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Schule vor großem Wandel

IGS und Inklusion sind die wichtigen Themen

. Von Ingeborg Obi-Preuß, 06.07.2011

Braunschweig. „Das Thema fünfte Gesamtschule kommt so sicher auf uns zu wie das Amen in der Kirche“, kommentiert Schuldezernent Ulrich Markurth die jetzt vorgelegten Zahlen zum Ende des Schuljahres.

Fast 400 Schüler, die zu einer Gesamtschule (IGS) wechseln möchten, erhielten eine Absage. Die Stadt hat jetzt Zahlen vorgelegt, wonach von den 1769 Schülerinnen und Schülern städtischer Grundschulen rund 20 Prozent eine Empfehlung für eine Hauptschule erhielten, 36 Prozent für die Realschule und 45 Prozent für das Gymnasium. 919 Schüler wollten an eine IGS wechseln, es sind aber nur 527 Plätze frei.
„Das wird eines der großen Themen in der nahen Zukunft“, sagte Markurth. „Das zweite Thema heißt Inklusion“, fügt er an. Gemeint ist, dass im Sinn der UN-Behindertenrechtskonvention Menschen nicht mehr in Sondereinrichtungen leben, arbeiten oder lernen. Also auch nicht an Förderschulen. „Das stellt uns vor riesige Herausforderungen“, erklärt Markurth.
Der Erlass zum Thema „Inklusion“ aus Hannover wird seit langem erwartet, „die Bundesregierung hat beschlossen, der UN-Konvention zu folgen, jetzt muss das Land uns die genauen Vorgaben machen“, sagt Markurth. Darauf will der Schuldezernent vorbereitet sein. Als „gelernter“ Planungstheoretiker setzt Markurth auf Zahlen „als feste Basis zum Improvisieren.“
Als er im November vergangenen Jahres die Dezernentenstelle übernahm, fragte er gleich nach einem Schulentwicklungsplan. „Haben wir nicht und brauchen wir nicht“ kam die Antwort aus der Politik.
Lange Zeit hatte das Land die Kommunen zu so einem Schulentwicklungsplan verpflichtet, seit rund fünf Jahren aber ist diese Aufgabe freiwillig. Und damit ist sie weggefallen.
„Aber so ein Plan ist immens wichtig“, sagt Markurth. Es geht um Fragen wie: Wie viele Kinder werden geboren, wie viele gehen wann zur Grundschule, wer wechselt wann in welche weiterführenden Schulen und und und. „Wir dürfen uns von der Entwicklung doch nicht überraschen lassen“, sagt der Dezernent.
Der Oberbürgermeister schloss sich Anfang des Jahres der Haltung seines Dezernenten an und nahm die Erstellung eines Schulentwicklungsplans in seine strategischen Ziele auf. „Damit haben wir eine Legitimation, an den Start zu gehen“, sagt Markurth.
Das ist nicht ganz einfach, weil für das komplizierte Zahlengebilde eine Stelle eingerichtet und ein Spezialist gesucht werden muss. „Die Stellenausschreibung wird jetzt vorbereitet“, sagt Markurth.
Zwei wesentliche Aufgaben werden die Arbeit bestimmen: Die Planung einer fünften IGS und das Thema „Inklusion.“ „Wir als Verwaltung müssen den Rat mit Informationen versorgen und in die Lage versetzen, sich die Auswirkung der jeweiligen Entscheidungen vorstellen zu können“, erklärt Markurth.
Beispiel: fünfte IGS. „Der Elternwille dazu liegt klar auf der Hand“, sagt Markurth, „aber man muss wissen, dass die Einrichtung einer neuen Gesamtschule Auswirkungen auf die Schullandschaft in Braunschweig haben wird.“ Konsequenzen müssen bedacht werden: An welchen Standort soll die neue Schule? Was passiert an dem Standort mit der bisherigen Schulform? Wenn im Zuge der IGS ein Gymnasium geschlossen werden muss, welches? Was geschieht mit dem leeren Schulgebäude?
„Das Thema IGS aber ist von uns noch relativ gut zu stemmen“, ist Markurth sicher, bei dem Thema „Inklusion“ allerdings sieht er das schon kritischer. Nach dem Inkrafttreten der neuen Resolution sollen die bisherigen Förderschulen wegfallen, theoretisch muss jede Schule jedes Kind aufnehmen können. „Das ist praktisch aber nicht umsetzbar“, weiß Markurth. Eine Möglichkeit könnten so genannte Schwerpunktschulen bilden – eine, die beispielsweise besonders körperbehinderte Schüler mit aufnehmen kann, eine andere, die sich auf geistig behinderte Mitschüler einstellen kann. Das alles aber sind noch reine Planspiele. „Die Schullandschaft jedenfalls wird sich in naher Zukunft komplett verändern“, sagt Ulrich Markurth.
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