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Sechs Frauen auf Beutezug

Braunschweiger Polizei meldet Fahndungserfolg und neue Entwicklung

Von Marion Korth

Braunschweig. Einbruch in eine einstige Männerdomäne: Sechs Frauen sollen den bewaffneten Überfall am 28. August auf die Spielhalle Casino Royal am Ölschlägern gemeinsam geplant und begangen haben. „Ich bin seit 1974 im Polizeidienst, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Ulf Küch, Chef der Kriminalpolizei, am Montag.

Die Frauen, sie haben den Überfall gestanden, drei von ihnen sitzen in Haft, sind das jüngste Beispiel für eine Entwicklung, die die Polizei seit Jahren beobachtet. Küch nennt Zahlen: Im Jahr 2004 seien Frauen bei 304 Rohheitsdelikten als Verdächtige ermittelt worden, 2008 in 467 Fällen. „Und in diesem Jahr werden wir wohl die 500 überschreiten“, sagt Küch.
Es sei neu, dass sich Frauen ihrem männlichen Pendant derart angleichen würden. „Ich habe das selbst beim Fußball erlebt, da stehen Frauen in der ersten Reihe und werfen Steine“, berichtet er aus dem Polizeialltag. Früher seien Frauen eher als Komplizinnen aufgefallen, waren Fahrerin oder haben Schmiere gestanden. Mittlerweile schrecken sie auch vor Raub oder Gewalt nicht mehr zurück, wie der aktuelle Fall zeigt.
Über die Ursachen kann die Polizei nur spekulieren. In manchen Actionfilmen wird das neue Frauenbild transportiert. „Da werden Frauen sehr martialisch dargestellt und sind bis an die Zähne bewaffnet“, sagt Küch.
Die sechs Frauen seien gezielt vorgegangen. Drei hatten den Tatort im Auge, eine vierte hatte den Überfall mit vorbereitet. Die Haupttäterinnen, 23 und 24 Jahre alt, kamen maskiert in die Spielhalle. Die eine hatte ein Messer mit 20 Zentimeter langer Schneide dabei, bedrohte die 30-Jahre alte Aufsicht, forderte das Geld aus der Kasse. Die Frauen konnten unerkannt flüchten. Ihre Beute war eher mager, die Polizei spricht von 400 bis 500 Euro. „Die hatten mehrere tausend Euro erwartet, die haben selbst in Spielhallen gearbeitet, die wussten, was da zu holen ist“, sagte Jörg Pape, Leiter der Ermittlungsgruppe Casino. An diesem Tag ging die Rechnung nicht auf.
Die Spielhallenaufsicht hatte bereits vermutet, dass da Frauen und keine Männer vor ihr gestanden hatten. Weitere Hinweise kamen hinzu. Bereits am 23. März sowie am 31. Mai waren zwei andere Spielhallen überfallen worden. „Es gab den Hinweis einer Aufsicht, dass Frauen sie vorher gefragt hatten, ob sie sich nicht einmal überfallen lassen wollte“, sagte Pape. Im Gegenzug hätte es eine Beteiligung an der Beute gegeben.
Die Polizei kann nicht beweisen, ob ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Überfällen und dem letzten besteht, sucht aber nach Zeugenhinweisen. „Es kann gut sein, dass auch noch andere angesprochen worden sind, ob sie nicht Opfer sein wollen“, sagt Pape. Hinweise bitte an die Polizei unter 4 76 25 16.
In der Nähe des Tatortes am Ölschlägern fanden die Beamten später eine Stofftasche mit Kleidungsstücken, außerdem einen Mantel und ein Tuch, wie sie eine der Täterinnen bei dem Überfall getragen hatte. Bei einer Wohnungsdurchsuchung entdeckten die Polizisten eine identische Stofftasche und einen Messerblock, in dem ein Messer fehlte – die Tatwaffe. Die Frauen seien teilweise wegen Eigentumsdelikten vorbestraft, in einem Fall lief noch eine Bewährungsstrafe. Das Motiv: Geldnot. „Die Frauen sind zum Teil selbst spielsüchtig. Sie haben das Geld verballert, in der Hoffnung, mehr daraus zu machen“, sagte Pape.
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