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„Spontan, kostenlos und flexibel“

Die Bahnhofsmission ist seit 1895 eine Anlaufstelle für Hilfesuchende in Braunschweig

Von Jens Radulovic

Braunschweig. „Großer Bahnhof“ für die Bahnhofsmissionen: Der bundesweite Aktionstag bescherte gestern auch der Braunschweiger Einrichtung, über deren Arbeit und Geschichte wir berichten, viele Gäste.

„Die Bahnhofsmission kann nicht zaubern, aber sie hat viele Möglichkeiten zu unterstützen: Spontan, kostenlos und flexibel“, sagt Anne Johns, Leiterin der Mission.
Und das macht die Bahnhofsmission in Braunschweig bereits seit 1895. „Damals gab es eine große Landflucht. Die Bahnhofsmissionen entstanden mit Blick auf die vielen jungen Frauen, die vom Land in die Städte kamen und dort alleine waren. Ihnen boten die Missionen Schutz und Hilfe“, erzählt Johns.
Die Bahnhofsmissionen spiegelten immer auch die politischen Verhältnisse der Zeit wider. Während des Ersten Weltkrieges beispielsweise lag der Tätigkeitsschwerpunkt auf der Betreuung von Frauen, die zur Arbeit für die Waffenindustrie in die Städte kamen, nach Kriegsende wurden Flüchtlinge, Vertriebene und zurückkehrende Soldaten versorgt. Seit den 1960er Jahren kümmern sich die Helfer verstärkt um die Reisehilfen für ältere Menschen.
Auch heutzutage wird die Mission im Hauptbahnhof stark in Anspruch genommen. „Letztes Jahr hatten wir über 12 000 Kontakte.“ Nur noch rund ein Drittel der Hilfestellungen betrifft Reisende, die meisten Hilfesuchenden wohnen vor Ort.
Die jährlichen Kosten von knapp 70 000 Euro teilen sich der Charitasverband und das Diakonische Werk, die in paritätischer Trägerschaft arbeiten. Die Stadt beteiligt sich mit gut 14 000 Euro an der Finanzierung. Derzeit arbeiten zwei hauptamtliche und sechs ehrenamtliche Kräfte am Hauptbahnhof.
„Früher suchten vor allem Behinderte und alte Menschen unseren Beistand. In den letzten Jahren sind verstärkt alleinstehende Arbeitslose und psychisch kranke Menschen hinzugekommen. Jeder Sechste, der heute zu uns kommt, hat psychische Probleme“, sagt Johns, die seit zehn Jahren in der Mission arbeitet. In dieser Zeit hat sie viel erlebt: „An einem Sonntag kam ein „Hassverein“ zum Spiel gegen die Eintracht nach Braunschweig. Als die vielen Fans am Bahnhof ankamen, hatte die Polizei alles abgesperrt. Einer der vielen Anhänger mit einem dringenden Bedürfnis kam auf die Idee uns zu fragen, ob er mal auf Toilette dürfte. Wir hatten nichts dagegen – und hatten plötzlich eine Schlange von 30 Fans vor der Tür. Nach den Fans fragte dann die Polizei an“, erzählt Johns schmunzelnd. Aber auch von bedrückenden Erlebnissen berichtet sie: „Vor zwei Jahren kam ein drogenabhängiger Mann zu mir. Er hatte gerade erfahren, dass er HIV-positiv ist und hatte Angst, andere durch seine Berührung anzustecken. Ich konnte ihm diese Sorge nehmen und habe ihn dann an die Aids-Hilfe weiter verwiesen.“
• Die Bahnhofsmission, Berliner Platz 1 (Nebengebäude des Hauptbahnhofs) ist montags bis freitags von 8.30 bis 17.30 Uhr, sowie an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet.
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