweit geplanten Streik-Aktion zu klären, gibt es einen Informationsabend am kommenden Dienstag (4. November) um 17 Uhr in der Mensa, Katharinenstraße 1. Auch Menschen, die als Ordner den Zug begleiten mögen, werden noch gesucht.

Auch die Landesschulbehörde hat auf die angekündigte Demonstration reagiert und einen Erlass aus dem vergangenen Jahr erneut an die Schulen geschickt, in dem es unter anderem heißt: „Grundsätzlich rechtfertigt die Teilnahme an einer Demonstrationen nicht das Fernbleiben vom Unterricht.“

Hier setzt auch die Kritik der Landtagsabgeordneten Heidemarie Mundlos an. „Dies ist ein Widerspruch in sich“, schreibt sie dazu auf ihrer Internetseite, „man beklagt, dass Unterricht ausfällt und nimmt nicht nur selber billigend weiteren Unterrichtsausfall in Kauf, sondern verursacht ihn sogar. Oder sind die potenziellen Demonstranten nicht bereit, ihre Freizeit zu opfern“, fragt die Politikerin.
Außerdem fordert sie Toleranz der Veranstalter gegenüber allen Schulsystemen und warnt vor linken Nachwuchsorganisation, die an der Demonstration teilnehmen wollen, und die im Verfassungbericht erwähnt würden. „Vor welchen Karren lassen sich hier die anderen Mitstreiter (Stadtelternrat) spannen“, fragt Mundlos.
Darauf reagierte gestern die Vorsitzende Regina de Rose auf Anfrage der nB ebenfalls mit einem offenen Brief. „Der Stadtelternrat weiß sehr genau, mit wem und wofür die Schüler und Schülerinnen auf die Straße gehen“, sagt sie, „Eltern nehmen ihr natürliches Recht wahr, mit und für ihre Kinder eine Reform des deutschen Bildungssystems einzufordern.“ Mehr offene Ganztagsschulen mit einer gesunden Mittagsverpflegung gehören zur Forderung, ebenso wie Lernmittelfreiheit, mehr Lehrer, pädagogisches Personal und vieles mehr. „Wir brauchen die nächste hochqualifizierte Generation, um auch in Zukunft im internationalen Vergleich mithalten zu können“, sagt de Rose. Allen Kindern müssten die gleichen Chancen eingeräumt werden, unabhängig der sozialen Herkunft.
„Eltern haben die Bildungsarbeit genauso zu begleiten, wie Schülerinnen und Schüler einen Anspruch auf ordentlichen Unterricht haben und nicht durch die Schule gepeitscht zu werden“, sagt die Vorsitzende.
Dem Elternwillen entsprechend solle jedes Kind die Schulform besuchen können, die zu ihm passt. „Dass in der Vergangenheit in Braunschweig so vielen Bewerbern um einen Gesamtschulplatz eine Absage erteilt werden musste, ist sehr bedauerlich“, fügt sie an. Bedauerlich sei auch, dass die Hauptschule in Verruf geraten sei. „An Braunschweiger Hauptschulen wird, wie an allen anderen Schulen auch, trotz widriger Bedingungen, hervorragende Arbeit geleistet.“ Jetzt sei politische Unterstützung nötig.
„Die Demonstration ist wichtig und richtig, und sie wird auch stattfinden“ ist Regina de Rose sicher.

Kommentar:

Das gute Recht der Schüler ist unsere Pflicht

Am besten gehen wir alle mit. Die schwierige Situation an unseren Schulen hat ja wohl inzwischen jeder begriffen.Pisa und andere Studien malen ein düsteres Bild, und neben Problemen wie Lehrermangel, oder zu große Klassen, verändern und erhöhen sich die Anforderungen an Schule dramatisch: schwierige Kinder, Mittagstische, Integration und noch viel mehr.
Schule wird das leisten müssen, wer denn sonst? Es gib keine andere Institution, die das schaffen könnte. Doch dafür braucht sie Unterstützung. Die demografische Entwicklung wird uns dazu zwingen, jedes einzelne Kind stärker in den Fokus zu nehmen. Das ist die Chance. Denn wenn die Wirtschaft die Jugend braucht, dann wird sich etwas bewegen. Eher als durch Appelle.
Deshalb sollten die Bedenkenträger sich jetzt zurückhalten, das Positive in dieser Demonstration sehen und verstärken: Kinder und Jugendliche gehen auf die Straße für eine Verbesserung des Bildungssystems. Das ist ihr sehr gutes Recht. Und unsere Pflicht ist es, sie dafür zu loben, zu stärken und ihnen zu helfen. Und damit auch uns. Von wegen Rente und so weiter und so weiter...
Und je mehr Menschen wie Du und ich mitgehen, umso weniger fallen mögliche politische Sonderlinge überhaupt ins Gewicht. Ingeborg Obi-Preuß
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