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Setzen, sechs: Banken im Test

nB fragt nach: Kann ich Bankern vertrauen?

Von Ingeborg Obi-Preuß, 11.08.2010

Braunschweig. Setzen, sechs: Stiftung Warentest hat für Banken und Sparkassen ein sehr schlechtes Testergebnis veröffentlicht. Wir haben zwei Banker aus Braunschweig befragt. „Die Blamage geht weiter“ titelt Stiftung Warentest in ihrer August-Ausgabe, untersucht wurde die Anlageberatung bei 21 Banken und Sparkassen, das Ergebnis sei „noch verheerender“ als beim gleichen Test im vergangenen Mai. Sollten die Banken aus ihren Fehlern wirklich nichts gelernt haben? Mark Uhde, Vorstandsreferent der Volksbank Braunschweig/Wolfsburg, und Carsten Ueberschär, Bankdirektor der Braunschweigischen Landessparkasse, machen einen feinen aber deutlichen Unterschied zwischen international agierenden Großbanken und Häusern, die – wie ihre – vor allem am lokalen Markt bestehen müssen. Die nB sprach mit zwei Finanzprofis aus Braunschweig.

? Auf einer Skala von eins bis fünf, also von sehr gut bis mangelhaft – wie benoten Sie Ihr Institut? Und warum?

!Uhde: Wir geben uns in Bezug auf die neuen Anforderungen bezüglich Anlageberatung und Beratungsprotokoll aktuell die Note zwei. Ein Beleg für den guten Umsetzungserfolg ist das Ergebnis der gesetzlichen Depotprüfung. Diese haben wir gerade ohne wesentliche Beanstandungen durchlaufen. Alle unsere Berater sind zu den aktuellen Themen gesondert geschult worden. Wir wissen allerdings auch, dass an einzelnen Stellen noch Fehler passieren. Daher erreichen wir noch nicht die Bestnote. An der Behebung und Vermeidung derartiger Fehler arbeiten wir. Dazu prüfen wir gerade, Testkäufe durch externe Berater durchführen zu lassen.


! Ueberschär: Ganz klar Note eins, weil die Landessparkasse in Braunschweig aus mehreren unabhängigen Tests seriöser Unternehmen als Sieger hervorgegangen ist, und zwar zu recht. Sparkassen stehen für Solidität und Sicherheit, für Nähe, für verbrauchergerechte faire Beratung – und sie sind für alle da.


? Wie ordnen Sie die Ergebnisse von Stiftung Warentest ein? Stehen diese Ergebnisse für eine ganze Branche? Haben die Banken aus der Krise nichts gelernt?

! Uhde: Das Ergebnis hat mich geschockt. Ich hätte nicht gedacht, dass es kein einziges Institut schafft, positiv aufzufallen. Allerdings muss man sich dann schon fragen, ob nicht der Test zu einseitig motiviert war und überzieht? Grundsätzlich bin ich überzeugt davon, dass sich die Grundphilosophie der Bankengruppen nicht geändert hat: Die Großbanken sind aus meiner Sicht ziemlich schnell nach Ausbruch der Krise zum alten Geschäftsprinzip zurückgekehrt und „zocken“ wieder. Das kann man ja auch schön aus den nach oben schießenden Millionengehältern ableiten.
Der immer noch vorhandene Sprengstoff in einzelnen Bankbilanzen wird dabei gern übersehen. Andere Institute fallen eigentlich immer negativ auf – bei Stiftung Warentest, im Kundenservice, bei versteckten Gebühren und so weiter. Das sind dann Häuser, die alle Jahre wieder ihren Namen ändern.
Die regional verwurzelten Volksbanken und auch eine Vielzahl der Sparkassen haben glücklicherweise in der Krise als stabiler Anker gewirkt, weil sie ein grundsolides Geschäftsmodell haben und sich auf die Bedürfnisse der Kunden in der Region fokussieren, nicht auf Zockereien.

