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Stellensuche per Video

Stellten die Ausbildungsplatzsuche per Video vor (v.l.): Gesa Lüdke, Alexandra Mewes (beide Kompetenzagentur), Dirk Hoffmann (Görge), Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke und Tammy Weiße (Görge). Foto: Thomas Ammerpohl

Schwache Schüler erhalten zweite Chance.

Von Birgit Leute, 10.01.2017.

Braunschweig. Niemand hätte Bianca Schmidt (Name von der Redaktion geändert) mit diesen Noten eingestellt: Auf dem Abschlusszeugnis der Hauptschülerin wimmelte es nur so von Vieren und Fünfen. Doch dann bewarb sich die 17-Jährige noch einmal per Video – und überzeugte.

Seit kurzem ist sie Azubi bei Görge. „Ihre Offenheit ist genau richtig für den Einzelhandel“, ist Dirk Hoffmann begeistert.

Bewerbung per Video – das ist für viele Betriebe noch Neuland, dabei führt die Kompetenzagentur Braunschweig bereits seit einigen Jahren ein entsprechend Casting unter dem Titel „BSBSDICH“ durch. Im Zentrum stehen Jugendliche, die auch in Zeiten des Fachkräftemangels nur schwer unterkommen. Jugendliche, die gerne mal Stunden schwänzen oder miserable Noten haben und bei Bewerbungsrunden sofort aussortiert werden.

„Manchmal können diese Schüler dann auf den zweiten Blick überzeugen, weil sie andere Qualitäten haben“, sagt Thomas Mallon, Leiter der Kompetenzagentur, die beim Fachbereich Kinder, Jugend und Familie angesiedelt ist.

Rund 100 Filme hat die Kompetenzagentur seit dem Start von „BSBSDICH“ gedreht, 70 wurden Unternehmen präsentiert, vier Bewerber konnten in eine Ausbildungsstelle vermittelt werden. Ein enormer Aufwand, der aber in den Augen von Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke gerechtfertigt ist, denn „jeder vermittelte Jugendliche zählt.“ „Wir müssen versuchen, alle mitzunehmen“, sagt Hanke und denkt dabei vor allem an die männlichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund. „Im vergangenen Jahr hatten wir insgesamt 117 Hauptschulabsolventen, 39 hatten einen Migrationshintergrund, nur vier haben eine Ausbildungsstelle gefunden“, verweist Hanke auf deprimierende Zahlen.

Für das Casting geht die Agentur direkt in die Schulen, spricht mit den Lehrern, fragt, welche Schüler Schwierigkeiten haben. „Bei besonders problematischen Fällen kommen wir auch schon mal zu Hause vorbei und reden mit den Eltern“, sagt Mallon.

Nach ein paar Trockenübungen geht’s los: In eineinhalb bis fünf Minuten erzählen die Schüler von ihren Stärken, ihren Wünschen, ihren Hobbys. Insgesamt zwölf Fragen haben Mallon und sein Team ausgearbeitet. „Manche Teilnehmer haben am Anfang Hemmungen, manche nehmen das Casting nicht so ganz ernst“, erzählt Alexandra Mewes von ihren Erfahrungen. Bei letzteren wird die Mitarbeiterin der Agentur auch mal streng. „Diesen Kandidaten machen wir gleich klar: Das Casting ist nicht bloß Spaß, sondern tatsächlich eine Chance auf einen Ausbildungsplatz und die Vorbereitung auf ein mögliches Vorstellungsgespräch“, betont Mewes.

Dass es klappt, beweist der Fall Bianca Schmidt. „Ich hätte um ihre Bewerbung herumgegriffen“, erzählt Dirk Hoffmann von Görge, der sich in Zeiten des Fachkräftemangels ein „Nein“ eigentlich nicht mehr leisten kann. „Die meisten Jugendlichen gehen lieber weiter zur Schule als eine Ausbildung zu machen“, erzählt Hoffmann von den Problemen, passenden Nachwuchs zu finden. Und so profitieren nicht nur die Schüler, sondern auch die Betriebe von „BSBSDICH“.

Service:

• Folgende Unternehmern machen bei der fünften Runde des Video-Castings mit:
Baumschule Stielau, Görge Discount GmbH, Haarwerk GmbH, Hch. Perschmann GmbH, Mast Jägermeister SE, R. Pape GmbH

• Castings werden in den Haupt- und Berufsschulen angeboten. Zusätzlich gibt es offene Castings am 25. Januar (Mittwoch), um 10 und 15 Uhr im Kinder- und Jugendzentrum Mühle, An der Neustadtmühle 3.
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