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Stadt schaltet Bragida das Licht aus

Ulrich Markurth: „Stadt darf nicht für die Verbreitung dumpfer Vorurteile missbraucht werden“.

Von Andreas Konrad, 07.01.2015.

Braunschweig. Nachahmer der Dresdener Pegida-Demonstrationen wollen jetzt in Braunschweig auf die Straße. Unter dem Namen Bragida (Braunschweig gegen die Islamisierung des Abendlandes) haben sie für den 19. Januar eine Versammlung angemeldet.

Wie Polizeisprecher Wolfgang Klages gestern bestätigte, haben am Montag mehrere Personen für den 19. Januar um 18.30 Uhr eine Versammlung auf dem Schlossplatz mit anschließendem Rundgang über Münz- und Dankwardstraße bei der Stadt angemeldet. Die Veranstalter rechnen laut Anmeldung mit 500 Teilnehmern. „Ob diese Zahl realistisch ist, kann man derzeit nicht einschätzen“, so Klages. Für den 12. Januar sei eine ähnliche Veranstaltung in Hannover angemeldet, die diesbezüglich weitere Rückschlüsse erlaube, so der Polizeisprecher weiter. Auch David Janzen von Bündnis gegen Rechts sagt: „Die Teilnehmerzahl ist total schwierig einzuschätzen. In Kassel am letzten Montag waren es 350, das könnte vielleicht vergleichbar sein.“ Dass das Bündnis gegen Rechts auf die Ankündigung von Bragida reagieren wird, stand gestern bereits fest.
„Wir haben auf jeden Fall jetzt schon eine Kundgebung auf dem Schlossplatz für den 19. Januar angemeldet“, sagt Janzen. Über weitere Schritte will das Bündnis gegen Rechts am heutigen Mittwoch beraten. Die Anmeldung einer Gegendemonstration scheint wahrscheinlich.
Den Aufruf des Bündnisses „Kein Platz für Rassismus, Nationalismus und Hetze gegen Flüchtlinge!“ haben nach dessen Angaben bereits über 65 Personen und Organisationen unterzeichnet. Auch die Polizei – so Klages – schätzt, dass die Zahl der Gegendemonstranten wie in allen deutschen Städten außer Dresden wohl größer sein werde als die der Bragida-Demonstranten.
Oberbürgermeister Ulrich Markurth kündigte gestern in einer Stellungnahme an, den Bragida-Anhängern das Licht auszuschalten. Ähnlich hatte bereits am Montag der Kölner Dom auf rund 300 Kögida-Anhänger reagiert. Auch das Brandenburger Tor und die gläserne Volkswagen-Manufaktur in Dresden blieben bereits dunkel.
Markurth: „Braunschweig ist eine weltoffene Stadt, in der Intoleranz keinen Platz hat. Braunschweig steht für eine offene Gesellschaft und das friedliche Miteinander der Kulturen, Nationalitäten und Religionen. Hier haben wir die letzten Jahre gemeinsam viel erreicht. Unser Handlungskonzept Integration fußt auf den Werten unseres Grundgesetzes und beinhaltet Rechte und Pflichten gleichermaßen. Größere Probleme sind mir in Braunschweig nicht bekannt. Wer an der Demonstration teilnimmt, muss wissen, wem er eine Bühne bietet. Braunschweig als Stadt internationaler Kultur und Wissenschaft darf nicht als Kulisse für die Verbreitung dumpfer Vorurteile missbraucht werden. Wir behalten uns vor, die Beleuchtung symbolträchtiger Gebäude der Stadt abzuschalten.“
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