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Schwein geht vor! Schmidts Hack-Ordnung

traurig aber war
 
Christian Schmidt, Gruene Woche Berlin, 20.01.2016 am Messestand vom Bundesministerium fuer Ernaehrung und Landwirtschaft der Bundesregierung auf der Internationalen Gruenen Woche in Berlin.
Ich danke für die Resonanz zum Beitrag "Kampf der Lügenwurst." David Böcking verdeutlicht das Thema siehe:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/kommentar-agrarminister-schmidt-tritt-wie-ein-fleischlobbyist-auf-a-1127769.html

Agrarminister Schmidt wirbt für Schweinefleisch und will Fleischnamen für vegetarische Ersatzprodukte verbieten. Das ist dreist - bei anderen Lebensmitteln mutet er deutlich mehr Eigenständigkeit zu.
Wäre also auch das geklärt: Bei Christian Schmidt gab es zu Weihnachten Rinderbraten. Das erzählte der Bundesagrarminister der "Bild"-Zeitung. Zugleich wärmte der CSU-Politiker Forderungen nach einer "Schweinefleischpflicht" an Schulen wieder auf und kündigte ein Verbot von Fleischnamen für vegetarische Ersatzprodukte an. Damit auch ja keine Zweifel an seiner karnivoren Gesinnung aufkommen, ließ sich Schmidt schließlich noch mit Kotelett und Speckböhnchen fotografieren.

Auch ich habe über die Feiertage reichlich Fleisch gegessen, Speckböhnchen inklusive. Um die Sojaskulpturen des kürzlich in meiner Nachbarschaft eröffneten "Vegetarischen Metzgers" mache ich bislang einen Bogen. Doch auch als Fleischesser finde ich Schmidts Äußerungen ziemlich dreist. Denn offensichtlicher kann sich ein Politiker kaum zum Lobbyisten einer Branche machen.

Derselbe Schmidt, der nun so offensiv für den Fleischkonsum wirbt, fand vor wenigen Monaten noch, der Staat dürfe "nicht in die Kochtöpfe der Verbraucher hineinregieren". Damals ging es freilich nicht um Fleisch, sondern um die sogenannte Lebensmittelampel.

Das dreifarbige Kennzeichnungssystem würde auf einen Blick deutlich machen, ob Produkte wenig, durchschnittlich oder viel Fett, Zucker oder Salz enthalten. Verbraucherschützer fordern die Ampel seit Langem, und auch bei den Bürgern könnte sie sich auf eine breite Mehrheit stützen. In einer aktuellen Umfrage gaben 68,8 Prozent an, sich durch Verzehrempfehlungen auf der Verpackung nicht bevormundet zu fühlen.

Schmidt aber lehnt die Ampel als "unzulässige Vereinfachung" ab. Anhand der seit Dezember EU-weit vorgeschriebenen Nährwerttabellen könne ja "jeder sehen, was in dem Produkt drinsteckt". Eine ziemlich hohe Erwartung an Verbraucher, die beim Großeinkauf kaum jede Verpackung studieren dürften und zudem häufig mit irreführenden Produktangaben konfrontiert sind.

Das Vertrauen in den mündigen Konsumenten lässt schlagartig nach, wenn es ums Fleisch geht. Begriffe wie "vegetarisches Schnitzel" oder "vegane Currywurst" sind Schmidt zufolge "komplett irreführend und überfordern den Verbraucher". Dieser kann also offenbar ausgiebig Nährwerttabellen analysieren, zum Verständnis der Begriffe vegan und vegetarisch aber reicht es leider nicht.

Die Lebensmittelampel lehnte Schmidt auch mit den Worten ab, er könne "nicht per Verordnung dafür sorgen, dass die Menschen mehr Spinat und weniger Chips essen". Von einer Braten-Verordnung sieht der Minister zwar gerade noch ab, aber er wirbt mit der Autorität seines Amts ausdrücklich für dessen Verzehr. Dabei ist der in seinen heutigen Ausmaßen sowohl aus klimapolitischer als auch gesundheitlicher Sicht bedenklich.

Natürlich sollte es grundsätzlich dem Einzelnen überlassen werden, wie er sich ernährt. Falls Schweinefleisch allein aus Sorge vor religiösen Verstimmungen vom Speiseplan genommen wird, ist das bedenklich. Doch dass dessen Verzehr seit Jahren zurückgeht, scheint einen anderen Grund zu haben: Auch unter Schülern wächst die Zahl jener, die wenig oder gar kein Fleisch essen. Mittlerweile ernährt sich nahezu jeder Zehnte in Deutschland vegetarisch. Mehr als 14 Millionen Haushalte haben im vergangenen Jahr mindestens einmal pflanzliche Brotaufstriche oder andere Fleischersatzprodukte gekauft.

Diese Entwicklung kann der deutschen Fleischbranche nicht gefallen, doch sie beruht auf der Entscheidung von Verbrauchern. Wenn Schmidt den Bürgern bei anderen Lebensmitteln so viel Urteilskraft zutraut, dann sollte er sie sich auch ihr eigenes Urteil zum Fleisch bilden lassen.
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