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Stadt im Wandel: Für und Wider

Braunschweig ist als Wohnort attraktiv wie lange nicht – die gute Entwicklung hat auch Verlierer.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 13.03.2013.

Braunschweig. Wohnraum ist knapp – ein Thema, das zunehmend bewegt.

Schicke Villen und Stadtwohnungen entstehen in vielen Vierteln von Braunschweig, elegante Eigentumswohnungen sind ruckzuck verkauft, schäbige Wohnblocks werden saniert. Das ist gut für die Stadt, das sieht auch gut aus und ist ein positives Zeichen für eine wachsende Großstadt. Allerdings hat die Entwicklung auch eine Kehrseite, günstige Wohnungen werden saniert, was anschließend zu einer Mieterhöhung führt, die viele Menschen nicht zahlen können. Was bislang nur in den großen Metropolen ein Problem war, wird zunehmend auch in Braunschweig zum Thema: günstiger Wohnraum.

Wir sprachen darüber mit Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer:

? Wie schätzen Sie den Wohnungsmarkt in Braunschweig ein?

! Insgesamt ist der Wohnungsmarkt im Gleichgewicht, wir haben im Mietspiegel keine sprunghaften Bewegungen. Gleichzeitig nehmen wir aber wahr, dass es eine gewisse Anspannung gibt: Wohnraum in Braunschweig ist stark nachgefragt. Das ist grundsätzlich natürlich erfreulich, Es bedeutet aber für uns als Kommune auch, die Entwicklung nicht nur aufmerksam zu verfolgen, sondern aktiv zu handeln.

? Was genau können Sie tun?

! Wir haben mehrere Stellschrauben, an denen wir drehen können. Einen Schwerpunkt setzen wir in der Innenentwicklung, um damit innenstadtnahe, attraktive Wohngebiete zu schaffen. Darüber hinaus möchten wir aber auch der Nachfrage von Einfamilienhausgebieten am Stadtrand gerecht werden.

? Was bedeutet das konkret?

! Die vorhandenen Baugebiete sind so gut wie ausgebucht. Wir werden, wenn die politischen Gremien zustimmen, 2014 das Baugebiet Lamme erweitern, außerdem neue Bauflächen am Pfarrgarten in Bevenrode und Am Meerweg in Leiferde erschließen. 2015 soll mit der baulichen Umsetzung der Wohngebiete im nördlichen Ringgebiet begonnen werden. Dazu kommen innerstädtische Baugebiete, die von privaten Investoren erschlossen werden. Dies ist zum Beispiel auf dem Gelände der bisherigen IGS-Weststadt vorgesehen, oder auf dem des Schwimmbades in Gliesmarode, oder auch auf dem Klinikgelände Langer Kamp.

? Und was meint Innenentwicklung?

!Als Innenentwicklung bezeichnen wir die Schaffung von Wohnraum innerhalb der bereits bebauten Bereiche der Stadt. Beispielsweise gibt uns das Projekt „Nördliches Ringgebiet“ die Chance ein ganz neues Quartier mit rund 1000 Wohneinheiten in der Nordstadt zu entwickeln. Es ist eine enorme Herausforderung, hier qualitätsvollen, aber gleichermaßen bezahlbaren Wohnraum in einen Stadtteil zu integrieren, ihn verkehrlich einzubinden und eine gute Verknüpfung der Sozialeinrichtungen mit den benachbarten Stadtteilen zu erreichen. Hier wird es zeitnah einen städtebaulichen Wettbewerb geben, mit den Anwohnern sind wir bereits im Dialog. Diese Wohnungen kommen in den nächsten Jahren auf den Markt – Eigentumswohnungen ebenso wie Mietwohnungen. Auch damit sorgen wir gemeinsam mit privaten Investoren dafür, dass Braunschweig weiter wachsen kann.

? Ist Gentrifizierung, also die Aufwertung innenstädtischer Wohngebiete, mit einer einhergehenden Verteuerung der Wohnungen und dem damit verbundenen Wechsel der Mieter, umgangssprachlich auch Yuppisierung, in Braunschweig ein Thema oder gar ein Problem?

! Nein. Das können wir glücklicherweise nicht beobachten. Wir haben überall Wohngegenden, in denen sich sehr teure und schicke Stadthäuser oder Villen in direkter Nachbarschaft zu eher einfacheren Häusern befinden. Es ist bei uns einfach gut gemischt. Mit Projekten wie „Soziale Stadt“ oder der Aufwertung der Weststadt im Rahmen des Programms „Stadtumbau-West“ sind wir Gentrifizierungstendenzen auch aktiv entgegen getreten.

? In einem angespannteren Wohnungsmarkt haben besonders Menschen mit sozialen oder auch körperlichen Problemen oder Handicaps Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden. Nimmt die Stadt da Einfluss?

!Ja, Zurzeit haben wir rund 4200 Sozialwohnungen mit einer sogenannten Belegungsbindung. Unter einer bestimmten Einkommensgrenze stehen den Menschen Wohnberechtigungsscheine zu, die es ihnen ermöglichen, eine Sozialwohnung anzumieten. Auch in dem oben angesprochenen Projekt „Nördliches Ringgebiet“ haben wir die Entwicklung von bezahlbarem Wohnraum im Auge.

? Wird die Belegung kontrolliert? Beziehungsweise: Wenn die Mieter wieder mehr verdienen, ziehen sie dann aus?

!Die Belegung wird kontrolliert: Der Vermieter muss bei einer Neuvermietung nachweisen, dass er an einen wohnberechtigten Haushalt vermietet hat. Findet sich kein wohnberechtigter Haushalt, kann der Vermieter eine Freistellung von der Belegungsbindung beantragen. Entscheidend für die Wohnberechtigung sind die Einkommensverhältnisse bei der Antragstellung. Steigt das Einkommen später, hat dies keine wohnungsbindungsrechtlichen Folgen – die Mieter dürfen in diesem Fall also in der Wohnung wohnen bleiben.


? Energetische Sanierung ist wichtig und wird gefördert. Viele Mieter haben aber Angst, dass sie nach einer Sanierung die Miete nicht mehr zahlen können. Hat die Kommune Einflussmöglichkeiten auf dieses Problem?

!Unmittelbar nicht. Aber es gibt den qualifizierten Mietspiegel, den die Stadt alle zwei Jahre gemeinsam mit dem Mieterverein, dem Verein Haus und Grund und der Arbeitsgemeinschaft der Wohnungswirtschaft erstellt. Er liefert eine Übersicht über die in Braunschweig gezahlten Mieten für nicht preisgebundenen Wohnraum und informiert über ortsübliche Vergleichsmieten. Dabei spielt neben Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage auch die Energieeffizienz einer Wohnung eine Rolle.
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