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„Schere geht auseinander“

Stadt stellte Sozialstudie zu den einzelnen Stadtteilen vor.

Von Birgit Leute, 28.12.2016.

Braunschweig. Die gute Nachricht zuerst: Es gibt immer weniger Arbeitslose in Braunschweig. Auch die Zahl der Hartz-IV-Empfänger ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gesunken. Die schlechte Neuigkeit: Kinder in Armut und Langzeitarbeitslose haben es trotz der guten Lage immer noch schwer.

Dies belegt eine frisch aktualisierte Sozialstudie, die Dr. Andrea Hanke, Sozialdezernentin der Stadt, und der Leiter des Sozialreferats, Hartmut Dybowski, unlängst vorstellten.

Weniger Arbeitslose

Seit 2005 erhebt die Stadt Braunschweig regelmäßig Zahlen zur sozialen Situation in den einzelnen Stadtteilen. Wie viele Einwohner haben eine geregelte Arbeit?, Wie viele einen Migrationshintergrund? Wie viele Kinder beziehen Hartz-IV? „Gefühlt wissen wir, wo es möglicherweise soziale Probleme gibt, aber man muss es auch belegen können“, erklärte Hanke. Die jetzt herausgegebene Sozialstudie – eine Fortschreibung aus dem Jahr 2013 – lieferte dazu belastbare Zahlen. „Wir können dadurch viel gezielter Projekte entwickeln“, so Sozialdezernentin Hanke.
Verhaltene Freude
Auf den ersten Blick steht Braunschweig sehr gut dar: Die Bevölkerung ist im vergangenen Jahrzehnt um rund fünf Prozent gewachsen, gleichzeitig stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten um 26,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit ging im gleichen Zeitraum zurück (minus 39 Prozent), ebenso wie die Empfänger von Hartz-IV (minus 28 Prozent).
Grund zum Jubeln sieht Hartmut Dybowski dennoch nicht. „Die Schere zwischen den Stadtteilen geht immer weiter auseinander“, beobachtete der Leiter des Sozialreferats.

Beispiel: Mascherode und die südliche Weststadt. Während in dem gut situierten südlichen Stadtteil die Einwohner deutlich besser dastehen, die Arbeitslosenquote gering und auch der Anteil von Migranten unter dem Durchschnitt liegt, belegen die Zahlen für die Weststadt ein ganz anderes Bild: Dort scheint der positive wirtschaftliche Trend tatsächlich wenig bis gar nicht anzukommen. Ob Jugendarbeitslosigkeit oder Kinderarmut: Die südliche Weststadt steht trotz leichter Rückgänge immer noch erheblich schlechter da als andere Viertel. Für Sozialdezernentin Hanke ein Grund zum Handeln: „Eine zunehmende Konzentration von Armut und die damit verbundenen Probleme auf einige wenige Stadtteile ist nicht hinnehmbar und steht im Widerspruch zu der vom Rat geforderten sozialen Durchmischung“, betonte sie.

Prognosen

Und wie sehen die weitere, Prognosen aus? Hartmut Dybowski äußert sich da eher vorsichtig. „Das hängt sehr von der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa und auch von der Entwicklung der Flüchtlingspolitik ab“, so der Fachmann. Sorge bereitet ihm der konstant hohe Sockel an Langzeitarbeitslosen und an Kindern in Armut. „An diesem Sockel müssen wir arbeiten“, fordert auch Hanke und denkt dabei unter anderem an den Ausbau der schulischen Förderung.
Die nächste Studie soll 2019 erscheinen.
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