! Ueberschär: Jeder lernt aus einer Krise irgendwas – die Meinung, Banken würden das alles ignorieren, ist blanker Populismus. Richtig ist: Es gibt Banken und es gibt Sparkassen. Sparkassen haben einen öffentlichen Auftrag, und vor allem haben sie Kunden, die Landessparkasse hat rund 400 000 Kunden und muss sich denen gegenüber tagtäglich mit ihrer Leistung beweisen.
Diejenigen „Finanzinstitute“, die im Zuge der Krise in Misskredit geraten sind, haben oft gar keine direkten Kunden, mit denen sie in langfristigen Geschäftsbeziehungen stehen.
Zur Stiftung Warentest: Ergebnisse von Tests sind immer ernst zu nehmen und man muss dankbar sein, von außen beachtet und beurteilt zu werden!

? Stiftung Warentest bemängelt besonders, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Beratungsprotokolle häufig nicht geschrieben und ausgehändigt werden. Sind diese Protokolle sinnvoll und nützlich? Wie geht Ihr Haus mit dieser Vorschrift um? Haben Sie Tipps?

!Uhde: Ob das wirklich nützlich ist, wird man sicher erst in Zukunft sehen, wenn die Protokolle zum Beispiel Unstimmigkeiten klären sollen, falls mal ein Wertpapier nicht so gelaufen ist wie erhofft. Die Einhaltung der neuen Anforderungen ist bei uns angewiesen und konsequent einzuhalten. Menschen machen Fehler. Es kann deshalb passieren, dass im Einzelfall mal die Aushändigung des Protokolls vergessen wird. Eine derart niederschmetternde Quote wie bei Stiftung Warentest schließe ich für unser Haus jedoch aus.
Mein Tipp: Gleich zu Gesprächsbeginn den Berater auf das Thema ansprechen und am Ende auf die Aushändigung des Protokolls bestehen.

! Ueberschär: !Ob solche Protokolle in ihrer Ausführlichkeit sinnvoll und nützlich sind, ist umstritten. Die Dokumentation von Anlagegesprächen ist für beide Geschäftspartner aber grundsätzlich hilfreich. Fakt ist zudem: Sie sind Pflicht! Und wir haben uns an die Gesetze zu halten. In der Landessparkasse läuft das vorschriftskonform – auch wenn wir unsere Kunden häufig um Verständnis für diese zusätzliche Bürokratie bitten müssen, ziehen wir das strikt durch.
Mein Tipp: Ich halte es mit Thomas Manns „Buddenbrooks“: „Sei mit Lust bei den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, dass wir bei Nacht ruhig schlafen können.“

? Ein Vorwurf ist auch, dass Bankberater zugunsten der Bank und nicht des Kunden arbeiten, das heißt, vor allem hauseigene Produkte empfehlen, und dass sie auf die Provision achten. Arbeiten ihre Bankberater auch auf Provisionsbasis?

! Uhde: Nein, eine Weitergabe von Provisionen direkt an den Berater gibt es nicht mehr. Das haben wir schon in den 90er Jahren abgeschafft. Diese Systeme praktizieren andere Banken und Finanzdienstleister. Damit schrauben manche Banker ihre Gehälter in die Höhe. Für uns ist das kein Thema, weil es langfristig dem Ruf der Bank schaden würde. Dass hauseigene Produkte besonders gern verkauft werden, ist aus meiner Sicht verständlich und in allen Branchen üblich. Unser Bemühen ist es ja gerade, eine auf die Kundenbedürfnisse zugeschnittene attraktive Produktpalette anzubieten, dass man gar nicht erst auf die Konkurrenz ausweichen muss. Wer würde Ihnen bei Audi freiwillig den Kauf eines Mercedes vorschlagen? Der Unterschied zu uns: gleichwohl können auf Wunsch Fonds anderer Anbieter erworben werden, bei Audi werden sie den Mercedes wahrscheinlich auch auf Wunsch gar nicht erst bekommen.

