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„Solidarische Landwirtschaft“ und der lange Weg zur Agrarwende

Landwirtschaftsminister Christian Meyer warb für die Agrarwende. Foto: T.A.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer besuchte die Grünen in Braunschweig.

Von Christoph Matthies, 27.04.2014.

Braunschweig. Es ging um eines der Leib- und Magenthemen der Partei, als Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer am Donnerstag die Mitgliederversammlung der Braunschweiger Grünen besuchte. Außerdem gab es im „Grünen Laden“ eine Einführung in die „Solidarische Landwirtschaft“ – einen neuen Trend, der Verbraucher zu „Mitbauern“ macht und der immer mehr Anhänger findet.

Niedersachsen ist noch immer Deutschlands Agrar-Bundesland Nummer eins. Da leuchtet es ein, dass der hiesige Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine besondere Verantwortung trägt. Trotz des gebotenen Pragmatismus hat Christian Meyer aber auch ehrgeizige Ziele: „Wir brauchen die Agrarwende“, forderte der 38-jährige Sozialwirt aus Holzminden, und nannte dafür einige Gründe, die einleuchten. Die massiven CO²-Emissionen der Landwirtschaft zum Beispiel oder ihre negativen Auswirkungen auf Natur (vor allem durch Pestizide und zu viel Gülle) und Mensch (etwa durch den übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung).

Tierschutz verbessern

Der Minister wolle mehr Geld für ökologischen Landbau bereitstellen, außerdem eine Hinwendung zu mehr Tierschutz. „Es ist wirklich grausam, was da passiert“, befand Meyer, nachdem er die Zustände in einer Hühnermastanlage geschildert hatte, wo 25 Hühner auf nur einem Quadratmeter gehalten würden und die (eigentlich verbotene) Verstümmelung der Tiere nicht die Ausnahme, sondern die Regel sei.

Der Tierschutzplan, der bereits unter der Vorgängerregierung beschlossen wurde, werde nun eins zu eins umgesetzt. Auch ein Weidemilch-Programm und der „Imkerbonus“ seien wichtige Schritte hin zum dringend benötigten (Bewusstseins-)Wandel in der Landwirtschaft. Außerdem sei die Verteilung der Agrarsubventionen zu prüfen: „20 Prozent der Betriebe bekommen 80 Prozent der Subventionen. Wir wollen die kleinen und mittleren Betriebe mehr stärken und nicht, wie die alte Regierung, die Großbetriebe“, mahnte der grüne Minister eine gerechtere Mittelverteilung im Sinne von Umwelt und Verbraucher an.

Projekt „SoLaWi“

Wie Bio-Lebensmittel in Zukunft zum Konsumenten kommen könnten, macht Lea Nagel mit ihrem SoLaWi-Projekt in Groß Dahlum seit 2013 vor. Rund 80 Anteile an ihrem Biohof hat die Landwirtin bislang verkauft, dafür gibt es jede Woche frisches Obst und Gemüse, Mitbestimmung über die Anbaupläne und sogar die Möglichkeit, auf der „eigenen“ Scholle mitzuhelfen. „Die Anteilseigner kaufen nicht einfach das Gemüse ab, sondern finanzieren den Hof. Und alles, was vom Feld kommt, wird aufgeteilt“, erklärte die junge Frau das genossenschaftliche Prinzip der „Solidarischen Landwirtschaft“. Bei der auch die Qualität stimmt, denn: „Meine Mitglieder sind auch meine Kontrolleure.“
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