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Stephan Weil: „Was für ein Jahresanfang für Braunschweig"

Nachdenkliche Worte und Anregungen für die Zukunft gab es gestern Abend im Dom von Landesbischof Christoph Meyns und von Ministerpräsident Stephan Weil (links). Foto: Thomas Ammerpohl

Ministerpräsident Stephan Weil sprach im Dom über gemeinsame Werte.

Von Ingeborg Obi-Preuß
Braunschweig, 18.02.2015. Absage des Schoduvels wegen Terrorverdachts am Sonntag: „Wir ermitteln in alle Richtungen, es gibt keine Informationen“ – Kathrin Söfker, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover, blockte gestern mit dem Hinweis auf ein laufendes Verfahren, alle Nachfragen ab. Dem Vernehmen nach könnte jeder Hinweis auf die vermeintliche Quelle der Informationen den Informanten in Lebensgefahr bringen.

Auf jeden Fall aber scheint sich zu bestätigen, dass die Hinweise, wie Oberbürgermeister Ulrich Markurth formuliert hatte, „dramatisch konkret “ waren. Auch Landtagsvizepräsident Klaus-Peter Bachmann betonte: „Wäre von den Behörden nicht so beherzt reagiert worden und hätte es ein Attentat gegeben, der Schoduvel wäre auf Jahre hinaus nicht mehr denkbar gewesen.“
Unterdessen versuchen die Narren der Stadt, ihren Karneval mit ihren verschiedenen Abschlussveranstaltungen einigermaßen normal zu Ende gehenzulassen. So bekommt am heutigen Aschermittwoch der Oberbürgermeister auch Stadtsäckel und Rathausschlüssel zurück.
An vielen anderen Stellen wird nach einer Antwort auf die schwierige Frage gesucht: Wie geht es weiter? Auch gestern beim „Abend der Begegnung“ im Dom.

Landesbischof Christoph Meyns erzählte von den ersten christlichen Gemeinden, in denen es auch schon reichlich Probleme gegeben habe. „Es ging damals und es geht heute nicht um spannungslose Harmonie“, betonte er, sondern darum, Spannungen und Differenzen mit Offenheit zu begegnen.
„Das ist leichter gesagt als getan“, fügte er an. Es sei viel angenehmer, unter Gleichgesinnten zu bleiben, „den warmen Stallgeruch zu genießen und zu pflegen“, sagte er. Aber genau diese Form von Abgrenzung führe zu Trennung, Abwertung und Isolation.
In diesem Sinn begrüßte er besonders herzlich die Gäste aus der jüdischen und den muslimischen Gemeinden, die seiner Einladung in den Dom gefolgt waren.
„Was für ein Jahresanfang für Braunschweig“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil. Er sprach von „wenigen Hundert Menschen“ die gegen eine sogenannte „Islamisierung des Abendlandes“ protestierten und „von den vielen Tausenden“, die gleichzeitig für eine offene und freie Gesellschaft auf die Straße gingen. „Darauf kann Braunschweig stolz sein.“

„Und dann die Absage des Schoduvels“, fuhr er fort, „für alle ein Schock.“ Es bestehe eine Verbindung zwischen diesen beiden Anlässen, betonte er. „Und es besteht auch eine Verbindung zwischen der Verschleppung von Menschen im Norden Nigerias und der Absage des Schoduvels.“
Die Welt sei inzwischen zu dem sprichwörtlichen Dorf geworden, und zurecht würden sich Menschen fragen, ob diese Welt aus den Fugen geraten sei. Abschottung allerdings könne da nicht helfen. Weil skizzierte „Leitplanken“, an denen jetzt Orientierung zu finden sei und verwies auf das Grundgesetz. „Übrigens eine ganz großartige Verfassung“, betonte er und zitierte: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ „Ein Satz wie ein Fels“, fügte Weil an, schränkte allerdings ein: „Wir können die Würde des Menschen nicht per Gesetz festlegen“, es brauche einen gemeinsamen Wertekanon. Der Staat allein jedenfalls werde es nicht richten können.

Glaubensgemeinschaften würden eine überragend wichtige Rolle einnehmen bei der Suche und Festigung gemeinsamer Werte. „Denn in den großen Weltreligionen gibt es ganz erstaunliche Gemeinsamkeiten“, fügte er an, „unter anderem gibt es einen Konsens im Prinzip der Nächstenliebe“, erklärte er und empfahl den Menschen ohne Glauben den kategorischen Imperativ von Immanuel Kant: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Die Gesellschaft stehe unter Druck, „aber dem dürfen wir nicht nachgeben“, appellierte der Ministerpräsident. Gemeinsame Werte müssten dagegen gestellt werden, die „fröhlich, selbstbewusst und geschlossen“ zu verteidigen seien.

Er könne aber nicht über Werte sprechen, ohne über Flucht und Asyl zu reden. Er dankte besonders allen ehrenamtlich engagierten Menschen in der Flüchtlingshilfe. Seit vielen Jahren belegten Studien Ausländerfeindlichkeit und Rassismus bis tief in die Gesellschaft, klagte Weil. Hier seien alle aufgerufen, ein Miteinander zu leben und einzufordern.
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