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„Selig sind, die Frieden stiften!“

NPD-Wahlkampf auf dem Burgplatz – Lautstarke Gegendemonstration – Eine Reportage.

Von Martina Jurk, 09.01.2013.


Braunschweig. Stell Dir vor, es ist Wahlkampf, und keiner geht hin. So geschieht es am Montagvormittag bei der Kundgebung der NPD auf dem Burgplatz. Lediglich vier „echte“ Zuhörer haben die beiden nationalsozialistischen Redner.

Für 9.30 Uhr hat das Bündnis gegen Rechts zur Gegendemonstration aufgerufen. Nach dem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg darf die Partei trotz des Vetos der Stadtverwaltung auf den Burgplatz – mit der Beschränkung auf eine Stunde und nicht in der Zeit des Mittagsgebets im Dom zwischen 11.45 und 12.45 Uhr.
Bereits um 9 Uhr beginnt der Miniwahlkampftross von höchstens 15 Personen mit dem Aufbau des Stands – ein Rednerpult vor dem mit Wahlplakaten drapierten Lkw. „Unterwegs für deutsche Interessen“, „Raus aus dem Euro“, „Wir wollen nicht der Zahlmeister Europas sein“ ist darauf zu lesen. Der Burgplatz wird ringsherum abgesperrt. Polizisten postieren sich. Hundert insgesamt, sieben davon hoch zu Ross auf dem Platz der Deutschen Einheit. Vor dem Deutschen Haus und am Dom versammeln sich inzwischen 400 Gegendemonstranten mit Transparenten und Plakaten. „Gegen Rassismus“, „Nazis stoppen“, „Kein Raum, keine Straße den Nazis“ steht darauf. Auch Neugierige und zufällig vorbeikommende Passanten drängen sich an den Absperrgittern. Der Burgplatz ist nahezu menschenleer. „Wer zum Wahlkampfstand der NPD will, der kann das natürlich“, sagt Polizei-Pressesprecher Joachim Grande.
Um 10 Uhr beginnen die Nationalsozialisten ihre Veranstaltung. Niemand hört, was der Goslarer Kreistagsabgeordnete Patrick Kallweit zu sagen hat. Trillerpfeifen und Trommelkonzert der Gegendemonstranten übertönen die Rede.
Auch der NPD-Landesvorsitzende Manfred Börm als zweiter Redner kann sich nicht durchsetzen. So war es auch im August des vergangenen Jahres. Damals stellten sich 800 Menschen gegen eine Handvoll NPD-Leute.
Einige Menschen hinter der Absperrung diskutieren über Sinn und Verhältnismäßigkeit von Veranstaltung, Gegendemonstration und Polizeiaufgebot. Während die einen ihr Recht auf Versammlungsfreiheit nutzen, zeigen die anderen, dass sie die Nationalsozialisten nicht in der Stadt haben wollen. Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei und das Ende friedlich. Die Nationalsozialisten ziehen weiter nach Wolfenbüttel auf ihrer einsamen Wahlkampftour.
Eine Stunde später macht Domprediger Joachim Hempel das Mittagsgebet im Dom zur Friedensandacht: „Alle, die sich hier versammeln, stehen unter der Verheißung Jesu Christi: Selig sind, die Frieden stiften!“. Rund hundert Andächtige sind gekommen. Lärmen und pfeifen seien nicht immer die adäquaten Antworten auf wirre Gedanken und fehlgeleitete Überzeugungen, bezieht sich Hempel auf den Inhalt der eben vor der Domtür zu Ende gegangenen Veranstaltung, „aber manchmal ist es geboten, in aller Deutlichkeit zu zeigen, dass wir uns das friedliche Miteinander in Stadt und Land nicht von einer verschwindend kleinen Minderheit zur Disposition stellen lassen“.
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