! Ueberschär: Wir als Landessparkasse sind Vollsortimenter – wir können alles anbieten, weil wir mit der Sparkassenfinanzgruppe und der Nord/LB im Rücken „das Beste aus zwei Welten“ im Angebot haben. Die finale Entscheidung über den Erwerb eines Produktes trifft bei uns der Kunde. Der Mitarbeiter der Landessparkasse berät ihn dabei. Dafür bekommt er ein Festgehalt.

? Angenommen, ich will 35 000 Euro anlegen, wie finde ich den richtigen Anlagemix für mich? Wie erkenne ich eine zuverlässige Bank und einen guten Bankberater?

! Uhde: Das A und O ist der ganzheitliche Beratungsansatz. Ein guter Berater hinterfragt das Anlageziel, die Risikoneigung, die Erfahrung mit Geldanlagen, die gesamten Vermögensverhältnisse, Alter, Lebensplanung und weitere relevante Dinge, um die angenommene Geldanlage in eine passende ganzheitliche Lösung zu bringen. Wir nennen das „persönliches Vermögenshaus“.
Nicht seriös sind Berater, die beispielsweise alles auf eine Karte setzen. Ein altes Sprichwort sagt schon: „Nicht alle Eier in einen Korb“. Das gilt ganz besonders für die Anlage in Wertpapieren. Schlechte Berater erkennen Sie auch daran, dass der Kunde zur Vertragsunterschrift gedrängt wird. Ein guter Anlagemix ist kein Kurzzeitphänomen, sondern sollte auch nach dem Gespräch und einer Nacht des „Drüber-Schlafens“ noch gut sein.
Mein Tipp: Im Zweifel um Bedenkzeit bitten.

! Ueberschär: Wir bieten den S-Finanzcheck, da bekommt jeder Kunde zunächst einmal seine ganz persönliche finanzielle Bilanz erstellt. Wir betrachten den Kunden in diesem Sinn ganzheitlich und schauen, wo bestehen wirklich Bedarfe, was kann er sich leisten und was nicht. Je nach persönlicher Risikoneigung und Renditeerwartung sollte der Kunde sein Portfolio strukturieren. Unsere Berater stehen hier mit Rat und Tat zur Seite, nehmen sich Zeit, um auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen.
Mein Tipp: Gute Berater erkennt man daran, dass sie dem Kunden mehrere fundierte Angebote zur freien Entscheidung unterbreiten und keinen Verkaufsdruck erzeugen.

Kommentar:

Zwei Welten: Selber denken führt zum Ziel

Wir leben in zwei verschiedenen Welten – die Banker und wir Normalbürger. Das ist ein Problem. Die Finanzprofis arbeiten in anderen Sphären, sind auf anderen Umlaufbahnen unterwegs. Und vor allem: Sie sprechen eine andere Sprache. Ich glaube den beiden Profis, die in unserem Interview ihre Meinung sagen. Was aber sagen uns dann die verheerenden Ergebnisse von Stiftung Warentest? Es wurden ja nicht nur „zockende Großbanken“ befragt, sondern auch „das Kreditinstitut um die Ecke.“ Mit den gleich schlechten Ergebnissen.
Da stellt sich die Frage, was Normalbürger wie Sie und ich überhaupt verstehen, wenn Finanzprofis Beratungsgespräche führen. Wir neigen dazu, wie beim Arzt, artig mit dem Kopf zu nicken, das Rezept zu nehmen und brav zu tun, was der Doktor uns empfiehlt.
Das geht so nicht. Wir müssen uns schon anstrengen, das Gehirn einschalten und – wir müssen uns umfassend informieren. Das ist mühsam und mitunter freudlos. Wer arbeitet sich schon gern durch Zahlenreihen und Finanztests. Aber es gibt keine Alternative. Nur gute Vorbereitung und gesundes Misstrauen führen zum Ziel.
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